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Prozess um Giftmord an einem kleinen Jungen

Potsdamer Landgericht Prozess um Giftmord an einem kleinen Jungen

Ab Dienstag steht der Stiefvater eines Kleinkindes aus dem Schlaatz wegen Mordverdachts vor dem Landgericht Potsdam. Er soll den Jungen 2014 mit Medikamenten vergiftet haben, weil er ihm zu laut war. Anfangs waren die Ermittler noch von einem Unfall ausgegangen.

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Am Sperberhorst soll sich das Drama 2014 zugetragen haben.

Quelle: Foto: Archiv/Liebe

Am Schlaatz. Für die Ermittler sah es zunächst wie ein tragischer Unfall aus. Im März 2014 starb ein eineinhalbjähriger Junge aus dem Stadtteil Schlaatz an einer Vergiftung. Der damalige Lebensgefährte der Mutter gab zunächst an, dass das Kind in der Wohnung am Sperberhorst im Nachtschrank Tabletten gefunden und versehentlich verschluckt habe. Ab Dienstag muss sich der 37-Jährige nun vor dem Landgericht verantworten. Ihm wird Mord vorgeworfen.

Der Mann soll laut Anklage dem schreienden Kind am Abend des 29. März 2014 einen tödlichen Medikamentencocktail verabreicht haben, um es zu töten und selbst ruhig schlafen zu können. Dabei soll der Angeklagte den bitteren Geschmack des Medikaments dadurch überdeckt haben, dass er sie in süßem Tee und Babybrei auflöste.

Zum ersten Mal öffentlich geworden war der Fall erst im März dieses Jahres. Bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für Potsdam hatte der Leiter der Kriminalpolizei der Direktion West, Sven Mutschischk, den bereits drei Jahre zurückliegenden Vorfall geschildert. Der Tod des Jungen taucht nämlich erst für das Jahr 2016 in der Kriminalstatistik auf, weil die Ermittler erst im Vorjahr darauf gekommen waren, dass das Kleinkind wohl nicht wie durch den Stiefvater dargestellt durch einen Unfall ums Leben kam, sondern durch eine Gewalttat.

Das Landgericht hat zwölf Verhandlungstage bis Mitte Dezember angesetzt. Für den Angeklagten geht es dabei nicht nur um den Mordvorwurf. Auch Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz und Fahren ohne Fahrerlaubnis wird ihm vorgeworfen. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung Ende April 2014 soll der Mann 0,04 Gramm Amphetamin bei sich gehabt haben. Im Januar 2016 soll der Angeklagte laut Ankündigung des Gerichts ohne erforderliche Fahrerlaubnis in Neuruppin unterwegs gewesen sein.

2013 nahm in Berlin ein ähnlich gelagerter Fall eine überraschende Wende: Ein 27-Jähriger stand im Verdacht, den acht Monate alten Sohn seiner Freundin mit einem Morphium-Pflaster getötet zu haben. Der Ziehvater, so die erste Annahme, hatte dem Baby das hochgiftige Mittel in den Mund gesteckt, um es ruhig zu stellen. Er kam in Untersuchungshaft. Dann stellte sich heraus: Es war ein Unfall, der Lebensgefährte der Mutter unschuldig. Das Pflaster klebte am Regal der Vormieterin, einer Schmerzpatientin, die das Pflaster mit dem synthetischen Mittel nachlässig entsorgt hatte. Der kleine Junge hatte es offenbar gefunden und sich in den Mund gesteckt.

Von Marion Kaufmann

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