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Publikum entscheidet über Handlung

Interaktivität im Mitmachkino Publikum entscheidet über Handlung

Filmuni-Student Paul Bauer will mit „Active Cinema“ das Kino revolutionieren und mit seinem Mitmachkinoprojekt um Verständnis für Gehörlose werben.

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Babelsberg. Bei einem Anschlag mit heftiger Explosion auf einem Stadtfest in einer konservativ geprägten Provinzstadt verliert die 26-jährige Hanna mehr als zwei Drittel ihres Hörvermögens. Während sie auf eigene Faust den Attentäter sucht, muss sich die junge Frau ihren neuen Lebensumständen und den damit verbundenen gesellschaftlichen Problemen stellen. Klingt nach Krimi? Ist es auch. 

Doch statt wie üblich einer vorgegebenen Handlung zu folgen, sollen die Zuschauer selbst aktiv werden und den Fortgang der Geschichte mittels spezieller App auf dem Mobiltelefon oder mit einer Art Spielekonsole „in einer demokratischen Mehrheitsentscheidung“ bestimmen dürfen. Beispiel: Ob Hanna in einer Szene den mutmaßlichen Täter angreifen oder vor ihm fliehen soll, entscheidet das Publikum. Wer den Film ganz konventionell gucken möchte, darf das ebenso. Je nach Spielverlauf wird es ein glückliches oder trauriges, vielleicht ein offenes Ende geben. 

Filmproduktionsstudent Paul Bauer nennt sein Mitmachkinoprojekt „Active Cinema“ und möchte damit im nächsten Jahr sein Diplom an der Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“ ablegen. Der „Liebeserklärung an eine Gehörlose“ betitelte Film soll nicht nur Spaß bringen, sondern die akustische Welt von Schwerhörigen erlebbar machen. „Das Publikum hört abwechselnd aus der akustischen Perspektive der Hauptfigur und seiner ,normal hörenden’ Perspektive.“ 

Bauer will Verständnis gegenüber Hörgeschädigten schaffen, mit Klischees aufräumen. Dafür will der 28-Jährige, der sich als kreativer Produzent sieht, mit seinem Team etwa einen Tag Schwerhörigkeit simulieren. Bis in die Ausstattung wird das Thema aufgenommen: Das Szenenbild orientiert sich am Aussehen sowie am Aufbau des Ohrs. 
Ab Mitte November soll der zwei- bis dreiwöchige Dreh an Schauplätzen in Potsdam starten – wenn das Budget steht, an dem sich Fans des Projekts im Internet via Crowdfunding beteiligen können. Mit allen Szenen und Handlungsvarianten soll der Film 45 Minuten lang werden. In der Kinoversion ist folglich nur die Hälfte zu sehen, auf der geplanten DVD alles. 
„Liebeserklärung an eine Gehörlose“ soll in der Saison 2015 im Filmpark Babelsberg zu sehen sein. Betreiber Friedhelm Schatz signalisierte bereits Interesse. Schließlich hat der Filmpark die zum neuen Format passenden „Actionkinos“. 

Das Projekt fordert nicht nur Studenten der Filmuniversität. Die Regisseurin Lara Wilde studiert an der Berliner Beuth Hochschule für Technik, Teambetreuer Markus Naumann an der Uni Potsdam, Programmierer Tino Junge am Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik. Während Junge das für „Active Cinema“ nötige Programm entwickelt, wird sich Naumann um „verständnisvolle Atmosphäre“ am Set kümmern. Die Hauptrolle der Hanna übernimmt die hochgradig schwerhörige Anne Zander. Die 26-Jährige hat von ihren Großeltern früh sprechen gelernt, ihr Vater Thomas Zander ist Lehrer für Gebärdensprache. 

Bauer, der im Studentenwohnheim Stahnsdorfer Straße lebt, kickt in seiner Freizeit in der dritten Mannschaft des FSV Babelsberg 74: „Ich brauche den körperlichen Ausgleich zum Studium.“ Mit dem Diplom will der gebürtige Sachse in Babelsberg bleiben und eine Dependance der im interaktiven Bereich tätigen Dresdner Produktionsfirma Studio Klarheit gründen, die seinen Eltern gehört. Bauer will neue audio-visuelle Erzählformen wie „Active Cinema“ weiterentwickeln. 

Produktionsfahrräder und Set-Mentor
Anfang November startet für das Filmprojekt mit dem Arbeitstitel „Liebeserklärung an eine Gehörlose“ die Schwarmfinanzierung (Crowdfunding) im Internet. Auf der Seite www.startnext.de/active-cinema oder bei www.facebook.com/activecinema kann man jetzt schon Fan werden. 
2.500 Euro sollen innerhalb von vier Wochen über Crowdfunding eingesammelt werden. 

Der Filmpark Babelsberg unterstützt das studentische Projekt bereits und hat Eintrittskarten im Wert von 1000 Euro bereitgestellt, die für einen höheren als den üblichen Preis verkauft werden. Der Überschuss fließt in „Liebeserklärung an eine Gehörlose“. Im Filmpark soll der Kurzfilm in der Saison 2015 gezeigt werden. 
Bauer setzt bei seinem Projekt auf Nachhaltigkeit: So sollen beispielsweise zwei Produktionsfahrräder das sonst übliche Produktionsauto ersetzen und Nahrungsmittel, die nach dem Dreh übrig sind, gespendet werden. 
Da es bei Filmproduktionen oft zu Konflikten kommt, will der Produktionsstudent einen „Set-Mentor“ einsetzen, der eine „angenehme und offene Arbeitsatmosphäre“ schaffen soll.

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