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Potsdam 2008 wird zum Jahr des Jugendprotests
Lokales Potsdam 2008 wird zum Jahr des Jugendprotests
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19:17 06.07.2018
Mehrere 100 junge Potsdamer demonstrierten am 11. August 2008 in der Innenstadt gegen die Verdrängung von Jugend- und Soziokultur. Quelle: Joachim Liebe
Potsdam

Mehr als 400 junge Potsdamer protestierten am 11. August 2008 mit einer Demonstration gegen die Verdrängung von Jugend- und Soziokultur. „Kultur kostet Geld – Für den Erhalt kultureller Freiräume“, erklärten sie auf einem Transparent. „Wir hatten mit 150, vielleicht 200 Leuten gerechnet“, sagt Benjamin Bauer (34), der gemeinsam mit Patrick Hinz und Clemens Porikys zur Demo aufgerufen hatte. Die hohe Beteiligung habe sie damals überrascht.

Alle drei waren politische Neulinge. Bauer war Sprayer, Porikys Waschhaus-Gänger, Hinz war im Archiv aktiv.

Patrick Hinz, Clemens Porikys und Benjamin Bauer (v.l.) im August 2008 in der Schiffbauergasse. Quelle: Joachim Liebe

Lindenpark und Waschhaus insolvent

2008 brachen die Anlaufpunkte der Potsdamer Jugend- und Soziokulturszene gleich reihenweise zusammen. Im Frühjahr musste der Lindenpark den Spartacus-Club und den Jugendclub S 13 in der Schlossstraße aufgeben. Im Frühsommer folgten die Insolvenzen des Lindenparks und des Waschhauses. Beide Häuser kollabierten nach jahrelanger Unterfinanzierung.

Damit standen die namhaftesten Potsdamer Clubs vor dem Aus. Die Sprayer hatten mit der Sanierung der Schiffbauergasse zudem hunderte Quadratmeter Wandfläche verloren, an denen sie vorher legal hatten arbeiten dürfen.

Dem Archiv droht die Schließung

Der heute 31-jährige Patrick Hinz gab schließlich im sozialen Netzwerk StudiVZ einen Termin für ein „Vernetzungstreffen“ bekannt. „Ich habe diesen Aufruf gelesen“, sagt Bauer, „ich kannte ihn vorher gar nicht, hatte aber wegen der weggefallenen Wandflächen und des Spartacus das Bedürfnis, mich mit einzubringen.“ Dem Treffen auf dem Hof des Waschhauses mit einem halben Dutzend jungen Potsdamern folgte die erste Demo.

Kurz danach kam mit der drohenden baupolizeilichen Sperrung auch das Archiv in der Leipziger Straße auf die Liste der gefährdeten Häuser.

Patrick Hinz (l.) und Benjamin Bauer vor wenigen Tagen auf dem Hof des Archivs. Quelle: Volker Oelschläger

Im Oktober eröffnete die Stadt einen Runden Tisch, um Wege aus der Krise zu diskutieren. Unter den Teilnehmern waren Benjamin Bauer und Patrick Hinz, die schließlich zu den Initiatoren einer Arbeitsgruppe „Alternative Jugendkultur in Potsdam” (AJKP) zählten.

Das „La Datscha“ wird besetzt

Die nächste Zuspitzung: Ein von der Stadt angebotenes Grundstück für ein neues Jugendkulturzentrum in der Johannsenstraße wurde von der Szene als unbrauchbar abgelehnt. Eine Gruppe besetzte statt dessen das „La Datscha” am Park Babelsberg. Zur Eskalation kam es im November, als eine Berliner Polizei-Hundertschaft nach einer Demonstration von nun schon 1500 Jugendlichen die Skaterhalle in der Kurfürstenstraße räumte.

Die Potsdamer Stadtpolitik reagierte schließlich auf den anhaltenden Protest. Ein von der AJKP verabschiedeter Katalog mit 13 Forderungen wurde von den Stadtverordneten bestätigt. Zu den bis heute offenen Punkten gehört laut Benjamin Bauer ein Ersatz für die Skaterhalle. Im Februar 2009 stellten Linke und Stadtjugendring das frühere Gelände des städtischen Wasserbetriebes an der Friedrich-Engels-Straße als Platz für ein neues Jugendkulturzentrum vor – das spätere „Freiland“.

MAZ-Serie „1000 plus 25 Jahre Potsdam“

Mit einem Fest wird am 8. Juli auf dem Alten Markt der 1025. Jahrestag Potsdams gefeiert. Die MAZ blickt aus diesem Anlass in einer Serie auf das jüngste Vierteljahrhundert zurück. Pro Jahr wird an ein Ereignis erinnert.

Bisher erschienen:

Kunst-Skandal zur 1000-Jahrfeier 1993 – die „Fontanelle“

Schießerei im KGB-Städtchen – der Abzug der Russen 1994

Boheme auf Abwegen – Neueröffnung des Café „Heider“ 1995

„Einkaufen? Eine Katastrophe.“ – Die Stern-Center-Eröffnung 1996

Wilder Osten – Der Potsdam-Center-Skandal 1997

Die SPD steht hinter mir – Abwahl von OB Horst Gramlich 1998

Sonnenfinsternis im Neuen Garten – 1999 wächst das Potsdamer Weltkulturerbe

Das Ende der Philharmonie – 2000 eröffnet der Nikolaisaal

„Ja zu langen Unterhosen“ – Die Buga 2001 und die AG Stadtspuren

Kampf um die Straße – 2002 gründet sich das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“

Schlechte Stimmung in Neu Fahrland – 2003 wächst Potsdam Richtung Norden

Rettung der Brandenburger Straße – Richtfest bei Karstadt 2004

Zu schön für den Titel – 2005 scheitert die Bewerbung als Kulturhauptstadt

Premierenfieber in der Schiffbauergasse – 2006 wird der Theaterneubau eröffnet

Bürgerprotest für Barockfassaden – Die Geburt von „Mitteschön“ 2007

Kultureinrichtungen kollabieren – 2008 ist das Jahr des Jugendprotests

Eskalation am Griebnitzsee – Anrainer blockieren zum Osterfest 2009 den Uferweg

Bürgerpark statt Straßenschlucht – Die Geburt der Gartenstadt Drewitz 2010

Der Stadtwerke-Skandal 2011 – Potsdams erste Transparenzkommission

Gedächtnis der Stadt zieht in die Mitte – Eröffnung des Potsdam-Museums 2012

Ein Café „Et Cetera“ – Eröffnung des Bildungsforums 2013

Das erste Konzert im Innenhof – 2014 wird das Landtagsschloss eröffnet

„Neue Nachbarschaften“ helfen Flüchtlingen – Die Blaupause für den Herbst 2015

Das letzte Bürgerbegehren – 2016 mobilisieren Potsdamer für Fachhochschule, Staudenhof und Mercure

Im Epizentrum des Streits um die Stadtmitte – Das Barberini kommt, die alte FH verschwindet

Von Volker Oelschläger

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