Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 5 ° heiter

Navigation:
Pro Potsdam will den Staudenhof bebauen

Potsdamer Mitte Pro Potsdam will den Staudenhof bebauen

Neben vier Wohnungsbaugenossenschaften will nun auch die kommunale Immobilienholding Pro Potsdam in der Mitte bauen – das Grundstück gehört ihr schon. Hintergrund ist offenbar das laufende Bürgerbegehren gegen den Abriss des Staudenhofs, dem der Wind aus den Segeln genommen werden soll. Die Pro Potsdam plant den Bau von Sozialwohnungen.

Potsdam, Innenstadt 52.3946289 13.0640882
Google Map of 52.3946289,13.0640882
Potsdam, Innenstadt Mehr Infos
Nächster Artikel
Potsdam am Freitag: Das ist heute wichtig

Blick auf das Wohnhaus Am Alten Markt 10, das der Pro Potsdam gehört und noch bis zum Jahr 2021 Bestandsschutz hat.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Innenstadt. Überraschungscoup in der Debatte um die Zukunft des Staudenhofs: Die kommunale Immobilienholding Pro Potsdam liebäugelt damit, den Abriss des Plattenbau-Wohnblocks und den anschließenden Neubau eines Wohnkarrees mit Sozialwohnungen auf dem Areal selbst zu übernehmen. Bedingung: Die städtischen Aufsichtsgremien müssen diesem Plan zustimmen. Pro-Potsdam-Geschäftsführer Bert Nicke erklärte gestern auf Nachfrage: „Die Voraussetzungen dafür sind, dass sowohl der Abriss als auch der Neubau von mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnungen gefördert werden und dass wir das Gebäude leerziehen können.“ Derzeit bestehen etwa 80 unbefristete, langjährige Bestandsmietsverhältnisse im Staudenhof, so Nicke.

Der Staudenhof hat Bestandsschutz bis 2021

Das Grundstück, auf dem der Staudenhof-Komplex noch bis 2021 stehen wird, gehört der Pro Potsdam schon zu großen Teilen. Nur einige wenige Flächen, die derzeit noch Straßenland oder Verkehrsflächen sind, müssten noch von der Stadt erworben werden.

Nach aktueller Beschlusslage der Stadtverordneten muss das Wohnhaus am Staudenhof bis zum Jahr 2021 erhalten bleiben. Bis dahin genießt der DDR-Plattenbau Bestandsschutz. Dann soll gemäß dem Leitbautenkonzept anstelle des Staudenhofs ein Wohnkarree mit einer Leitfassade – Vorbild ist der berühmte Palazzo Giulio Capra von Palladio in Vicenza – und sonst modernen Bauten entstehen.

Die Mieter erhalten adäquaten Ersatz

Laut Stadtverordnetenbeschluss muss jenen Staudenhof-Mietern, die einen unbefristeten Mietvertrag haben, nach dem Abriss eine adäquate Sozialwohnung in der Nähe als Ersatz angeboten werden. Neu ist hingegen die Idee, dass die Alternative auch am gleichen Standort wie der alte Wohnblock entstehen könnte. Damit geht die große Sozial-Offensive in der Mitte weiter. Erst kürzlich haben vier Potsdamer Wohnungsgenossenschaften ihr Interesse an der Entwicklung eines ganzen Karrees auf dem Areal der alten Fachhochschule angemeldet.

Stadt begrüßt das Engagement der Genossenschaften

Andreas Goetzmann , derzeit kommissarischer Baudezernent, begrüßt das Angebot der vier Genossenschaften, die in der Alten Mitte mitbieten wollen, „außerordentlich“.

Wie berichtet wollen sich die PWG 1956, die PBG 1954, die Genossenschaft Karl Marx und der Babelsberger Bauverein im Herbst gemeinsam um ein Viertel am Alten Markt bewerben, um dort Wohnungen zu errichten.

„Wir freuen uns über das Interess e an der Gestaltung der Flächen zu einem Quartier mit Wohnungen, Büros, Ateliers sowie kleinen Cafés und Läden“, hieß es von Seiten der Stadt, die zugleich attestiert, dass Potsdam „mit der Umsetzung des Leitbautenkonzepts auf dem Wege ist, eine lebendige und urbane Mitte für alle“ zu schaffen.

Die Genossenschaften wollen sich der freien Ausschreibung stellen, erhoffen sich aber ein Entgegenkommen der Politik, die dazu vom Grundsatz „ein Grundstück, ein Bieter“ abrücken müsste, der Großinvestoren aus der Mitte fernhalten soll.

Über die Vergabe der Baulose
die Politik entscheiden. Aus der Stadtverwaltung heißt es dazu, letztendlich haben die Auswahlkommission und die Stadtverordneten bei der Vergabe der Grundstücke das letzte Wort. Allerdings soll das Nutzungskonzept deutlich mehr als der gebotene Kaufpreis zählen, so wie von den Bau-Genossen erhofft.

Die Vorstöße der Genossenschaften und der Pro Potsdam dienen augenscheinlich dazu, dem Anliegen des Bürgerbegehrens der Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“ den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wie berichtet, fordert das Begehren, dass keine öffentlichen und städtischen Mittel für den Abriss des Hotelhochhauses Mercure, des Staudenhofs und des Fachhochschulgebäudes eingesetzt werden und dass keine öffentlichen Grundstücke in diesem Bereich mehr verkauft werden sollen.

Die Linke reklamiert den sozialen Wohnungsbau für sich

Linken-Fraktionschef und Bürgerbegehren-Unterstützer Hans-Jürgen Scharfenberg schreibt sich die jüngste Tendenz zum sozialen Wohnungsbau im Herzen der Stadt auf die eigenen Fahnen: „Dank unserem Druck – auch durch das Bürgerbegehren – vollzieht sich hier ein Umdenken hin zum sozialem Denken bei den Protagonisten der Historisierung der Innenstadt“, sagte er gestern. Was das Engagement der Pro Potsdam beim Staudenhof-Areal angeht, zeigt er sich aufgeschlossen. Ein Pluspunkt aus Scharfenbergs Sicht ist, dass das kommunale Filetstück auf diese Weise nicht aus der Hand gegeben wird. „Das gesicherte Eigentum der Pro Potsdam an diesem Grundstück ist für uns eine selbstverständliche Voraussetzung für die künftige Entwicklung in der Mitte“, betonte der Linken-Politiker. Einziger Einwand: Vorhandenen Bestand zu entwickeln, sei allemal günstiger, als abzureißen und neu zu bauen. „Deswegen muss noch geklärt werden, ob auch bei einem Neubau preiswerte Wohnungen in städtischem Eigentum entstehen können“, so Scharfenberg.

Die Grünen loben das Engagement der Pro Potsdam

Auch bei Stadtpolitikern der Rathauskooperation wie der Grünen-Bauexpertin Saskia Hüneke kommt der Plan der Immobilienholding, das Staudenhof-Karree selbst zu entwickeln, gut an: „Auf jeden Fall sollte das Grundstück nicht privatisiert werden, ich kann mir die Pro Potsdam da als Investor gut vorstellen“, sagte sie gestern. Zusammen mit dem Angebot der vier Genossenschaften für ein komplettes Wohnkarree auf dem FH-Areal würde dies „eine breite soziale Basis für den Stadtumbau in der Potsdamer Mitte“ ergeben, sagte die Grünen-Stadtpolitikerin. Generell lobte sie das Engagement der Genossenschaften für eines der anderen Baufelder auf dem FH-Areal als einen „schönen Gedanke, damit müssen wir uns im Detail noch befassen“.

Laut Stadtverordnetenbeschluss vom 1. Juni dieses Jahres sollen auf dem FH-Gelände in den nächsten Jahren die Blöcke III und IV mit Wohnen, Gastronomie und kleinen Läden entstehen. Der Beschluss besagt außerdem, dass die Grundstückslose für die Blöcke III und IV einzeln ausgeschrieben werden. Außerdem darf ein Grundstückskäufer nach aktuellem Stand in den beiden Blöcken kein Nebengrundstück erwerben. Diese Vorgaben müssten von den Stadtverordneten geändert werden, damit die Genossenschaften bei der Komplett-Entwicklung eines Karrees überhaupt zum Zuge kommen können.

Einfacher liegen die Dinge beim geplanten Block V auf dem Staudenhof-Areal. Weil die Fläche ohnehin der Pro Potsdam gehört, würde sich hier die Debatte um Ausschreibungsmodalitäten erübrigen.

Von Ildiko Röd

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg