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Preußen erliegen "Rössl"-Charme

Promis machten der singenden Wirtin am Nieplitzufer die Aufwartung Preußen erliegen "Rössl"-Charme

Am Anfang müssen wir ‒ leider, leider ‒ gleich eine kleine Kritik anbringen: Denn nirgendwo war gestern auf der Nieplitzwiese ein "Küss d’Hand, gnä’ Frau, fesch schaunS’ aus!!" zu hören.

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Beelitz. Weit und breit kein "Habe d’Ehre, Herr Hofrat Stolpe, meine Verehrung"konnte man vernehmen, als die Premierengäste des Singspiels "Im weißen Rössl" sich im Schatten der Festspiel-Tribüne begrüßten. Sissi hätte sich im Grabe umgedreht! Auf der nach oben offenen österreichischen Schmalz-Schmäh-Handkuss-Skala können die Beelitzer und ihre Gäste also kaum punkten.

Zum ersten Mal finden vom 4. bis 14. August die Beelitzer Festspiele an der Nieplitz statt. Die Stadt hat das Open-Air-Spektakel gemeinsam mit den Uckermärkischen Bühnen Schwedt, dem Brandenburgischen Konzertorchester Eberswalde, der Berliner Tanzformation „Energy Dancers“, Beelitzer Chören und Regisseur Peter Fabers auf die Beine gestellt. An fünf Abenden im August wird eine Brücke geschlagen zwischen dem märkischen Beelitz und dem österreichischen Wolfgangsee, werden Stars wie Dagmar Frederic, Peter Wieland und Christian Grygas, der schon an der Komischen Oper Berlin und der Staatsoperette Dresden gespielt hat, unter freiem Himmel auftreten – und dabei Evergreens wie „Die ganze Welt ist himmelblau“ und „Es muss was Wunderbares sein“ schmettern.

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In anderen österreichischen Klischee-Disziplinen (Musik, Stimmung, Ambiente) erreichten die Macher des von der MAZ mit präsentierten "Weißen Rössl" aber locker die volle Punktzahl. Schon eine Stunde vor Beginn wurde der neugierig heranflanierende Gast von lieblichen Kuhglockenklängen begrüßt, die von der Bühne her ans Ohr drangen. Als dann noch schmucke Dirndlträgerinnen im Vorbereitungsstress herumwuselten, fühlte man sich total wie in einer Art Alpen-Fata-Morgana. Getoppt wurde alles nur von einem Herrn im traditionellen hirschhornknopfgeschmückten Steireranzug. Hans Moser in blond, jung und fesch? Nein, sondern der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth! Zur Feier des Tages hatte er sich via Internet stilecht eingekleidet. Und bei den Dirndl-Maiden handelte es sich um Mitarbeiterinnen der Verwaltung. "15 Kolleginnen und Kollegen machen freiwillig mit, zum Beispiel beim Einlass", erklärte der sichtlich nervöse Bürgermeister. Beim Österreichurlaub letztes Jahr war ihm die "Erleuchtung" gekommen. Dort blüht und gedeiht nämlich die Festspieltradition. Knuths Geistesblitz auf der Heimfahrt: "Unsere Festwiese könnte das hergeben." Daheim rief er eine gute Bekannte an: "Dagmar meinte: ,Du bist verrückt, aber wenn du’s auf die Beine stellst, bin ich dabei.’" Dagmar heißt mit Nachnamen Frederic. Knuths Enthusiasmus erlagen auch Schauspielerin Andrea Meissner (Klärchen), Sänger Peter Wieland (Kaiser Franz Josef) und etliche mehr. Ein Jahr nach dem Österreichtrip und viele Hektoliter Organisationsschweiß später hat sich die olle Festwiese in eine veritable Festtagswiese verwandelt. "Anfangs war ich ja skeptisch, ob das klappt", gestand eine ältere Dame im Sonntagsstaat: "Aber jetzt muss ich sagen: Toll!" Eines der Erfolgsgeheimnisse ist sicher auch der Mitmach-Effekt, wie eine junge Beelitzerin, die mit ihren Eltern gekommen war, erklärte: "Schön ist, dass so viele Beelitzer dabei sind: vom Frauenchor bis zu den Sängern des Carnevalsclubs", sagte Katrin Hocke.

Ausverkaufte Premiere - mit Promibesuch. In der ersten Reihe nahmen u.a. Manfred Stolpe, Landtagspräsident Gunter Fritsch und Turbine-Trainer Bernd Schröder Platz.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Während Rössl-Wirtin Dagmar Frederic und die anderen Ensemble-Mitglieder noch in der Maske saßen, füllten sich die Ränge. Auch erstaunlich viel Prominenz hatte sich ins Beelitzer Idyll aufgemacht: Den Auftakt machten Turbine-Trainer Bernd Schröder und seine Frau Ulrike, beide österreich-affin ("Im Urlaub waren wir schon oft am Tiroler Achensee."), gefolgt von Bühnen-Urgestein Herbert Köfer, dem das "Weiße Rössl" früher fast eine zweite Heimat war, so oft ist er darin aufgetreten: "Allein in Berlin hundert Mal." Landtagspräsident Gunter Fritsch machte dem "Rössl" und seiner sangesfreudigen Wirtin ebenso seine Aufwartung wie Sozialminister Günter Baaske und Kulturstaatssekretär Martin Gorholt. Sogar Altministerpräsident Manfred Stolpe war mit Gattin Ingrid gekommen ‒ vielleicht auch ein bisschen als Einstimmung auf den bevorstehenden Wien-Urlaub anlässlich des 75. Geburtstags von Ingrid Stolpe: "Wir gehen dann wahrscheinlich zum Heurigen nach Grinzing." Nach Beelitz hatten Stolpes vorausschauenderweise zwei blaue Regencapes mitgebracht. Aber der Himmel über den ausverkauften Rängen hielt die meiste Zeit dicht. Wetten, dass der liebe Gott ein Österreicher ist?

Von Ildiko Röd

"Rössl"-Termine unter www.beelitz.de

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