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Preußische Weltklasse-Tropfen

RBB-Intendantin Reim und Weinpapst Pigott werben für die Renaissance des märkischen Weinbaus Preußische Weltklasse-Tropfen

Der Wein erobert seine einst verloren gegangenen Anbau-Gebiete im Norden immer mehr zurück – und Promis helfen dabei. In Töplitz bei Werder legt sich jetzt der renommierte Weinkritiker Stuart Pigott für die Rotwein-Sorte Pinotin ins Zeug, in Potsdam wurde RBB-Intendantin Dagmar Reim zur Botschafterin für das Wiederaufbauprojekt „Königlicher Weinberg“ am Klausberg ernannt.

POTSDAM / POTSDAM/TÖPLITZ. .

Der Brite Pigott, einer der besten Kenner des deutschen Weins, rückte mit seiner Hacke am historischen Weinberg Töplitz an, um 1000 Reben auf zwei Parzellen des dortigen Weinguts Klosterhof in die Erde zu setzen – freilich nicht allein. Er geht davon aus, dass die neuen Reben in zwei bis drei Jahren Früchte tragen und Anfang 2017 der erste Wein in Flaschen abgefüllt werden kann. Wenn alles gut laufe, könne der Pinotin vom Töplitzer Weinberg Ende 2017 verkauft werden, sagte er der MAZ. Der Zeitplan ist kein Dogma. „Wichtig ist nur, dass es gut wird und die Leute sagen: Was, das ist Wein aus Brandenburg? Wahnsinn!“ 600 Flaschen pro Jahr sind geplant, sagte Pigott, der für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung regelmäßig Weinkolumnen schreibt. Das Metier will er nicht wechseln: Er bleibt Weinjournalist, wenngleich einer, der ab und an die Seiten wechselt.

Welche Rolle spielt er beim Wein-Projekt in Töplitz? „Ich bin der Ideenstifter und ich liefere eine Menge Muskelkraft – zusammen mit meinen Leuten.“ Pigott, der die Dinge ernsthaft und mit britischen Humor ausspricht, hatte einige Winzerfreunde zur Weinpflanzung mitgebracht, die er aus der Geisenheimer Studienzeit kennt. Der Kolumnist studierte 2008/2009 zwei Semester an der dortigen Fachhochschule für Weinbau – unter anderem zusammen mit Horst Hummel, der in Berlin lebt und ein Weingut in Villány in Süd-Ungarn betreibt. Auch andere Ex-Studienfreunde vorwiegend aus süddeutschen Weinbaugebieten reisten in den Norden nach Töplitz, um mitzuhelfen, die Reben in die Erde zu setzen.

„Pinotin ist eine kälte- und pilzresistente Züchtung aus der Schweiz“, sagte Pigotts Projektpartner Ludolf Artymowytsch, Öko-Winzer und Geschäftsführer des Töplitzer Weingutes. Artymowytsch hatte mit zwei Mitgesellschaftern das Weingut Anfang 2012 von dem Berliner Bioweinhändler Klaus Wolenski übernommen, der 2007 begann, die Weinbautradition in Töplitz wiederzubeleben. Inzwischen wachsen auf dem alten Weinberg, auf dem schon 1360 die Zisterzienser-Mönche Wein kultivierten, wieder auf 2,5 Hektar verschiedene Rebsorten  –  Riesling, Weiß- und Grauburgunder, Bacchus, Regent und Saint Laurent. Die Tradition war zwischenzeitlich verloren gegangen, nach 1945 standen auf dem Weinberg vor allem Obstbäume.

Von der neuen Rotweinsorte, die Stuart Pigott mit hegen und pflegen wird, erhofft man sich einen gehörigen Schub nach vorn für den Weinbau in der Region. Wohin die Reise gehen soll, steht in der Einladung zur Pflanzaktion: Ein Weltklasse-Rotwein aus Brandenburg soll es werden. Und was ist, wenn er mit dem Töplitzer Projekt scheitert? „Dann hatten wir viel Spaß und haben häufig und viel guten Wein getrunken“, sagte Pigott.

Potsdams frisch ernannte Klausberg-Botschafterin, RBB-Chefin Dagmar Reim, erhielt zum Ehrentitel ein Fläschchen „Poenix“ des Jahrgangs 2011. Es ist der erste Weißwein, der vom wiederbelebten Weinberg Friedrichs II. an der Maulbeerallee gekeltert wurde. In der einstigen Nutzgärtnerei gedeihen inzwischen wieder mehr als 1000 Rebstöcke und rund 200 Apfel-, Pfirsich- und Birnenbäume. Gemeinsam mit Gartenspezialisten der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) rekultivieren die Mosaik-Werkstätten für Behinderte gGmbH aus Berlin seit mehr als fünf Jahren die zirka 2,5 Hektar große, verwunschene Anlage mit Glashausresten unterhalb des Klausberg-Belvederes.

„Ich freue mich sehr über diese Ehre. Denn das ist ein wunderbares Projekt, das Menschen mit und ohne Handicap zusammenführt“, sagte Reim – und Berliner und Brandenburger. Insofern ist die Intendantin des vor einem Jahrzehnt fusionierten Senders die Idealbesetzung für den Botschafterposten, meinte Mosaik-Geschäftsführerin Cornelia S. Heinemann. Reim stehe für „einen gelungenen Brückenschlag“ zwischen den Menschen der Region. Von ihrem „Netzwerk und Kontakten“ erhoffe man sich „einen Schub“ für den Weinberg.

Damit sich „Ihre Exzellenz“ in die neue Materie einlesen kann, überreichte SPSG-Generaldirektor Hartmut Dorgerloh den Wälzer „Pflege historischer Gärten. Theorie und Praxis“. Ganz Kavalier, half er Dagmar Reim anschließend beim traditionellen Pflanzen eines Obstbaumes der Sorte „Rheinischer Bohnapfel“. Er hievte den stattlichen Stamm ins Erdloch, sie griff im schicken schwarzen Hosenanzug beherzt zur Schaufel und verkündete sehr zur Freude der Macher: „Ich übernehme die Patenschaft für zehn Bäume.“ Weitere prominente Paten sind Ministerpräsident Platzeck, Bundesinnenminister Friedrich und Hohenzollernchef Georg Friedrich Prinz von Preußen und Gattin Dophie. (Von Carola Hein

und Jens Steglich)

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