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Potsdams Kreative vor dem Rauswurf?

Protest Garnisonkirche Potsdams Kreative vor dem Rauswurf?

Nach den Protesten beim Gottesdienst zum Baustart des Garnisonkirchturms in Potsdam sieht die Stiftung SPI das nachbarschaftliche Verhältnis zum Rechenzentrum gestört. Auch aus den Räumen des angrenzenden Gebäudes seien Gegenstände geworfen worden – mit unangenehmen Geruch.

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Der Gottesdienst wurde von lauten Protesten begleitet.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Innenstadt. Der von lautstarken Protesten begleitete Freiluft-Gottesdienst zum Baustart des Garnisonkirchturms am vergangenen Sonntag beschäftigt die Stadt immer noch. Nachdem unter anderem Mitglieder der Bürgerinitiative „Mitteschön“ Strafanzeige wegen der Behinderung der Glaubensausübung gestellt haben, hat sich nun die Stiftung SPI als Trägerin des Kunst- und Kreativhauses im Rechenzentrum klar von einzelnen Protest-Aktionen distanziert. „Ich möchte zum einen zum Baustart gratulieren; zum anderen möchte ich mein Bedauern über den Stinkbombenwurf ausdrücken, der vom Haus möglich wurde“, schreibt Kulturmanagerin Anja Engel in einer E-Mail an die Garnisonkirchenstiftung, die der MAZ vorliegt. Und: „Wir tolerieren das nicht. Das Rechenzentrum als Institution, der Sprecher- und Sprecherinnenrat sowie der Verein Freundliche Übernahme Rechenzentrum (FÜR) haben mit dieser Aktion nichts zu tun.“

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Potsdam, 29. Oktober 2017 – Mit einem Festgottesdienst unter freiem Himmel hat die Stiftung Garnisonkirche den Startschuss für den umstrittenen Wiederaufbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche gegeben. Dabei war viel Prominenz vor Ort. Rund 100 Menschen haben lautstark gegen den Wiederaufbau protestiert.

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Offensichtlich seien die Stinkbomben von einem Raum aus geworfen worden, der für die Allgemeinheit leicht zugänglich ist. „Wer es wann genau war, lässt sich nicht nachvollziehen“, so Engel weiter: „Am Wochenende, auch mit Veranstaltungen und Ausstellungsaufbau, gab es ein lebendiges Ein- und Ausgehen im Haus.“ Auch die Kreativen selbst seien betroffen: So hätte sich die Buttersäure auch auf Materialien und Arbeiten eines Holzbildhauers verteilt, der diese zugängliche Nische nutzt. „Ich hoffe sehr auf weiteren Austausch und die Fortsetzung unserer Gespräche“, schließt Anja Engel ihren Brief an die Stiftung. Derzeit geht es um die Weiternutzung des Rechenzentrums durch die Künstler und Kreativen. Bislang läuft ihr Mietvertrag nur bis Ende August 2018.

Störungen auch aus dem Rechenzentrum

„Unter derartigen Vorzeichen über Verlängerungen von bestehenden Vertragsverhältnissen nachdenken zu sollen, ist eine falsche Erwartungshaltung“, erklärte Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Garnisonkirchenstiftung, am Mittwoch, 1. November, gegenüber der MAZ. Die Stiftung ist Eigentümerin eines Teils des Grundstücks mit dem Rechenzentrum. Eschenburg: „Die Vorfälle vom vergangenen Sonntag, die straftatsrelevante ,Begleitung’ des Baustartgottesdienstes, macht eine schlichte Rückkehr zu einem von gegenseitiger Achtung geprägten nachbarschaftlichen Verhältnis so einfach nicht möglich. Gepfiffen und gebrüllt wurde während des gesamten Gottesdienstes auch aus den Fenstern des Rechenzentrums.“ Von dort aus seien auch Rufe in die Richtung von Altbischof Wolfgang Huber gekommen, der die Predigt hielt: „Fahr zur Hölle!“ Zudem sei eine Bibel im Fenster des Rechenzentrums zerschnitten worden, die einzelnen Blätter habe man auf die Gottesdienstbesucher heruntergeworfen, so Eschenburg weiter.

Weiterbetrieb des Rechenzentrums bis Ende 2023?

Zumindest in finanzieller Hinsicht wäre die Nachbarschaft von Turm und Rechenzentrum weiter möglich. Am Mittwochabend hat der Hauptausschuss grünes Licht für die Freigabe von 476 000 Euro gegeben – Geld, mit dem der Mehraufwand für die Koexistenz von Turm und Rechenzentrum finanziert werden soll. Wie der Hauptausschuss zudem beschloss, wird nun ein Weiterbetrieb des Rechenzentrums bis Ende 2023 in Aussicht gestellt. Die ursprüngliche Formulierung – „bis längstens 2023“ – hatte man zuvor auf Antrag der Linken gestrichen. Damit hat die Stadt aber lediglich die Voraussetzung für die Weiternutzung des Gebäudes durch die 250 Künstler und Kreativen geschaffen. Vertragspartner seien die Garnisonkirchenstiftung und die Stiftung SPI, betonte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) im Hauptausschuss. Das Kuratorium der Garnisonkirchenstiftung trifft sich wieder am 17. November.

Lesen Sie hier einen Gastbeitrag des Vorsitzender der Martin-Niemöller-Stiftung, Pfarrer Michael Karg . Er steht dem Wiederaufbau des Garnisonkirchturms kritisch gegenüber.

Von Ildiko Röd

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