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Potsdam Psychiatrische Tagesklinik zieht zu Oberlin
Lokales Potsdam Psychiatrische Tagesklinik zieht zu Oberlin
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01:16 30.06.2018
Das Asklepios-Klikum Brandenburg mietet sich mit einer Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie bei Oberlin in Babelsberg ein. Quelle: Rainer Schüler
Babelsberg

„Manchmal hinkt die Seele“, sagt Chefärztin Annegret Eckhardt-Ringel: „Wir wollen sie wieder beweglich machen.“ Dieser Anspruch der Asklepios Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie aus Brandenburg passe zum orthopädischen Anspruch des Oberlinvereins von Babelsberg. Beide haben jetzt zueinander gefunden; Asklepios hat sich eingemietet bei Oberlin.

Im frisch sanierten „Handwerkerhaus“ des karitativen Gesundheitsunternehmens an der Rudolf-Breitscheid-Straße fand Asklepios weit größere Räume als zuvor an der Behlertstraße und hat nun etwa 50 Prozent mehr Platz, berichtet Eckhardt-Ringel.

Therapie braucht große Räume

Die großen Räume sind wichtig für die so genannte Multifamilientherapie, die stark im Kommen ist, nicht, um mehr Betroffene zu therapieren, sondern um die Dynamik einer Gruppe für die Therapie zu nutzen. Wie die Ärztin am Mittwoch bei einer Klinikpräsentation für Psychologen, Psychiater und Therapeuten erläuterte, ist eine Therapie mit mehreren Familien zur selben Zeit an einem Ort ein guter Weg zur Lösung zahlreicher psychischer Probleme. Man beschränkt sich nämlich nicht mehr auf das direkte Gespräch des Arztes mit dem Patienten und seinen Angehörigen, das man auch abbrechen kann, sondern legt seine Probleme in einer Gruppe offen, die ähnliche Probleme hat. Wer die Gruppe verlässt, fällt auf, muss sich erklären.

Betroffene schotten sich ab

Im Alltag igeln sich Familien mit Schuld- und Schamgefühlen ein und grenzen sich von ihrem sozialen Umfeld ab, berichtete die Chefärztin, zum Beispiel, weil es immer wieder sehr laut wird zwischen Eltern und Kindern und das auch die Nachbarn merken. „Bei uns in der Familiengruppentherapie aber erkennen sie, dass sie nicht allein sind mit ihrem Problem und sehen, wie andere das angehen“, berichtet Eckardt-Ringel. „Bei Therapieaufgaben schauen sie, wie andere das zu lösen versuchen. Sie lernen dabei voneinander.“ Man lässt sogar die Kinder wechseln zu fremden Eltern, die anders mit ihnen reden, sie anders behandeln. Ein Aha-Effekt tritt ein: „So geht das also auch.“

Platz für knapp 20 Patienten

18 Patienten, je zur Hälfte Kinder und Jugendliche, werden derzeit in Babelsberg behandelt von 15 Asklepios-Mitarbeitern. Die Patienten sind verhaltensgestört oder können sich nicht anpassen, manche haben Ängste und Kontaktprobleme. Einige lernen schlecht, haben Angst vor der Schule oder schwänzen sie sogar. Andere leiden unter Ess-Störungen oder Zwängen, haben Depressionen, nehmen Drogen, isolieren sich, sind schwer trotzig oder schreien oft herum. Mobbing-Opfer sind dabei.

Vier bis zwölf Wochen veranschlagen die Ärzte und Therapeuten für einen Kurs in der landesweit noch einzigartigen Tagesklinik: Die Kinder und Jugendlichen reisen morgens an und fahren nachmittags wieder nach Hause. Eltern, Großeltern oder Pflegeeltern kommen kommen alle zwei Wochen dazu. Lehrer sorgen dafür, dass der Unterrichtsausfall von Schülern nicht dramatisch wird.

Die Babelsberger „Institutsambulanz“ des Brandenburger Klinikums versorgt die Städte Potsdam und Brandenburg sowie die Landkreise Havelland, Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming. Dem Team gehören Ärzte, Psychologen, Erzieher, Krankenpfleger, Physio-, Ergo-, Kunst- und Musiktherapeuten an. Sie bekommen die Patienten von Ärzten überwiesen, die das jeweilige Problem oder eine Vielzahl von Problemen nicht selber lösen können. Eltern oder sogar ihre Kinder können sich aber auch selbst vorstellen.

Vollstationär in Brandenburg

Außerdem bietet Asklepios am Standort Brandenburg eine vollstationäre Unterbringung an für junge Menschen, die sich selbst und andere gefährden könnten. In Potsdam ist das Klinikum nach Auskunft von Geschäftsführerin Daniela Wolarz-Weigel schon seit 2010 präsent; die Multifamilientherapie wird seit 2013 angeboten, doch waren die kleinen Räume im Gebäude an der Behlertstraße dafür eher weniger geeignet.

Von Rainer Schüler

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