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Potsdams Touri-Info am Bahnhof droht das Aus

Betreibergesellschaft ist überfordert Potsdams Touri-Info am Bahnhof droht das Aus

Weil die Betreibergesellschaft Potsdam Marketing und Service GmbH (PMS) mit drei Filialen überfordert ist, könnte die Zweigstelle der Potsdam-Information in den Bahnhofspassagen aufgegeben werden. Eine neue Filiale wurde Ende April in der Innenstadt am Alten Markt eröffnet, auch die zweite Innenstadt-Filiale arbeitet seit Dezember in neuen Räumen am Luisenplatz.

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Quelle: dpa/ZB

Potsdam. Wenige Monate nach der Eröffnung einer dritten Tourismus-Information für Potsdam am Alten Markt wird die bislang erfolgreichste Filiale in den Bahnhofspassagen zur Disposition gestellt. Raimund Jennert, Geschäftsführer der zuständigen Potsdam Marketing und Service GmbH (PMS), hat am Dienstagabend vor dem Potsdamer Wirtschaftrat bekannt gegeben, dass diese Filiale im Wirtschaftsplan für das vierte Quartal 2016 „gar nicht mehr drin“ sei. Grund: „Wir können uns drei Tourist-Informationen gar nicht leisten.“

Die PMS, eine Tochtergesellschaft der städtischen Bauholding Pro Potsdam, wurde von der Stadt zum 1. August 2015 als Dienstleister in den Bereichen Tourismus- und Kulturmarketing betraut. Der Vertrag ist zunächst bis Ende 2017 befristet. Pro Jahr hat die Stadt dem Unternehmen für die Erfüllung der Aufgaben einen Zuschuss von maximal 950 000 Euro zugesichert. Zu den vertraglich festgelegten Aufgaben der PMS gehört auch der Betrieb der Tourismus-Informationen.

Zwei Filialen am Hauptbahnhof und am Brandenburger Tor hatte die PMS von der Tourismus Mark Brandenburg GmbH (TMB) als bisherigem Touristikpartner der Landeshauptstadt übernommen. Mit dem von Jennert vorgelegten „Touristischen Marketingplan“ für 2016 wurde die Ausweitung des Filialangebotes auf „drei zentrale Standorte“ bekannt gegeben. Die Tourist-Info vom Brandenburger Tor wurde kurz vor dem Jahreswechsel am Luisenplatz 3 neu eröffnet.

PMS-Geschäftsführer Raimund Jennnert

PMS-Geschäftsführer Raimund Jennnert.

Quelle: Christel Köster

Ende April folgte die dritte Filiale nahe dem Alten Markt in der Humboldtstraße 2. „Bei der Standortbestimmung galt es, eine perspektivische Ausrichtung auf die wachsende touristische Bedeutung der Potsdamer Mitte zu berücksichtigen“, hieß es dazu im Marketingplan. Von einer Filialschließung aber war keine Rede.

Insgesamt sind in den drei Tourismus-Informationen und dem dazu gehörenden Service-Center nach Angaben von Jennert 15 Mitarbeiter beschäftigt. Vor dem Wirtschaftsrat sprach er von „unserem Sorgenkind“, weil hier Personal gebunden sei, das eigentlich an anderer Stelle benötigt werde. So stünde die Online-Vermarktung „noch nicht auf unserer Agenda“, weil dafür die finanziellen ebenso wie die personellen Voraussetzungen fehlten.

Rathaussprecher Jan Brunzlow teilte auf Nachfrage mit, nach ersten Erfahrungen „mit den nun drei Tourist-Informationen“ ein Abstimmungsprozess zwischen Stadtverwaltung und PMS „zum möglichen Weiterbetrieb der Touristen-Information am Hauptbahnhof“ laufe. Eine Entscheidung sei „erst nach Fertigstellung der Tourismuskonzeption Ende September möglich“.

Mit der Konzeption beauftragt ist die Berliner Firma BTE Tourismus- und Regionalberatung, und auch sie bescheinigt der PMS eine Unterfinanzierung. BTE-Geschäftsführer Alexander Schuler stellte vor dem Wirtschaftsrat in einem ersten Zwischenbericht fest, die finanzielle Ausstattung der PMS sei „unterdurchschnittlich“: „Da haben die anderen mehr im Topf“, sagte er mit Verweis auf Trier (Rheinland-Pfalz), Dresden (Sachsen), Lübeck (Schleswig-Holstein), Graz (Österreich) und Nancy (Frankreich), mit denen Potsdams Marketingaktivitäten verglichen wurden.

Auch Schuler kritisierte den Betrieb von drei Tourismus-Informationen. Die meisten Städte hätten eine oder zwei Filialen. Die Mitarbeiter, die hier zu viel eingesetzt seien, fehlten für Aktivitäten im Bereich der sozialen Medien. Vernichtend war Schulers Feststellung, Potsdam habe den „Digitalisierungstrend komplett verschlafen“. Auf einer seiner Vortragsfolien hieß es dazu unter „Risiken“: „Megatrend Digitalisierung wird bei Angebot, Kommunikation und Vertrieb ... nicht berücksichtigt.“

Auch die Finanzfrage tauchte unter Risiken auf. Dazu hieß es in Schulers Zusammenfassung: „Erstarkende Wettbewerber durch verstärkende Aktivitäten der Konkurrenzstädte mit hohen Budgets.“ Weitere strukturelle Probleme der Tourismusstadt Potsdam sind nach Recherchen der BTE anhaltende Verzögerungen beim Bau des Großflughafens BER, der fehlende Anschluss an Intercity-Züge und an das Fernbusnetz, „fehlende Wertschätzung für den Wirtschaftsfaktor Tourismus".

Festgestellt wurde, dass es bei Marketingaufgaben zu Doppelungen zwischen dem Rathaus und der PMS kommt. Zu den speziellen Phänomenen zählt die Beobachtung, dass Potsdam die einzige Stadt ist, in der ausgerechnet in der Adventszeit mit ihren vielen Weihnachtsmärkten die Touristenzahlen deutlich zurück gehen.

Biosphäre und Tourismusmarketing in einer Hand

Seit August 2015 werden die Biosphärenhalle und das Tourismusmarketing der Landeshauptstadt von der selben Firma gemanagt. Die Potsdam Marketing und Service GmbH (PMS), ein Tochterunternehmen der städtischen Bauholding Pro Potsdam, wurde übergangsweise betraut, nachdem die Stadt sich bei der europaweiten Ausschreibung verrannt hatte.

Mit dieser Ausschreibung wurde ab 2015 ein Nachfolger für die Tourismus Mark Brandenburg GmbH gesucht, die nach jahrelanger Partnerstadt nicht mehr dafür zur Verfügung stand.

Kurz vor dem Jahreswechsel 2014/15 teilte die Verwaltung überraschend mit, dass die TMB Partner bleibt, weil das Ausschreibungsverfahren nicht rechtzeitig abgeschlossen worden sei. Ein Haken: Statt bisher 600 000 Euro sollten nunmehr 944 000 Euro pro Jahr gezahlt werden.

Der Plan scheiterte schließlich, weil ein Wettbewerber mit Erfolg vor der Vergabekammer klagte. Mit der PMS will die Stadt einen Übergangszeitraum bis Ende 2017 überbrücken. Dann soll auf Basis einer neuen Tourismuskonzeption ein neuer Partner gefunden sein.

Von Volker Oelschläger

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