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Potsdam Premiere für Prinz Friedrich von Homburg
Lokales Potsdam Premiere für Prinz Friedrich von Homburg
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18:37 05.10.2017
Moritz von Treuenfels in der Kulisse für „Prinz Friedrich von Homburg“ ... Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Mit dem Abstand von kaum zwei Monaten stellt sich Moritz von Treuenfels (28) dem Publikum des Hans-Otto-Theaters (HOT) in zwei sehr unterschiedlichen Rollen vor. Ende November spielt er in Heiner Kondschaks 2004 uraufgeführtem Musical „Rio Reiser. König von Deutschland“ den Frontmann der legendären „Ton Steine Scherben“, die im West-Berlin der 1970er Jahre die Begleitmusik für Jugendrevolte und Hausbesetzungen lieferten. Am Sonnabend aber gibt er erstmals den „Prinz Friedrich von Homburg“, Titelheld des letzten Dramas von Heinrich von Kleist (1777-1811), das erst Jahre nach dessen Freitod gezeigt werden durfte.

Homburg sei „eine Wunschrolle von mir gewesen“, sagt der Schauspieler. Mit Rio Reiser hingegen habe er sich erstmals überhaupt im Zusammenhang mit dieser Rolle beschäftigt: „Dann aber habe ich mich richtig gefreut.“

Bei Homburg komme „sehr viel aufeinander“, sagt er: „Eigentlich ist das ein Antiheld für mich. Ein Außenseiter. Er hat unglaublich viele Schwächen. Ein Mensch, der etwas nicht kann, das ist für einen Schauspieler unheimlich interessant.“ Friedrich von Homburg, ein glückloser Reitergeneral des Großen Kurfürsten, zieht mit seinem Regiment gegen die ausdrückliche Order zum Stillhalten in den Kampf, siegt und soll nun wegen Befehlsverweigerung hingerichtet werden.

... und als „Rio Reiser. König von Deutschland“. Quelle: HOT/HL Boehme

Treuenfels vergleicht die Rolle mit den Goldberg-Variationen von Bach, die er eines Nachts betrunken in der Version von Glenn Gould gehört hatte: „Da habe ich gedacht, das ist das schönste, was ich jemals in meinem Leben gehört habe.“ Bei Homburg sei das ähnlich. In seiner Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule „haben wir eine Übung gemacht. Da war ich aber nur Teil eines Chores, ich habe gar nicht den Homburg gespielt. Aber ich habe diesen Text nie wieder aus dem Kopf bekommen“.

Alexander Charim, der zum ersten Mal am HOT Regie führt, habe sich „auf eine unmittelbare, psychologische, fast psychosomatische Sichtweise konzentriert“, sagt Treuenfels: „Es geht um einen Menschen, der besonders stark fühlen kann, der alles besonders intensiv wahrnimmt. Und der diese innerliche Welt nicht mit der äußeren Welt vereinbaren kann.“ Es gehe um Militär, Erziehung, und Homburg „ist einer, der es noch nie richtig geschafft hat. Er prallt mit seinem eigenen Empfinden immer wieder gegen die Realität. Und das bringt ihn letztendlich zum Verzweifeln“.

Homburg sei „eigentlich nicht überlebensfähig in diesem System“. Statt beim Militär wäre er „viel mehr aufgehoben in einem liberaleren oder vielleicht sogar künstlerischen Umfeld“.

Moritz von Treuenfels, der 2016 als festes Ensemblemitglied vom Düsseldorfer Schauspielhaus ans HOT wechselte, war in seiner ersten Potsdamer Spielzeit unter anderem als Abe in Ayad Akhtars „Geächtet“, als Tom in Lars von Triers „Dogville“, vor allem aber als junger Tempelherr in Lessings „Nathan der Weise“ zu erleben. Die Hauptrolle in diesem Schlüsselwerk der deutschen Aufklärung besetzte Jon-Kaare Koppe, der nun als Großer Kurfürst auf die Bühne kommt: „Es ist großartig, mit ihm zu spielen“, sagt Treuenfels: „Wir begegnen uns in dem Stück zwar gar nicht so häufig, gar nicht so viel. Wir haben wenig Dialog miteinander. Aber die Figur ist überpräsent.“

Besonders freue er sich über die Zusammenarbeit mit Nina Gummich, die ihm als Prinzessin Nathalie von Oranien, Nichte des Großen Kurfürsten, gegenübersteht, „weil wir immer schon zusammen spielen wollten“: „Ich hatte gehofft, als ich hörte, dass ich den Homburg spielen darf, dass Nina die Nathalie ist.“ Die Zusammenarbeit mit ihr schildert er als eine Art blinden Verstehens: „Es ist eine gemeinsame Ebene. Ein großes Schauspielvergnügen.“

Im Gegensatz zu Homburg war Rio Reiser (1950-1996) dem aus Schleswig-Holstein stammenden Schauspieler kaum ein Begriff: „Ich bin anders aufgewachsen als er.“ Die geografische Herkunft sei „das einzige, was wir gemein haben. Da oben im Norden gibt es eine sehr starke linke Szene. Rocko Schamoni, Heinz Strunk, diese Leute kommen da her.“ Auch auf seiner Waldorfschule seien viele Punks gewesen. „Ich war viel auf Punk-Konzerten.“ Selbst habe er klassische Musik gehört, Cello gespielt und Klavier. „Punk ist nicht die Musik, die ich selbst gemacht habe.“

Rio Reiser aber vereine das mit seinen Melodien. Interessant an der Figur sei, dass „ein ganzer Zeitgeist mitschwingt, den ich natürlich so nicht miterlebt habe, weil ich eine andere Generation bin“. Doch er habe eine riesige Sehnsucht danach: „Meine Zeit sind musikalisch die 1970er Jahre – englisch, amerikanisch. Aber ich kannte mich nicht so gut aus in der deutschen Musikszene dieser Zeit. Ich bin begeistert“. Auch die Person Rio Reiser sei faszinierend: „Eine mysteriöse Gestalt, melancholisch, fast depressiv, aber grundehrlich.“

Offen bleibt die Antwort auf die Frage, was Rio Reiser und den Prinzen von Homburg miteinander verbinden könnte. „Ich weiß nicht“, sagt der Schauspieler, „ob Rio Reiser auch so ein Außenseiter war. Das kann ich noch nicht beurteilen.“

Termine für Prinz von Homburg und das Rio-Musical

Premiere für „Prinz Friedrich von Homburg“ am Hans-Otto-Theater am Samstag, 7. Oktober, um 19.30 Uhr. Weitere Termine am 7., 8., 13., 14., 15., 21., 28. und 30. Oktober, am 5., 17., 19., 25., 26. und 27. November, sowie am 1., 8., 15., 16., 22. und 31. Dezember.

Neben Moritz von Treuenfels, Jon-Kaare Koppe und Nina Gummich spielen Andrea Thelemann (Kurfürstin), Arne Lenk (Feldmarschall Dörfling), Michael Schrodt (Obrist Kottwitz) und Eddie Irle (Graf Hohenzollern).

Premiere für „Rio Reiser. König von Deutschland“, am 25. November um 19.30 Uhr. Weitere Termine am 26. November, sowie am 1., 15., 22. und 31. Dezember.

Neben dem Hauptdarsteller spielen und musizieren unter Regie von Frank Leo Schröder Katrin Hauptmann, Denia Nironen, Fréderic Brossier, Florian Schmidtke, Edde Irle, Marc Eisenschink, Daniel Splitt, Daniel Klein und Friedemann Petter.

Von Volker Oelschläger

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