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Potsdams Künstlern läuft die Zeit davon

Kreativhaus im Rechenzentrum Potsdams Künstlern läuft die Zeit davon

Die Zustimmung der Garnisonkirchenstiftung zur Verlängerung für das Kunsthaus Rechenzentrum in der Potsdamer Innenstadt ist noch immer offen, hat Oberbürgermeister Jann Jakobs am Dienstag auf MAZ-Anfrage mitgeteilt. Der Stiftungsrat tagt erst wieder nach den für Februar angekündigten Werkstattrunden, in denen Pläne für ein neues Kreativhaus angebahnt werden sollen.

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Das Rechenzentrum im Herbst 2015. Links das große Waisenhaus, unten rechts die Baustelle des Garnisonkirchturms.

Quelle: Kulturlobby/Morgenstern

Potsdam. Die Verlängerung für das Kunst- und Kreativhaus im alten Rechenzentrum um fünf Jahre bis 2023 ist weiter offen. Zwar haben die Stadtverordneten im November bereits 460 000 Euro freigegeben, mit denen für diesen Zeitraum ein Mehraufwand im Zusammenhang mit der angrenzenden Baustelle für den Garnisonkirchturm finanziert werden soll. Doch noch immer fehlt die Zustimmung der Garnisonkirchenstiftung für eine Öffnung des Rechenzentrums über den August 2018 hinaus. Als Eigentümerin hat die Stiftung, die auf einem Teil des Grundstücks mittelfristig das Kirchenschiff errichten will, Vetorecht.

Oberbürgermeister Jann Jakolobs (SPD) teilte am Dienstag auf Nachfrage mit, dass der Stiftungsrat die Verlängerung in seiner jüngsten Sitzung im November nicht auf der Tagesordnung hatte. Der nächste Sitzungstermin ist im März 2018. Jakobs, als Vertreter der Stadt Mitglied dieses Gremiums, lehnte es am Dienstag ab, über die Folgen einer Nicht-Verlängerung für das Rechenzentrum zu spekulieren. Er „denke schon, dass es zu einer Verlängerung kommen wird“.

Der Stiftungrat habe zudem bereits zugesagt, in den sogenannten Szenario-Workshops mitzuwirken, mit denen im Februar die Vorbereitungen für ein neues Kunst- und Kreativzentrum in der Innenstadt beginnen sollen.

In diesen Workshops gehe es zuerst um Inhalte und Bedarfsermittlung: Jakobs betonte mit Blick auf die der barocken Innenstadt verpflichteten Initiative Mitteschön, dass es „nicht um Architektur“ geht: Das sei erst der zweite Schritt. Er sprach von einem „neuen Ansatz“. Bisher werde bei Vorhaben in der Innenstadt zuerst über Architektur und Stadtgestaltung gedacht. „Aber wir wollen das jetzt einmal anders herum probieren und zuerst über stadträumliche Funktionen nachdenken.“

Das Werkstattverfahren ist Teil des Stadtverordnetenbeschlusses vom November, nach dem bis 2023 im nahen Umfeld des Rechenzentrums „ein Zentrum für die Kreativwirtschaft bezugsfertig“ errichtet werden soll. Vergleichbare Werkstattverfahren mit externer Moderation habe es in der Vergangenheit bereits zur Gartenstadt Drewitz und für das Kulturquartier Schiffbauergasse gegeben. Die Kosten des Werkstattverfahrens beziffere Rathaussprecherin Friedrike Herold auf „unter 50 000 Euro“.

Die Frage nach der Finanzierung des neuen Kreativzentrums nannte Jakobs am Dienstag verfrüht. Es sei „Quatsch“, jetzt schon Zahlen zu nennen. Die konkrete Planung sei erst „der dritte Schritt“: „Diese Spannung müssen wir aushalten – auch Exner muss sie aushalten“, sagte Jakobs mit Blick auf seinen Kämmerer Burkhard Exner (SPD), der sich 2018 um die Nachfolge als Oberbürgermeister bewerben will.

Das Rechenzentrum wurde von der Stadt im Sommer 2015 für zunächst drei Jahre als Arbeitsstätte für Künstler und andere Kreative geöffnet. In kürzester Zeit war es mit mehr als 250 Nutzern ausgelastet. Für einen längerfristigen Betrieb des DDR-Baus etwa über 20 Jahre wären nach früheren Angaben der Stadt 5,5 bis 8,8 Millionen Euro für die Ertüchtigung des Gebäudes nötig.

André Tomczak von der Initiative Potsdamer Mitte neu denken kritisierte am Dienstag, dass diese Initiative ebenso wie das Bündnis Stadtmitte für Alle nicht an den Workshops teilnehmen soll. „Überhaupt nicht nachvollziehbar“ sei die Beteiligung der Stiftung Garnisonkirche.

Von Volker Oelschläger

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