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600 Euro Geldstrafe für Schwarzangler

Potsdamer wegen Fischwilderei vor Gericht 600 Euro Geldstrafe für Schwarzangler

Mal einfach die Angel auswerfen und hoffen, dass etwas anbeißt – so schön das auch wäre, es ist verboten. Wer ohne die nötige Erlaubnis angelt, macht sich strafbar und riskiert eine empfindliche Strafe. So erging es jetzt zwei jungen Männern aus Potsdam. Mitarbeiter des Ordnungsamtes hatten sie mit Wurfrute und Blinker an der Nuthe erwischt.

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Wer angeln will, braucht die nötige Angelkarte.

Quelle: Peter Geisler

Potsdam. Das Wichtigste beim Angeln, sagt man, sind lange Arme, um zu zeigen, wie groß der Fisch war. Beim Schwarzangeln sind freilich flinke Beine gefragt, ansonsten ergeht es einem wie den beiden jungen Männern, die sich am Mittwoch vor dem Potsdamer Amtsgericht wegen Fischwilderei verantworten mussten. Die Freunde Philipp K. (26) und Florian K. (24) wurden am Abend des 26. Mai 2015 dabei erwischt, wie sie ihre Ruten an der Nuthe auswarfen, ohne den notwendigen Angelschein zu haben. Dafür sieht das Gesetz eine Geld- oder im ärgsten Fall eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren vor.

Philipp K. sieht aus, als sei er direkt vom Angelausflug ins Gericht geeilt. Er trägt Arbeitshose und Anorak, Kopfhörer und Dreitagebart. Er kommt zu spät und ohne Anwalt, aber immerhin ist er da. Der Kumpel, mit dem er am Abend zuvor noch zusammengesessen hatte, pfeift offenbar auf die Verhandlung. „Ich hab noch versucht, ihn zu erreichen, aber er geht nicht ans Handy“, sagt Philipp K. Der Platz neben ihm bleibt leer.

Phillip K. ist 26 Jahre alt, ledig, wohnt bei den Eltern. Ein Drittel von seinen 900 Euro netto gibt der Brauereihelfer als Kostgeld ab. Er hat zwar keine Unterhaltsverpflichtungen, doch viel bleibt nicht zum Leben. Sein Vorstrafenregister ist sauber. Allerdings hat er schon einmal vor Gericht gestanden – als Mitbeschuldigter. „Mein ehemaliger Mitbewohner wurde beim Diebstahl erwischt“, sagt Philipp K. „Hat sich aber alles geklärt.“ Mitgefangen – mitgehangen: So war es nun wieder.

Der Kumpel Florian K. wollte mit ihm angeln gehen, erzählt Philipp K. Also zog er mit ihm los zur Nuthe – mit der eigenen Angel und mit Blinkern. „Sie sind ja gut ausgerüstet. Gehen Sie öfter?“ fragt Richterin Christine Rühl. „Nein.“ „Weshalb haben Sie dann eine Angel?“„Weil ich direkt am Wasser wohne. Nur für den Fall“, sagt Philipp K.: Eine Angelkarte lohne jedenfalls nicht. „Sie hoffen, dass Sie nicht erwischt werden, was?“ Philipp K. lächelt verlegen und nickt. Die Richterin schüttelt den Kopf: „Mann, Mann, Mann. Das lohnt sich doch nun wahrlich nicht. Man kann im Leben nicht machen, was man will.“ Er habe aus der Sache ja gelernt, druckst Philipp K. Gefangen habe man an dem Tag nichts. Und die Angel stehe seither beim Freund in der Ecke: „Ich habe sie nicht mehr angefasst.“

Richterin Rühl und die Staatsanwältin tauschen Blicke: Ein kleiner Fisch. „Ich habe keine Bedenken“, sagt die Richterin. Das Verfahren gegen Philipp K. wird eingestellt, sein Vorstrafenregister bleibt sauber – wenn er bis Weihnachten 250 Euro an die Justizkasse zahlt. „Geht in Ordnung“, sagt der junge Mann. Er sieht erleichtert aus.

Gegen seinen abwesenden Kumpel Florian K. ergeht derweil Strafbefehl. „Er hätte auf keinen Fall eine Einstellung bekommen“, sagt die Richterin. Immerhin sei er an jenem Maitag zwei Mal von Mitarbeitern des Ordnungsamts beim Schwarzangeln erwischt worden. Außerdem ist er mehrfach vorbestraft, zum Beispiel wegen Diebstahls und wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Florian K. erhält eine Gesamtstrafe über 600 Euro. Die Richterin unterzeichnet gerade das Papier, als das Telefon im Verhandlungssaal klingelt. Der verlorene Angeklagte meldet sich. Er habe verschlafen. Christine Rühl erklärt ihm die Strafe. „Das wäre auch rausgekommen, wenn Sie hier gewesen wären“, sagt sie. Und dass es nicht so oft vorkomme, dass ein Beschuldigter um Entschuldigung für sein Fehlen bittet.

Legal angeln

Angelkarten sind in Potsdam unter anderem im Naturkundemuseum an der Breiten Straße erhältlich. Eine Tageskarte für Fried- und Raubfisch kostet 5 Euro, eine Wochenkarte 14 Euro. Für die Jahreskarte Friedfisch sind 10 Euro fällig, für die Jahreskarte Raub- und Friedfisch 20 Euro. In jedem Fall ist einmal pro Jahr eine Fischereiabgabe über 12 Euro zu entrichten.

Zu beachten ist, dass Angler im Land Brandenburg einen Fischereischein vorweisen müssen, wenn sie Raubfische angeln wollen. Für den Schein ist eine Anglerprüfung abzulegen. Friedfische dürfen im Land Brandenburg ohne Fischereischein geangelt werden.

Von Nadine Fabian

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