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Potsdam So lebt es sich mit dem Grundeinkommen
Lokales Potsdam So lebt es sich mit dem Grundeinkommen
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00:32 16.05.2018
Katrin Krüger kann sich endlich Träume erfüllen: Ganz oben auf ihrer Wunschliste steht ein Hund. Quelle: Anne Knappe
Potsdam

Es ist Anfang Februar. Katrin Krüger sitzt gerade in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, als sie die Gewinner-Nachricht per Mail erreicht: ‚Katrin, du hast gewonnen‘. Erstaunt schaut sie auf ihr Smartphone.„Ich habe es zuerst für eine Spam-Mail gehalten“, erinnert sich die 42-Jährige

Sie muss am Bahnhof Griebnitzsee aussteigen. „Ich habe so vor mich hingegrinst. Die Leute müssen gedacht haben, ich sei bescheuert“, sagt Krüger. Dass sie sich im September auf dem Weg in den Urlaub zu der Grundeinkommens-Verlosung angemeldet hatte, fällt ihr erst jetzt wieder ein. „Trotzdem war ich im ersten Moment skeptisch, ob das wirklich echt ist.“ Erst als die 1000 Euro Ende Februar tatsächlich auf ihrem Konto landen, realisiert sie ihren Gewinn.

Ein Jahr lang wird sie nun jeden Monat die hilfreiche Finanzspritze bekommen. Möglich wurde das durch die Teilnahme an der Verlosung von „Mein Grundeinkommen“. Die gemeinnützige Initiative sammelt per Crowdfunding Geld. Immer wenn 12 000 Euro zusammen sind, wird es ausgelost. Der Brandenburger Michael Bohmeyer, gründete die Initiative, an der jeder kostenlos teilnehmen kann, im 2014 im Berliner Stadtteil Kreuzberg.

„Mit dir trifft es die Richtige“

Ihre Freunde waren begeistert. ‚Mit dir trifft es die Richtige‘, hätten sie gesagt, erzählt Krüger. „Ich bin auch irgendwie eine Überlebenskünstlerin mit meinen Jobs“, sagt sie. Krüger hat zwei abgeschlossene Berufsausbildungen: eine als Erzieherin, eine als Fremdsprachenassistentin. Sie weiß, wie es ist, mit ganz wenig Geld auszukommen.

2012 machte sie sich mit einem kleinen Korrektorat selbstständig, arbeitete nebenbei immer mal wieder fest. Aber die vielen Kosten hätte sie irgendwann nicht mehr stemmen können. „Ich habe immer mal wieder drauf gezahlt,“ erzählt Krüger. Am Ende war es zu viel, sie musste aufgeben – und rutschte damit sofort ins Hartz IV. In der Zeit machte sie Weiterbildungen zur Ernährungsberaterin, Entspannungs- und Bewegungstrainerin.

Katrin Krüger arbeitet gern

Vor einem Jahr schaffte sie es raus aus dem Bezug und bekam eine befristete Anstellung als Verkäuferin in einem Outdoor-Geschäft. Anfang des Jahres wurde klar, dass sie nicht übernommen werden konnte. Eine neue Stelle fand sie im April in einer Berliner Kfz-Werkstatt „als Mädchen für alles“, sagt sie. Kündigen sei für sie nach dem Gewinn nicht infrage gekommen. „Ich arbeite gerne“, erzählt sie.

Mit dem Grundeinkommen kann sie es sich aber heute leisten, nur 20 statt 30 Stunden zu arbeiten. „Das wäre vorher wahrscheinlich nicht gegangen. Man hat plötzlich mehr Spielraum, es wird alles etwas leichter umzusetzen.“ Beispielsweise auch einen Hund anzuschaffen. Der hätte jahrelang ganz oben auf ihrer Wunschliste gestanden. Die Haltungskosten könne sie sich nun leisten.

Große Chance, großer Druck

Krüger ist genügsam, sie hat keine Kinder, lebt allein und fährt viel mit dem Rad. Etwas mehr Geld würde sie für hochwertiges Essen ausgeben. Neue Pflanzen für den Balkon, in der Gaststätte mal drei Getränke bestellen, ein neues Buch kaufen – all das geht nun. „Ich lebe jetzt nicht in Saus und Braus, aber ich muss nicht mehr rechnen, nicht mehr dreimal überlegen“, sagt sie. „Es ist der kleine Luxus, der das Leben lebenswert macht.“

Gleichzeitig würde sie aber auch einen großen Druck spüren. „Es ist die große Chance, die muss man doch nutzen“, sagt sie. Sie sei gerade in einer Phase des Umbruchs. „Ich möchte alle Fäden in meinem Leben mal zusammenraffen und einen dicken Strick draus binden“, sagt sie. Am liebsten würde sie Bewegungslehre, Yoga und Ernährung irgendwie verbinden. Derzeit sei sie dabei, zu gucken, „wo die Reise hingeht“.

Wie viel muss ich zurückgeben? Darf ich weiter sparsam sein? – Krüger hat sich diese Fragen in den letzten Wochen oft gestellt. Einen Teil möchte sie eventuell an den Tierschutz spenden, einen anderen Teil, gibt sie jetzt als sogenanntes „Crowdhörnchen“ zurück. Das heißt, monatlich spendet sie wieder einen Betrag, der dann in ein neues Grundeinkommen fließt – und im nächsten Monat vielleicht jemand anderen glücklich macht.

Von Anne Knappe

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