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Potsdam Potsdams Kämmerer nullt
Lokales Potsdam Potsdams Kämmerer nullt
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21:08 23.03.2018
Rund hundert geladene Gäste wollten Bürgermeister Burkhard Exner (M.) am Freitag beglückwünschen – hier Innenminister Karl-Heinz Schröter (l.) und Oberbürgermeister Jann Jakobs. Quelle: Fotos: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Kämmerer gewinnen in der Regel keine Beliebheitspreise; schließlich sind sie die obersten Sparschweinhüter und schütten die Gaben meist nicht mit dem riesigen Füllhorn aus. Wahrlich nicht der richtige Job, um sich ins Herz der Mitmenschen zu charmieren – möchte man jedenfalls meinen.

Umso erstaunlicher, dass sich gestern Mittag vor dem Restaurant Cappuccino in der Kurfürstenstraße eine so lange Schlange bildete, als würde es drinnen eine Autogrammstunde geben. Aber der, um den es ging, war Bürgermeister und Kämmerer Burkhard Exner (SPD). Aus Anlass seines 60. Geburtstags hatte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zum Empfang geladen. Gekommen waren rund hundert Gäste: Rathausmitarbeiter und Beigeordnetenkollegen, Stadtverordnete, Ortsvorsteher, die Geschäftsführer der großen kommunalen Unternehmen und persönliche Freunde und Weggefährten. Und natürlich Exners Familie – Ehefrau Christiane und Tochter Franca (20), die im Rahmen ihrer Ausbildung zur Rettungssanitäterin gerade ein Praktikum im OP-Saal absolviert. Sparsam sind auch sie, jedenfalls was die Preisgabe von Informationen zum Geburtstagsgeschenk angeht. Nur soviel: Es handelt sich um ein größeres Gemeinschaftsgeschenk, das erst heute Abend im Rahmen der Familienfeier verraten werden soll.

Wegbegleiter und Kollegen gratulieren Burkhard Exner

Die Schlappe bei der Bewerbung um die SPD-Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt, bei der Exner und sein Beigeordnetenkollege Mike Schubert am 20. Januar gegeneinander antraten, hat der Finanzdezernent offenbar gut weggesteckt. Wobei ihm wohl auch eine Fähigkeit hilft, die im knochentrockenen Kämmerer-Berufsalltag oft nur durchschimmert: Eine gute Portion Humors bescheinigt ihm seine Frau. Ob Exner auch im stillen Kämmerlein über das sinnige Geschenk schmunzeln wird, das ihm die Linken – darunter Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg – auf den Gabentisch gelegt haben? Ein Büchlein über das Ex-Terrassenrestaurant „Minsk“ am Brauhausberg, das möglicherweise aus Finanzgründen abgerissen werden soll und für dessen Erhalt die Linke wirbt.

Abgesehen davon, gab es auch sonst Präsente en masse. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) kam mit einem guten Wein, um „in einer ruhigen Stunde mal einen besinnlichen Schluck zu trinken“. Anstoßen konnte Exner unter anderem mit Superintendent Joachim Zehner, den drei Pro-Potsdam-Chefs Horst Müller-Zinsius, Jörn-Michael Westphal und Bert Nicke, der lobte: „Er hat Potsdam mit ruhiger Hand durch schwierige finanzielle Zeiten manövriert.“ Auch die beiden Chefs des Verkehrsbetriebs, Oliver Glaser und Martin Grießner, waren sich einig: „In Bezug auf den öffentlichen Personennahverkehr hat Exner das Herz auf dem rechten Fleck.“ Und das, obwohl die Nummer eins in Exners Herzen in Sachen Fortbewegungsmittel weder Bus noch Tram sind, sondern eindeutig sein heiß geliebtes Rennrad.

Ex-Turbine-Trainer Bernd Schröder und Turbine-Präsident Rolf Kutzmutz hatten einen Dokumentarfilm über die Geschichte des Vereins mitgebracht. Auch gekommen: Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Schlösserstiftung und designierter Chef des Berliner Humboldt-Forums. Zur Nachfolgefrage wollte er sich nicht äußern, dafür über den Jubilar. „Wir haben viele Dinge gut gemeinsam auf den Weg gebracht.“ Stichwort: der Fünf-Millionen-Zuschuss der Stadt, um den freien Parkeintritt in Sanssouci zu erhalten. Abgesehen davon plauderte Dorgerloh, wartend in der Gratulantenschlange, ein wenig aus dem Erinnerungsnähkästchen: Das Haus, in dem jetzt das Restaurant Cappuccino ist, war mal das Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft. Hier gab es auch Schüleressen für die Kinder der POS 5 Makarenko (Eisenhartschule): „Jägerschnitzel, zusammengepampte Kartoffeln und ein hartes Ei – wenn man gut war, kriegte man zwei.“ Auch Exner – obzwar gebürtiger Steglitzer – kannte sich einst mutmaßlich mit DDR-Kantinen-Küche aus. Seine Eltern hatte aus Falkensee in den Westen „rübergemacht“; Verwandtenbesuche im Osten gehörten aber dazu. Als junger Mann trat er den Jusos bei, wobei er anscheinend keiner von der zahmen Sorte war, wie sich Ex-SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter gestern erinnerte: „Wir haben die konservative West-Berliner SPD ganz schön aufgemischt“, erzählte Benneter, der in Steinstücken lebt.

Ein Weggefährte seit mittlerweile 16 Jahren ist Oberbürgermeister Jakobs. „Der erfolgreichste Kämmerer Brandenburgs“, lobte er unter Verweis auf den jüngst verabschiedeten Etat mit einem Rekordvolumen von 700 Millionen Euro in diesem und 725 Millionen im nächsten Jahr. Exner sei ein Verhandlungstalent. „Ich bin immer gerne mit ihm in einem Verhandlungsteam, würde aber ungern auf der anderen Seite sitzen.“ Zusammen haben die beiden auch schon Südtiroler Berggipfel bezwungen. Zum Geburtstag gab’s als persönliches Präsent französischen Wein und Karten für ein Jazzkonzert. Auch sonst ist noch ziemlich viel Musik drin, denn: „Die ersten 40 Jahre liefern den Text unseres Lebens“, hatte es auf der Einladung mit einem Zitat des Philosophen Arthur Schopenhauer geheißen: „Die folgenden 30 den Kommentar dazu.“

Von Ildiko Röd

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