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Potsdam Puppendoktor Thomas Dahl und Käthe Kruse
Lokales Potsdam Puppendoktor Thomas Dahl und Käthe Kruse
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18:14 24.03.2019
Die Käthe-Kruse-Puppen erreichen teilweise einen Wert bis zu 6000 Euro. Varvara Smirnova Quelle: smirnova_v
Innenstadt

Patientin Inge ist nackt, hat blonde kurze Haare und stammt vermutlich aus den 40er Jahren. Thomas Dahl untersucht sie gründlich. Das beginnt immer mit einem Blick in den Nacken – dort steht die Zugehörigkeit. Die Nummer ist eine Art Patentabsicherung und sollte Plagiaten vorbeugen. Der 57-Jährige ist ein sogenannter Puppendoktor. Er kann genau, sagen woher eine Puppe kommt, was sie ausmacht und wie viel sie wert ist.

Gemeinsam mit der Käthe Kruse Firma war der Puppenexperte aus Bonn am Wochenende in der Urania Potsdam im Holländischen Viertel. Gezeigt wurden seltene antike Stücke sowie Spiel- und Sammlergruppen aus der aktuellen Kollektion der Manufaktur in Donauwörth. Thomas Dahl, der als Käthe-Kruse-Experte gilt, war als Sachverständiger für Käthe-Kruse-Puppen dort.

Inge mit den braunen Glasaugen besteht aus Zelluloid, also einer Kunststoffverbindung und ist keine Kruse-Puppe. Sie kommt „nur“ auf 100 Euro. „Kunststoffpuppen sind vom Wert im freien Fall“, sagt Thomas Dahl.

Anders sieht das bei Käthe-Kruse-Puppen aus. Die ersten Puppen aus den Jahren 1915 bis 1920, Thomas Dahl hat sie in seiner Sammlung, sind um die 6000 Euro wert. Auch die Anfertigungen aus den 20er und 30er Jahren kommen noch auf bis zu 1800 Euro. „Keine gleicht der anderen, weil sie alle von Hand hergestellt sind“, erklärt Dahl.

Einst bestanden sie alle komplett aus Stoff. „Das war das Besondere aus der Zeit:Sie waren nicht zerbrechlich. Das Kind sollte im Bett damit kuscheln können.“ Viele Erwachsenen würden sagen, dass die Puppen ernst gucken, sagt Thomas Dahl. Käthe Kruse hätte sie aber neutral gehalten. „Damit die Kinder möglichst viel reininterpretieren können. Wir unterschätzen oft die Fantasie der Kinder“, sagt der Experte.

Dass Käthe Kruse (1883-1968), eigentlich gelernte Schauspielerin, solche Begleiter erschaffte und so weltweiten Ruhm erlangte, lag auch an einer enormen Kreativität in der Not. Mit einem unehelichen Kind floh sie während ihrer zweiten Schwangerschaft 1904 in die Toskana. „In Deutschland hätte man ihr die zwei Kinder weggenommen“, weiß Thomas Dahl. Als sich ihre älteste Tochter eine Puppe wünschte, verweigerte der Vater Max Kruse, ein gut 25 Jahre älterer Bühnenbildner, den Wunsch. Weil er die Puppen in Berlin so scheußlich fand, sollte Käthe selber welche anfertigen.

Kruse begann für ihre Kinder Puppen zu basteln. Als sie Jahre später zurück in Berlin 1910 im Warenhaus ausstellte, war das öffentliche Interesse enorm. Was mit einer Puppe mit Kartoffel-Kopf begann, mündete in einer feinen Manufaktur, die schon bald weltweit exportierte und die spätere Familie mit sechs Kindern ernährte.

Was viele Menschen dabei nicht wissen: Käthe Kruse hat auch mehrere Jahre in Potsdam verbracht. So soll sie von 1915 bis etwa 1923 in Potsdam geweilt haben. Aus dieser Zeit um 1916 stammt auch die Reihe der seltenen – teilweise bis zu 1600 Euro gehandelten – „Potsdamer Soldaten.“ Die kleinen Biegepuppen, stoffbezogene Drahtskellette, passen zwischen Daumen und Zeigefinger.

Wo genau Käthe Kruse in Potsdam wohnte, das kann man heute nicht mehr genau rekonstruieren, weil sie parallel dazu schon eine Werkstatt in Bad Kösen (Sachsen-Anhalt) eröffnete. „Sie hat in Potsdam keine passende Immobilie gefunden. Vermutlich waren die wirtschaftlichen Strukturen in Bad Kösen besser“, sagt Thomas Dahl, der Puppenführer zu Käthe Kruse veröffentlicht hat.

Zu dem Beruf Puppendoktor kam Thomas Dahl zufällig. Als junger Zivildienstleistender vermachte ihm eine alte Dame im Heim eine Puppe. Experten schätzten ganz unterschiedliche Werte für die Puppe, keiner schien zu wissen, was er vor sich hatte. „Ich habe dann von 0 auf 100 eine Marktlücke entdeckt“, sagt er. Sein Sprach- und Sonderpädagogik-Studium, das er inzwischen begonnen hatte, gab er auf und machte sich selbstständig.

Besonders fasziniert war er von den Käthe-Kruse-Puppen. „Ihr Anspruch an Qualität war enorm. Käthe-Kruse-Puppen waren schon immer teuer und wohlhabenden Leute vorbehalten“, sagt Thomas Dahl. Alle Puppen bis in die 50er Jahre sind Unikate.

Gabriele Sacher besitzt eines dieser begehrten Exemplare. Sie hat die Puppe aus der Zeit um 1935/40 von ihrer Mutter geerbt. Ein Foto zeigt sie als Kind mit der Puppe. Der Kruse-Profi soll einschätzen, welches Kleid sie für die Puppe nachkaufen kann. „Für mich ist das eine emotionale Sache“, sagt Gabriele Sacher. Sie weiß, welchen finanziellen Wert die Puppe hat – aber eintauschen würde sie die Puppe nie.

 

Von Anne Knappe

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