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Potsdam „Kombinat“ probt „Mein Touristenführer“
Lokales Potsdam „Kombinat“ probt „Mein Touristenführer“
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18:21 14.08.2015
Maria Arnold, Tanja Watoro und Christine Jensen (v.l.n.r.) bei einer Probe in der Waschhaus-Arena. Quelle: Kombinat/Sirko Knüpfer
Schiffbauergasse

Spaziergänger konnten in den heißen Tagen in der Schiffbauergasse eine eigentümliche Szenerie erleben. Drei Frauen kurvten auf Segway genannten Elektrorollern im stillen Schirrhof umher und summten dabei mit hellen Stimmen das bitter klingende „Marmotte“, ein von Beethoven vertontes Gedicht Goethes über das Elend von Schweizer Flüchtlingskindern auf Deutschlands Straßen.

Tanja Watoro, Christine Jensen und Maria Arnold sind die Darstellerinnen einer technikgestützten Inszenierung mit Tanz und Gesang über Mobilität und Neugier, Heimat und Flucht, die am 14. Januar 2016 zur Eröffnung des Festivals „Made in Potsdam“ in der Fabrik uraufgeführt werden soll. Erste auszugsweise Vorstellungen vor Publikum soll es mit „Fluchtversprechen 5“ bereits am 20., 21. und 23. August im Programm der Schirrhofnächte zur Saisoneröffnung des T-Werks geben.

„Mein Touristenführer“ ist der Titel der neuen Produktion des 2009 von der Potsdamer Choreografin Paula E. Paul und dem Medienkünstler Sirko Knüpfer gegründeten KünstlerkollektivsKombinat“, das 2012 mit der Inszenierung von Menschen in der märkischen Landschaft das Warten und 2014 mit der Trampolinperformance „Grand Jeté“ das Schweben thematisierte. Nun soll es in Zusammenarbeit mit dem Musiker und Komponisten Tobias Unterberg alias B. Deutung um das Fahren gehen, das Möglichkeiten und Perspektivwechsel eröffnen, aber auch Zumutungen und Gefahren bringen kann.

Im Juni war das Casting, zu dem sich 60 Interessenten meldeten. Dass die Wahl auf drei Frauen unterschiedlicher Generationen fiel, war Zufall, wie Paula E. Paul versichert. Doch nach den ersten Proben mal in der Fabrik, mal in der Arena oder im Freien, scheint diese Besetzung wie gewollt.

Eine Bühne gibt es nicht. Das Publikum wird zur Premiere in der Arena in kleinen Gruppen auf vier mal vier inselgleich in den Saal gesetzten Podesten platziert, die ein Netz von Fahrbahnen markieren, auf denen die Segways ausschwärmen und zusammenfinden, tänzeln, kreisen, verharren und gelegentlich auch, wie an einem unsichtbaren Jojo, vor und zurück schnellen können.

Das Programm der Schirrhofnächte

Die Segway-Studie „Fluchtversprechen 5“ mit dem Kombinat ist im Programm der Schirrhofnächte in der Schiffbauergasse am 20., 21. und 23. August jeweils gegen 20.30 Uhr; Eintritt frei.

Die Schirrhofnächte werden zum zweiten Mal zum Saisonauftakt des T-Werks veranstaltet. Vom 20. bis 30. August gibt es Theater, Performance, Konzerte und eine Feuershow.

Herzstück sind die Inszenierungen von Shakespeares „Wie es euch gefällt“ vom 20. bis 23. August und „Hamlet“ vom 27. bis zum 30. August jeweils um 19 Uhr unter freiem Himmel.

Musizieren werden das Potsdamer Pulsar-Trio (21. August, 21.30 Uhr, Schirrhof), die Wiener Band Wanda (22. August, 21 Uhr, Waschhaus-Arena) und The Mighty Mocambos aus Hamburg (29. August, 22 Uhr, Schirrhof).

Eine Feuershow mit der Werderaner Company VolA steht am 28. August um 22 Uhr auf dem Programm. Drei Feuerspieler verknüpfen in kleinen Geschichten Artistik, Tanz und Theater mit der Kunst des Feuerspiels.

Info: Mehr auf www.t-werk.de

Im Alltag wirken die hauptsächlich von Touristen genutzten, geräuschlosen und selbstbalancierenden Elektroroller noch immer absonderlich. Die zumeist in aufrecht-steifer Haltung dahin gleitenden Fahrer erinnern, zumal in Gruppenformation, an Pinguine. „Mein Touristenführer“ allerdings lässt diese Anmutung von Komik mit den im Schatten der Halle auf ihren rollenden Podien eher dahinschwebenden als fahrenden Sängerinnen rasch vergessen.

Das musikalische Spektrum ist mit Klassik bis Hip-Hop ebenso breit angelegt wie die Textauswahl. Neben Brecht und Dendemann zitieren sie Marte rias „Keiner macht mehr Malle, alle fahren nach Schweden“ und immer wieder den Ballermann-Hit „Follow me – To Another Galaxy“ von einem Duo namens „Tokyo Ghetto Pussy“, der gern auch mal zu den spröden Klängen von Franz Schuberts „Winterreise“ gesungen wird, in der es eigentlich heißt: „Fremd bin ich eingezogen, Fremd zieh’ ich wieder aus“.

Von Volker Oelschläger

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