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Potsdams wachsame Nachbarn

20 Jahre Sicherheitspartnerschaft in der Siedlung Eigenheim Potsdams wachsame Nachbarn

Sie wünschen sich Sicherheit, Ruhe und Ordnung in der Nachbarschaft. Deshalb gehen neun Bewohner der Siedlung Eigenheim regelmäßig Streife. Vor 20 Jahren gaben Polizei und Innenministerium der freiwilligen Truppe ihren Segen. Seither sind die Einbrüche in der Kolonie rückläufig. Ein Problem aber haben Potsdams wachsame Nachbarn: Es fehlen Nachrücker.

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Heinz Bangemann, Edgar Borowietz und Hans-Joachim Rittig (v.l.) sorgen sich um die Sicherheit, Ruhe und Ordnung in der Siedlung.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Teltower Vorstadt. Edgar Borowietz weiß, wie schnell es gehen kann. Zwei Mal schon sind Einbrecher durch sein Häuschen in der Siedlung Eigenheim geschlichen. „Der materielle Schaden war zu verkraften“, sagt Edgar Borowietz (75). „Aber seelisch muss man das erstmal wegstecken, dass jemand Fremdes in die Privatsphäre eingedrungen ist. Dieses unangenehme Gefühl bleibt. Man muss es irgendwie verdrängen, sonst kann man nicht mehr in Frieden leben.“

Die Fenster, die Türen, das Tor: Edgar Borowietz schließt hinter sich ab, auch wenn er nur mal eben kurz zu einem Bekannten ein paar Häuser weiter geht. Abschließen, gelegentlich auch mal über den Gartenzaun schauen, ob nebenan alles in Ordnung ist – das rät er auch seinen Nachbarn. Edgar Borowietz hat noch mehr Tipps auf Lager, denn er engagiert sich bei den Sicherheitspartnern, die in der lauschigen Kolonie zwischen Waldstraße, Försteracker und Heinrich-Mann-Allee seit 20 Jahren Präsenz zeigen.

Was sie dürfen und was nicht, ist genau vorgeschrieben

Gegründet wurde die Sicherheitspartnerschaft mit elf Mann Stärke am 15. September 1997 nach einer Einwohnerversammlung. „Damals nahmen die Einbrüche überhand“, sagt Hans-Joachim Rittig (75): „Wir mussten einfach etwas unternehmen.“ Als Vorbild diente den Siedlern die Sicherheitspartnerschaft, die bereits in Wilhelmshorst ihren ehrenamtlichen Dienst versah. Man schaute sich deren Pläne an, ließ sich persönlich beraten. Dass einer der führenden Köpfe bei der Gründung der inzwischen verstorbene Anwalt Walter Schmidt war, half den Sicherheitspartnern ebenso auf die Sprünge – denn was sie dürfen und was nicht, ist genau vorgeschrieben. Kurz: Sicherheitspartner haben keine hoheitlichen Befugnisse. Für sie gelten dieselben Grundsätze die für jeden anderen Bürger auch gelten.

Neun Mann sind es heute, die regelmäßig auf Streife gehen. „Unbewaffnet und immer zu zweit“, sagt Hans-Joachim Rittig. Daher wäre es besser, man wäre zu zehnt in der Truppe, aber mit Nachrückern sei es schwierig, vom Nachwuchs ganz zu schweigen. „Die Jugend hat ein ganz anderes Sicherheitsempfinden“, sagt Heinz Bangemann (65). „Die Jugend sieht nicht, wie wichtig Prävention ist.“ Die Jugend hat allerdings auch nicht erlebt, wie groß in den Neunzigern die Angst der Siedler um Haus und Hof war. „In einem Jahr hatten wir hier 34 Einbrüche – 34!“, sagt Hans-Joachim Rittig. „Da haben wir bei der Polizei Alarm geschlagen. – Natürlich gibt es auch heute noch Einbrüche. Aber es hat sich bei den Ganoven herumgesprochen, dass wir aufeinander Acht geben.“

Die derzeit neun aktiven Sicherheitspartner der Siedlung Eigenheim flankiert von ihren Revierpolizistinnen

Die derzeit neun aktiven Sicherheitspartner der Siedlung Eigenheim flankiert von ihren Revierpolizistinnen.

Quelle: Privat

Wann, wie oft und wo sie ihre Runden ziehen, entscheiden die Sicherheitspartner auf eigene Faust. Sie führen allerdings ein Streifenbuch und treffen sich pro Quartal mindestens ein Mal mit den zuständigen Revierpolizistinnen, um die Lage in der Siedlung zu besprechen. „Der Kontakt ist sehr gut“, so Hans-Joachim Rittig. „Ich glaube, die Polizei schätzt es, dass es uns gibt.“

Braut sich etwas Verdächtiges zusammen, informieren sie die Polizei

Im Land Brandenburg sind derzeit rund 460 Sicherheitspartner in 71 Sicherheitspartnerschaften aktiv. Sie alle unterstehen dem Innenministerium und der Polizei, dürfen aber nicht deren Aufgaben wahrnehmen. „Wir sind keine Polzisten und wollen es auch gar nicht sein“, sagt Hans-Joachim Rittig. „Wir wollen Ordnung in unserer Siedlung haben, Ruhe und Sauberkeit. Deshalb sind wir präsent – und das hilft ungemein.“ Braut sich im Wohngebiet etwas Verdächtiges zusammen, bahnt sich gar eine Gefahr an, informieren die Sicherheitspartner die Profis. Sie pflegen auch einen regen Kontakt zum Ordnungsamt und weisen dessen Mitarbeiter schon mal auf Falschparker hin – die Straßen in der Siedlung sind schmal, die Kurven eng, da komme es leicht zu Blockaden. „Wenn es geht, sprechen wir die Leute direkt an“, sagt Edgar Borowietz: „Kommunikation ist das Wichtigste – die beste und einfachste Variante. Viele sind einsichtig. Meist handelt es sich ja nur um eine Gedankenlosigkeit und nicht um bösen Willen.“

Ins Gespräch kommen die Sicherheitspartner auch immer wieder mit ihren Nachbarn, sie geben ihnen nicht nur Tipps, den einen oder anderen ermahnen sie auch. Der häufigste aller Ratschläge: „Schließen Sie ab! Auch tagsüber.“

Die Siedlung Eigenheim

Mit der Siedlung Eigenheim ist eng der Name Adolf Damaschke (1865-1935) verbunden. Der Berliner war ein führender Kopf der Bodenreform in Deutschland.

Damaschke hatte sich dem Kampf gegen Bodenspekulation verschrieben. Er war der Ansicht, dass „das Anhäufen von Grundeigentum in den Händen Weniger (...) verhängnisvolle Folgen hat“ und gründete 1898 den Bund deutscher Bodenreformer, dessen Vorsitzender er bis 1935 war.

Die Idee: Kommunen sollten preiswert Land kaufen und es per Erbbaurecht Bedürftigen überlassen oder kommunales Land zu erschwinglichen Preisen an Bauwillige verkaufen.

Die Siedlung Eigenheim ist auf diese Weise seit 1923 entstanden. Die Stadt hatte Land von der Forst erworben, in 273 Parzellen á 1250 Quadratmeter aufgeteilt und diese günstig an sozial Schwache verkauft.

Die Siedler errichteten ihre Häuser zumeist in Eigenleistung. Sie durften das Land vererben, nicht aber verkaufen. nf

Von Nadine Fabian

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