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Potsdam Potsdams Kulturnomaden ziehen weiter
Lokales Potsdam Potsdams Kulturnomaden ziehen weiter
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07:10 26.03.2018
Zum Abschied ein Foto: Die letzten Bands haben die Proberäume in den Thiede-Werkstätten in der Ahornstraße verlassen. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Babelsberg

Das Lied ist aus: Am Sonnabend haben die letzten Musiker die Proberäume in der Babelsberger Ahornstraße verlassen. Hinter ihnen liegen dreieinhalb Jahre des kreativen Miteinanders – vor ihnen ungewisse Zeiten, denn nicht alle Bands haben eine neue Bleibe gefunden. Und selbst die, die in den nächsten Tagen wieder das Schlagzeug aufbauen und die Gitarren stimmen, können noch lange nicht aufatmen. Wer etwa ins Brausehaus an der Geschwister-Scholl-Straße zieht, hat es mit einer Zwischenlösung in der Zwischenlösung zu tun.

Drei Kleinbusse karren an diesem grauen Märzmorgen weg, was vom Band-Miteinander übrig blieb: ein paar Mikrofonständer und Verstärker, Möbel, Sperrholzplatten, Bilder und Teppiche. Die Musiker packen zügig und routiniert. Sie reden wenig. Eine letzte Zigarette, ein Handschlag – und tschüss.

Neuanfang zwischen Lagerhallen, Kühlräumen und Werkstätten

Maggies Farm hat’s aufs Land verschlagen. Die Band ist im Gewerbegebiet am Rande von Fahrland untergekommen. Weit draußen. Dort hinzukommen, dauert. „Wir müssen quer durch Potsdam, da sind dreißig, vierzig Minuten rum“, sagt Sänger Stefan Kallert. Die Koordinaten der neuen Band-Zentrale sind Kühlräume, Lagerhallen und Werkstätten: „Musikalisch gesehen sind wir jetzt ganz schön einsam“, sagt Stefan Kallert. „Ein Proberaum in der Innenstadt? – Davon träumen wir schon lange nicht mehr.“

Das Kreativzentrum, das Ende 2014 in der Ahornstraße in Babelsberg entstanden ist, ist Geschichte: Am Wochenende haben die letzten Bands ihre Proberäume verlassen. Viele der Musiker stehen nun wieder auf der Straße.

Christian Näthe gibt diesen Traum nicht auf: „Weil wir Musiker ein Teil Potsdams sind, weil wir den Namen der Stadt in die Republik hinaustragen, weil wir ihr auch etwas zurückgeben.“ Ein Bandhaus – das wär’s, meint der Hasenscheiße-Visionär. Ein Haus für Proberäume und Jam-Sessions, für Konzerte und kulturelle Events. Ein Haus, das ein Zuhause ist für eine große, agile Gemeinschaft und ein Anlaufpunkt für alle, die teilhaben möchten.

Solche Bandhäuser sind seit ein paar Jahren in Berlin und Leipzig zu finden. So ein Haus könnte es auch in Potsdam geben, glaubt Christian Näthe: „Wenn es die Stadt will. Aber: Was sind die Potsdamer Interessen? – Das ist eine Frage, die wir uns alle stellen müssen, denn die Raumnot macht nicht nur uns Musikern zu schaffen, sondern auch jedem, der ein paar bezahlbare Quadratmeter zum Leben sucht.“ Die Lage heute sei noch angespannter als im Frühjahr 2014, als ein großer Teil der kreativen Szene Potsdams die Alte Brauerei am Leipziger Dreieck – inzwischen mit Miet- und Eigentumswohnungen belegt – räumen musste und das Potsdamer Kulturnomadentum begann. „Öffentliche Räume schwinden und damit Spielräume und Möglichkeiten – aktuellstes Beispiel ist der FH-Abriss“, sagt Christian Näthe. „Es wird immer enger in Potsdam.“

Musikmachen auf dem Schleudersitz

Auch die Indie-Rocker von Dark Frame haben den Weg von der Alten Brauerei in die Ahornstraße genommen und ziehen nun weiter: „Wir hatten riesiges Glück und können nahtlos weitermachen“, sagt Anastasia Galkin. Die neue Bleibe sei ihnen aber nur wenige Monate sicher. Möglich, dass man im Sommer schon wieder auf der Straße steht. „Das ist Musikmachen auf dem Schleudersitz“, sagt Drummer Sven Kappert: „Was die meisten vergessen: So einen Proberaum muss man auch erst einmal aufbauen und einrichten. Da kann man nicht einfach so rein und losspielen.“

Die letzte Kiste ist aus dem Klinkerbau geschleppt. Zwei Dutzend Musiker stellen sich zum Abschiedsfoto auf. Sie alle sind berufstätig: Angestellte, Handwerker, Anwälte, Wissenschaftler. Viele von ihnen sind Eltern. Wenn sie den Kofferraum zugeworfen und den Zündschlüssel gedreht haben, sind sie auch wieder Vaganten, wandernde Musiker, die etwas Festes suchen. „Wir hoffen auf die Stadt“, sagt Anastasia Galkin. Sie wünsche sich, dass man im Rathaus den Wert der Bandcommunity anerkennt und sie fördert, dass man gemeinsam etwas Nachhaltiges schafft, von dem die Potsdamer jetzt und in vielen Jahren profitieren: „Wir Musiker sind sehr bereit dazu, gemeinsam etwas aufzubauen.“

Von Nadine Fabian

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