Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Potsdams verträumtester Friedhof
Lokales Potsdam Potsdams verträumtester Friedhof
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:10 28.08.2017
Gunther Butzmann am Grab von Hedwig Gräfin Rittberg, Gründerein des Hilfsschwesternvereins, der sich später dem Roten Kreuz anschloss. Quelle: Bernd Gartenschläger
Klein Glienicke

Am Totensonntag drückten die Grenzer ein Auge zu. Für eine Schachtel Zigaretten legten sie die Kränze, die ihnen Männer und Frauen über den Zaun hinüber reichten, auf die Gräber. Großmutter, Vater, Bruder, das Kind – wen auch immer man auf dem Friedhof in Klein Glienicke zurückgelassen hatte – waren ein zweites Mal unerreichbar geworden.

„Hier fließen noch heute Tränen“, sagt Potsdams Friedhofsleiter Gunther Butzmann. „Es kommen noch immer viele Besucher, die damals eine Beerdigung miterlebt haben, bei der ein Teil der Trauergemeinde jenseits des Zauns stand und der Pfarrer am Grab besonders laut sprach.“ Mit dem Bau der Mauer war auch mit solch dramatischen Abschiedsszenen Schluss. Beerdigt aber wurde in Klein Glienicke weiter, wenn auch sehr, sehr selten.

Dort, wo der Zaun und später die Mauer stand, wo beinahe ein halbes Jahrhundert lang die mit mörderischen Fallen bewehrte Grenze zwischen Ost und West verlief, gedeiht heute eine urwüchsige Eibenhecke: dicht, dunkel, giftig und vielleicht deshalb so passend für diesen Ort, an dem sich Idyll und Schrecken einst so nahe gekommen sind. Wer in die wechselvolle Geschichte des Ortes eintauchen und dazu Potsdams verträumtesten Friedhof kennenlernen möchte, hat am Tag des offenen Denkmals am 10. September eine gute Gelegenheit dazu. Der Besuch lohnt umso mehr, da in Klein Glienicke viele ehemalige Bewohner der am Denkmaltag besonders beachteten Villenkolonie Neubabelsberg zur letzten Ruhe gebettet wurden.

Eine Eibenhecke wächst heute dort, wo einst die Mauer stand. Quelle: Nadine Fabian

Nicht nur für die West-Berliner, auch für die Potsdamer war Klein Glienicke – Exklave der DDR und Sondersicherheitszone – lange Zeit unbekanntes Terrain. Das einstmals verbotene Gebiet und den verwilderten und durch seine Lage im Niemandsland in seiner historischen Gestalt einmalig erhaltenen Friedhof wiederzuentdecken, faszinierte nach dem Mauerfall viele – zu viele jedoch bedienten sich an den pittoresken Grabmälern und Erbbegräbnissen, brachen das Mausoleum auf, schlugen Schmuckelemente ab und stahlen von den Gedenksteinen die erhabenen Metalllettern. So blieben von „Ich hab dich je und je geliebt; darum hab ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte“ nur mehr 17 Buchstaben übrig – Otto Falcke, dem der Spruch aus dem Buch Jeremia mit auf den letzten Weg gegeben wurde, würde sich wohl im Grabe umdrehen.

Ich hab dich je und je geliebt... Quelle: Nadine Fabian

Das, was 1990 im Schatten uralter Eichen, Kastanien und Rhododendren geschah, nennt Gunther Butzmann „die große Plünderung“: „Es ist damals leider sehr, sehr viel verloren gegangen. Die gravierenden Schäden sind heute aber so zum Glück nicht mehr sichtbar.“ Zu verdanken sei dies in besonderer Weise dem „Freundeskreis Kapelle und Alter Friedhof Klein Glienicke“, der den Friedhof seit dem Jahr 2000 in Zusammenarbeit mit der Friedhofsverwaltung der Landeshauptstadt und dem Amt für Denkmalpflege geradezu ein zweites Mal angelegt hat. Egal, ob sich hier die vielen Helfer über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM), über eine Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung (MAE) oder als Ein-Euro-Jobber den Rücken krumm gemacht haben, sie haben über Jahre hinweg Hervorragendes auf geleistet. „Sie konnten einfach alles“, schwärmt Heinz-Dieter Gödecke, Mitbegründer des Freundeskreises. „Unsere ABM-Kräfte: das war ein echter Schatz.“

Mehr als 70 Mitglieder zählt der Förderverein. Seine Strahlkraft reicht über Deutschland und Europa hinweg bis in die USA, denn der Freundeskreis hat auch einige Nachfahren derer, die in Klein Glienicke beigesetzt sind, ausfindig machen und für die gute Sache gewinnen können. Auch wenn der Friedhof, den Friedrich der Große 1781 den Kolonisten von Klein-Glienicke schenkte, in weiten Zügen gerettet ist – Arbeit bleibt mehr als genug. „Wir bemühen uns, Menschen – vor allem auch junge Menschen – für die alten Grabstellen zu interessieren und Patenschaften zu stiften“, sagt Heinz-Dieter Gödecke.

Das Grabmal für den Philosophen Alois Riehl schuf kein geringerer als Ludwig Mies van der Rohe – leider ist davon nicht viel übrig. Die Unterlagen sind indes erhalten – und Spender willkommen. Quelle: Nadine Fabian

Ein Grab, das höchst interessant ist und eine schützende Hand bitter nötig hat, ist das des Philosophen Alois Riehl (1844-1924). Der gebürtige Südtiroler beauftragte 1906 den gerade einmal zwanzigjährigen Ludwig Mies van der Rohe mit dem Bau der „Villa überm See“am Hang der heutigen Spitzweggasse 3, liebevoll „Klösterli“ genannt. Mies van der Rohe gestaltete später auch Riehls Grabmal. Übrig ist davon nur noch das Fundament, in dessen Geviert ein Buchsbaum siecht – der gefräßige Zünsler treibt sein Unwesen nicht nur in den königlichen Schlossparks und Gärten, sondern auch in diesem eher versteckten Teil des Weltkulturerbes. „Wir haben die Pläne und wissen genau, was hier einmal gestanden hat“, sagt Heinz-Dieter Gödecke – und hofft.

Weitere illustre Persönlichkeiten, deren Gräber auf dem in Terrassen angelegten Friedhof zu finden sind: Buchhändler, Verleger und Bauherr der Truman-Villa Gustav Müller-Grote, Schuhfabrikant Carl Stiller, Hedwig Gräfin Rittberg, Gründerein des Hilfsschwesternvereins, der sich später dem Roten Kreuz anschloss, und – natürlich – der „Pestalozzi Brandenburgs“ Wilhelm von Türk. Eine besondere, geradezu mythische Geschichte rankt sich auch um Friedrich Sarre, Gründer und Direktor der islamischen Abteilung im heutigen Bode-Museum. Er starb Ende Mai 1945, als die Brücken zwischen der Villenkolonie und Klein Glienicke längst gesprengt waren. Sarres Sarg, so ist es überliefert, musste mit dem Kahn übergesetzt werden.

Noch zwei Wochen bis zum Denkmaltag

Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September, steht bundesweit unter dem Motto „Macht und Pracht“ und findet in Potsdam in Verbindung mit den Jazztagen und der Kunst-Genuss-Tour statt.

Potsdam beteiligt sich zum 24. Mal am Denkmaltag. In diesem Jahr öffnen 59 Denkmale ihre Türen, um über ihre spannende Geschichte und ihre Architektur zu berichten. Im Angebot sind auch Führungen zu historischen Arealen und Gebäudekomplexen.

Das ausführliche Programm ist unter www.potsdamer-dreiklang.de nachzulesen.

Wir haben in der Vorschau zum Tag des offenen Denkmals bereits vorgestellt: das Landhaus Gugenheim, die Villa Fritzsche, das Landhaus Cramer, die Arnim’sche Kapelle auf dem Alten Friedhof, die Villa Vorberg und die Villa Herpich, auch bekannt als Stalin-Villa. nf

Von Nadine Fabian

Wir sitzen alle im gleichen Boot – nie hat der Spruch besser gepasst als zu der Aktion, zu der unsere Sportredaktion aufgerufen hat. Einen Aufruf starten wir an dieser Stelle auch: Heute Abend TV anschalten und Daumen drücken. Und dann sind für heute ja auch weitere Baumaßnahmen an der Fachhochschule am Alten Markt angekündigt.

28.08.2017

Die Potsdamer Bürgerinitiative „Mitteschön“ hatte am Sonntagabend zu einem Dinner-Demo auf dem Alten Markt geladen. Man wollte so Unterstützung für den geplanten Abriss der Fachhochschule demonstrieren. Ausdrücklich wurden auch FH-Abriss-Gegner geladen. Und die kamen, aber anders als gedacht.

28.11.2017
Potsdam Nächtlicher Polizeieinsatz in Potsdam - Brennender Pkw an den Bahngleisen

Ein brennender Pkw an den Gleisen in Potsdam in der Nacht von Freitag auf Samstag. Alles deutet auf Brandstiftung hin. Ein Tatverdächtiger ist schnell geschnappt. Autodiebstahl können die Beamten jedoch auszuschließen, denn der Wagen wurde dem jungen Mann aus freien Stücken überlassen. Allerdings sollte er ihn reparieren und nicht anzünden.

27.08.2017