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Potsdams Baudezernent über die Zukunft der Stadt

Verkehr, Luftverschmutzung und Innovationen in Potsdam Potsdams Baudezernent über die Zukunft der Stadt

Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) im MAZ-Interview über kostenlosen Nahverkehr, den Modellversuch in der Zeppelinstraße, die Zukunft des Staudenhofblocks und einen Platz, den er momentan so gar nicht anziehend findet.

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Bernd Rubelt
 

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam.  Bernd Rubelt (parteilos) ist seit 15. Mai Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt. Im MAZ-Interview zieht der gelernte Stahlbauschlosser und Diplom-Ingenieur mit Schwerpunkt Städtebau ein erstes Resümee seiner Zeit in Potsdam – inklusive Zukunftsblick.

Herr Rubelt, Sie sind jetzt fast auf den Tag genau ein halbes Jahr im Amt. Haben Sie in dieser Zeit schon einen Lieblingsplatz in Potsdam gefunden?

Ich probiere noch vieles aus, um alles kennenzulernen. Was meine Frau und ich aber besonders lieben, sind die Parkanlagen. Wir wohnen in der Nähe vom Park Sanssouci und sind sehr gerne zu Fuß unterwegs.

An der Friedenskirche konnte man Sie und Ihre Frau zum Beispiel schon bei einer Fledermausführung des Nabu treffen. Nicht unbedingt ein gängiges Hobby.

Ich finde es einfach spannend, wie der Nabu auch das, was man nicht offensichtlich sieht, nahebringt. Wir sind große Naturliebhaber. Meine Frau ist Homöopathin - ihre Arzneimittel wachsen in der Natur. Da verbringt man natürlich viel Zeit draußen.

 Im Gegensatz zu dem - vorsichtig ausgedrückt - impulsiven Matthias Klipp ist über den Menschen Bernd Rubelt noch ziemlich wenig bekannt, außer dass Sie vorher Amtsleiter in Eutin in Schleswig-Holstein waren. Sind Sie also der ausgleichende, höfliche Norddeutsche?

Zumindest teilweise bin ich Norddeutscher, ich habe acht Jahre meiner Kindheit in Ostfriesland verbracht. Mein Vater war Berufssoldat, wir sind viel umgezogen.

Potsdam und Eutin weisen auch Gemeinsamkeiten auf. Hier wie dort ist der Bauunternehmer Theodor Semmelhaack tätig. Haben Sie sich vorab schon mal ausgetauscht, wie die Befindlichkeiten in Potsdam so sind?

Nein, mit den Projekten der Firma Semmelhaack in Potsdam habe ich mich erst nach dem Dienstbeginn hier befasst.

Ein Blick in die Glaskugel: Potsdam im Jahr 2024 - wie wird die Stadt Ihres Erachtens aussehen? Wird es die Biosphäre plus Tropenhalle noch geben?

Ja, mit einem deutlich aufgewerteten Angebot im Gebäude, im Umfeld und einem attraktiven Programm für Anwohner und Gäste.

Wird es 2024 die Einengung der Zeppelinstraße noch geben und könnten möglicherweise noch andere Straßen betroffen sein. Falls ja - welche?

Erst einmal möchte ich vorweg stellen, dass ich den Begriff „Einengung“ sehr einseitig finde. Für den Modellversuch haben wir den Straßenraum neu aufgeteilt, um für alle Verkehrsteilnehmer, also nicht nur Autofahrer, sondern auch für den ÖPNV, für Fußgänger und Radfahrer die Bedingungen zu ändern und die Luftschadstoffwerte zu verringern. Zurück zu Ihrer Frage: Möglich, da wir auch künftig für Fragen der Luftreinhaltung, der Lärmbelastung und der Verkehrssicherheit Antworten brauchen. So muss zum Beispiel auch die Schadstoffsituation in der Großbeerenstraße weiter beobachtet werden.

Würden Sie es begrüßen, wenn der Staudenhof-Wohnblock in sieben Jahren noch steht?

Unter der Prämisse, dass es an diesem Standort auch weiterhin Mietwohnungen gibt, die bezahlbar sind und die derzeitigen Bewohner dadurch nicht verdrängt werden, präferiere ich die Umsetzung des Leitbautenkonzeptes mit der kleinteiligen Blockstruktur und wirtschaftlichen Neubauten.

Wird es in dem Zukunftsszenario dann auch einen kostenlosen ÖPNV geben?

Wichtig ist mir ein stabiles, gutes und erweitertes Angebot für die wachsende Stadt. Wenn mit einem Gratisangebot die hohen Anforderungen an den ÖPNV nicht umgesetzt werden können, ist das für Potsdam keine Lösung.

Wird das Radwegenetz ausgebaut sein? Falls ja - nur durch Markierungen auf der Fahrbahn oder mit richtigen separaten Wegen?

Wir brauchen schon kurzfristig Veränderungen an einigen Kreuzungsbereichen und Knotenpunkten. Die Verbesserung und Erweiterung des Netzes müssen wir insgesamt natürlich weiter voranbringen, auch vor dem Hintergrund der Zunahme von E-Bikes und Pedelecs. Da sehe ich einmal Radschnellverbindungen in Richtung Krampnitz/Spandau und Teltow/Stahnsdorf, aber auch zwischen den Potsdamer Ortsteilen. Diese Verbindungen können dann auch separat geführt werden.

Was sollte bis 2024 die größte Innovation sein? Welches Projekt wollen Sie in Ihrer Amtszeit besonders zur Chefsache machen?

Die größte Innovation wäre für mich die Dekarbonisierung der Stadtquartiere, sowohl im Bestand als auch der Erweiterung und im Neubau. Das sehe ich auch als zentrale Aufgabe für die wachsende Stadt.

Was Ihre Lieblingsplätze in Potsdam sind, haben Sie ja schon eingangs beantwortet. Bleibt noch die Frage, welches die Orte sind, die Sie in Potsdam weniger mögen?

Da fällt mir spontan der Bahnhofsvorplatz ein. Da sehe ich den Bedarf, aber auch die Möglichkeit einer bürger- und nutzerfreundlichen Weiterentwicklung des Bereichs, sowohl durch den Umbau des Leipziger Dreiecks, aber auch durch die geplante Entwicklung der ehemaligen Wagenhalle.

Das Hotelprojekt am Bahnhof, bei dem die denkmalgeschützte Wagenhalle überbaut werden soll, ist umstritten. Wird es dennoch umgesetzt?

Das hoffe ich. Das angewandte Verfahren, durch einen Wettbewerb überzeugende Lösungen für die Weiterentwicklung des Gebäudes zu entwickeln, ist richtig. Mit dem Ergebnis aus dem Wettbewerb, das ja auch nochmals überarbeitet wurde, ist eine architektonisch qualitätvolle und wirtschaftliche Lösung möglich. Für mich ist das ein überzeugender Lösungsansatz.

Von Ildiko Röd

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