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Potsdam Das letzte Wort der Angeklagten
Lokales Potsdam Das letzte Wort der Angeklagten
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01:16 19.04.2019
Für die Angeklagten Nico N. (l.) und Florian G. (2.v.l) – hier am 16. Verhandlungstag – forderten die Verteidiger einen Freispruch. Quelle: Stefan Gloede
Potsdam

Der Moment, da alle Zeugen gehört, alle Beweise erfasst, alle Plädoyers gesprochen sind, ist einer der packendsten im Strafprozess. Das letzte Wort gebührt dem Angeklagten – nicht jeder macht davon Gebrauch. Im Prozess um den nächtlichen Überfall auf eine Familie in ihrem Zuhause am Jungfernsee im Sommer 2017 ist es den beiden Haupttätern John R. (26) und Jorge H. (23) offenbar ein großes Bedürfnis, sich noch einmal persönlich an die Menschen zu wenden, die sie an Leib und Seele verletzt haben.

„Menschen machen Fehler: manche große, manche kleine“

„Ich möchte mich für das, was ich Ihrer Familie angetan habe, entschuldigen“, sagt John R.: „Ich möchte, dass Sie wissen, dass ich mich nicht nur entschuldige, weil ich heute hier vor Gericht sitze, sondern weil es mir wirklich leid tut – von ganzem Herzen.“ Er verspreche, nie wieder jemanden weh zu tun. „Menschen machen Fehler: manche große, manche kleine. Ich habe aus meinen Fehlern gelernt.“ Er habe im Gefängnis – R. und H. sitzen seit mehr als anderthalb Jahren in U-Haft – gearbeitet und Geld gespart: „Das möchte ich Ihnen geben.“ Die Täter hatten erheblichen materiellen Schaden angerichtet: Mit ihnen verschwanden Schmuck und Bargeld – selbst vor dem Sparschwein des damals dreijährigen Sohnes machten sie nicht Halt. „Ich bete für Sie und hoffe, dass es ihrer Familie wieder gut geht“, sagt R.: „Wenn es Ihnen hilft, können Sie immer Kontakt zu mir suchen und mit mir sprechen – ich bin immer da.“

„Ich denke so oft, darüber nach, was passiert ist; es bricht mir das Herz“

Auch Jorge H. bittet um Entschuldigung. Er habe sich sehr zu Herzen genommen, was die Familie und deren Anwältin in der Verhandlung ausgesagt haben. „Ich denke so oft, darüber nach, was passiert ist“, sagt H.: „Es bricht mir das Herz.“ An Richter Jörg Tiemann gewandt beteuert er: „Ich bin 100-prozentig sicher, dass ich nie wieder an diesen Punkt gelangen werde.“ Er mache nun eine Ausbildung und habe den Grundstein für „ein normales Leben mit meiner Familie und meiner Freundin“ gelegt.

„Es war ’ne blöde Idee von mir“

Auch der Drahtzieher des Einbruchs nutzt das letzte Wort. „Es tut mir leid“, sagt Florian G. (32): „Es war ’ne blöde Idee von mir. Dass das alles solche Ausmaße annimmt, damit habe ich nicht gerechnet.“ G. hatte R. und H. angeheuert und ihnen, wie er sagt, „freie Hand“ gelassen – die Situation in der Villa eskalierte und wurde für das betroffene Ehepaar, seine drei Kinder und eine Schulfreundin zum Martyrium.

Verteidiger fordern Freispruch für Drahtzieher und den vierten Mann

Seine Verteidiger fordern für G. einen Freispruch von den in der Anklageschrift formulierten Vorwürfen, unter anderem erpresserischer Menschenraub, sowie vom Vorwurf der Beihilfe. Er sie nie im Haus gewesen, habe die Familie weder an der Gesundheit geschädigt noch an ihrem Vermögen: Er habe einen Tatplan für einen Einbruchsdiebstahl in ein Haus ohne Anwesende entwickelt. Um auf Nummer Sicher zu gehen, habe er vis-à-vis eine Überwachungskamera installiert. Was in der Tatnacht geschah, sei nicht im Sinne seines Plans gewesen – und er habe dazu auch nicht Hilfe leisten wollen. Sollte das Landgericht G. indes für den Einbruchsplan verurteilen, sei die Strafe zur Bewährung auszusetzen, denn er sei strafrechtlich zuvor nie in Erscheinung getreten, sei geständig, habe einen Job, sei Vater geworden: „In Zukunft ist unter keinen Umständen von weiteren Straftaten auszugehen.“

Auch für den vierten Angeklagten forderten die Verteidiger einen Freispruch. Schon früh im Prozess hatte sich angedeutet, dass Nico N. (25) an der Tat nicht beteiligt war.

Die Urteilsverkündung ist für den 26. April vorgesehen.

Von Nadine Fabian

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