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Alternativ leben und ackern

Projekthaus in Babelsberg feiert zehnjähriges Bestehen Alternativ leben und ackern

Im Mai 2005 hat der Verein zur Förderung innovativer Wohn- und Lebensformen Grundstück und Häuser in der Rudolf-Breitscheid-Straße gekauft. Inzwischen leben im Projekthaus 40 Potsdamer aus sieben Nationen und streben nach einer gerechten Gesellschaft.

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Aaron und Thadeusz besuchten das Sommerfest im Projekthaus.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Babelsberg. Wer im Projekthaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße 164 wohnt, ist Teil einer solidarischen, alternativ lebenden Gemeinschaft – und muss am Montagsplenum teilnehmen, bei dem allerhand besprochen wird. Von der großen Weltlage bis zu Putzplänen. Auch das Fest, das am Sonnabend bei durchwachsenem Wetter anlässlich des zehnjährigen Projekthaus-Geburtstages gefeiert wurde, stand auf der Tagesordnung. Besucher durften sich bei Feuershow und Flammkuchen und beim eigenen Werkeln davon überzeugen, wie und ob das Leben-Arbeiten-Wohnen-Modell geglückt ist.

„Jeder bringt seinen individuellen Lebensentwurf mit und kann seine Tür schließen. Aber wenn man sie öffnet, ist man mitten drin im Gemeinschaftsprojekt“, sagt Holger Zschoge, Sprecher des Vereins zur Förderung innovativer Wohn- und Lebensformen (Inwole). Mit zwölf Leuten und „vielen verrückten Ideen“ habe man begonnen, erzählt Gymnasiallehrer Zschoge (52). Sie eint soziales, politisches, antirassistisches Engagement – und der Traum von einer gerechteren Gesellschaft. Nachdem 2014 der Neubau auf dem Grundstück bezogen wurde, leben inzwischen 30 erwachsene Potsdamer und zehn Kinder im Projekthaus. Aus sieben Nationen, darunter aus Frankreich, Russland, Serbien, kommen die Bewohner, haben etwa ihren Freiwilligendienst im Projekthaus geleistet und sind dann dort „hängengeblieben“. Konflikte? Na klar! „Egal, woher man stammt – bei so vielen Menschen gibt’s halt auch mal Stress“, so Zschoge. Dann kommt ein Mediator zum Einsatz.

Arbeit und Bildung gehören zum Leben im Projekthaus, das seit 2014 anerkannte Jugendbildungsstätte Brandenburgs ist. Qualifikationskurse, Projektmanagement-Seminare und Themen-Abende werden organisiert, Schul-Arbeitsgemeinschaften begleitet. Im Werkhaus sind beispielsweise Holz-, Keramik-, Textilwerkstatt untergebracht, das sonnabends von 11.30 bis 16 Uhr kreativen Interessierten (und sonst nach Vereinbarung unter E-Mail info@werkhaus-potsdam) offen steht. Unter anderem aus Mitteln der Förderorganisation „Aktion Mensch“ und dem Bundesbildungsprogramm „Kultur macht stark“ erhält das Projekthaus bis zu 250 000 Euro pro Jahr, hat sieben Stellen geschaffen.

Den 650 000-Euro-Kredit für den Kauf der Rudolf-Breitscheid-Straße 164 zahlen die Bewohner über ihre Mieten zurück. Im Juli will Inwole ein weiteres Haus in der Rudolf-Breitscheid-Straße 146 erwerben, „um den großen Bedarf an sozialem und gemeinschaftlichem Wohnraum decken zu können“, so Zschoge. Die Bewohner müssen durch ein halbes Jahr Probezeit. Die Mieten liegen bei Quadratmeterpreisen zwischen fünf und sieben Euro kalt. Wenn der kommunalen Unternehmensverbund Pro Potsdam oder private Bauunternehmer behaupten, nicht günstiger als zu Quadratmeterpreisen von zwölf Euro bauen zu können, habe man mit dem eigenen Neubau das Gegenteil bewiesen, so Zschoge.

Ökologische Bildung und kreatives Schaffen

Im Mai 2005 haben Mitglieder des Vereins zur Förderung innovativer Wohn- und Lebensformen (Inwole) das Gelände und die Häuser in der Rudolf-Breitscheid-Straße 164 gekauft. Zuvor gehörte die Immobilie der Gewoba. Die Kaufsumme betrug 625 000 Euro, finanziert über einen Kredit.

Außerschulische Bildungsarbeit, kreatives und handwerkliches Schaffen, solidarische Ökonomie, ökologische Bildung, internationale antirassistische sowie Integrationsprojekte zählen zu den Hauptbereichen im Projekthaus.

Rund 100 Potsdamer engagieren sich regelmäßig und ehrenamtlich in knapp 20 Projekten jedes Jahr.

Am 28. Juni lädt Inwole von 13 bis 18 Uhr zum Tag der Architektur in die Rudolf-Breitscheid-Straße 164 ein. Bei Führungen um 13, 15 und 17 Uhr können sich Interessierte den Neubau ansehen, der im Passivhausstandard errichtet worden ist: Aufgrund guter Wärmedämmung wird keine Gebäudeheizung benötigt. rn

 

Von Ricarda Nowak

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