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Potsdam Puppenglück aus der Selbsthilfewerkstatt
Lokales Potsdam Puppenglück aus der Selbsthilfewerkstatt
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06:55 03.11.2016
Falko Tesch und Gudrun Wünsche legen in schwierigen Fällen auch selbst mal Hand an. Quelle: Marcel Kirf
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Am Schlaatz

Der kleine, rosafarbene Puppenwagen ist wieder da. Vor einiger Zeit hatten die Rollen ersetzt werden müssen, dieses Mal ist die hölzerne Babypuppenliegefläche gebrochen. Die Bespannung muss entfernt, die Holzplatte ersetzt werden. Ein etwas komplizierter Fall. Deswegen kümmern sich Gudrun Wünsche, Falko Tesch und ihre Projektteilnehmer selbst darum. Normalerweise leiten sie in ihrer Quartiers-Selbsthilfe-Werkstatt die Bürger, die mit ihrem kaputten Kinderspielzeug, ihren defekten Haushaltsgeräten oder mit in die Jahre gekommenen Lieblingsstücken ins Bürgerhaus am Schlaatz kommen, dazu an, selbst Hand anzulegen.

Die nächste Werkstatt öffnet am 4. November

Jeden ersten Freitag im Monat macht die Selbsthilfewerkstatt hier Station. Das nächste Mal an diesem Freitag (4. November). Zwischen 12 und 15 Uhr kann dann jeder, der Hilfe bei Kleinreparaturen oder Instandsetzungen braucht, vorbeikommen und sich zeigen lassen, wie man eigenständig aus vermeintlich nicht mehr zu gebrauchenden Teilen wieder ein Ganzes macht. Falko Tesch ist promovierter Diplom-Chemiker und selbständiger Kraftfahrzeugtechnikmeister. Durch seine langjährige Erfahrung als Berufsschullehrer hat er sich neben zahlreichen Handwerkstechniken auch sozial-pädagogische Kompetenzen erschlossen. Er leitet die praktischen Arbeiten an. Zur Seite stehen ihm die Teilnehmer eines Qualifizierungsprojektes für Langzeitarbeitslose. „WorkIn Potsdam – Blickwinkel Arbeit und Klima“ bildet Hausmeister aus, die auch mit der komplexen Technik energiesanierter Gebäude – wie es sie zunehmend auch im Schlaatz gibt – umgehen können.

Einige der Werkstatt-Leute werden vom Fleck weg engagiert

Das Projekt der Landeshauptstadt Potsdam wird mit europäischen und mit Bundesmitteln gefördert. Für die Ausführung in Potsdam sind Falko Tesch und Gudrun Wünsche zuständig. Sie, Diplom-Ingenieurin und Landschaftsplanerin, übernimmt den organisatorischen Part, er entwickelt die Lehrpläne und steht mit in der Werkstatt. Die Qualifizierungsmaßnahme wird gut angenommen. 15 Monate Theorie und Praxis bringen die Teilnehmer wieder in bezahlte Arbeit, manchmal sogar so schnell, dass sie den Kurs vorzeitig beenden müssen. „Viele Wohngebiete werden derzeit energetisch saniert“, sagt Gudrun Wünsche. „Die Wohnungsunternehmen und Städte suchen händeringend nach Hausmeistern mit den richtigen Fähigkeiten. Die engagieren die Leute vom Fleck weg.“ Denn wenn einmal neue Heiz- und Belüftungsanlagen eingebaut sind, braucht es Menschen, die diese bedienen können. Menschen, die zudem den Mietern erklären, dass auch sie ihre Gewohnheiten ändern müssen. Dass ein Niedrigenergiehaus nur dann bestimmungsgemäß funktioniert, wenn richtig geheizt und gelüftet wird. Ende November startet ein neuer Kurs. Noch sind Plätze frei.

Einen eigenen Raum im Schlaatz soll’s im Frühjahr geben

Die Selbsthilfewerkstatt im Kreativraum des Schlaatzer Bürgerhauses ist Bestandteil der Bildungsmaßnahme. Hier treffen die Hausmeister in spe bereits auf Mieter, lernen, wie man Wissen vermittelt und praktische Hilfe leistet. Ansonsten in verschiedenen Lehrwerkstätten oder Wohnanlagen unterwegs, ist der allmonatliche Besuch im Schlaatz eine willkommene Abwechslung. Gudrun Wünsche und Falko Tesch kämen gern sogar noch öfter. Seit einigen Monaten bemühen sie sich um einen eigenen Raum im Schlaatz. „Wir sind nur zu Gast im Bürgerhaus“, erzählt Falko Tesch, „weil wir hier kein Lager haben, bringe ich Werkzeuge und Material im Kofferraum meines Autos mit.“ Im Frühjahr könnte es soweit sein, die beiden stehen in Verhandlungen mit der Landeshauptstadt. Bis dahin stehen die letzten beiden Termine der also noch mobilen Kiez-Werkstatt in diesem Jahr ganz im Zeichen weihnachtlichen Werkelns. Auch wer keinen akuten Reparaturbedarf hat, kann vorbeikommen und lernen, wie man Kerzen gießt oder sich an Laubsägearbeiten versuchen. Neben der Ausbildung ihrer Kurs-Teilnehmer ist den Machern nämlich auch etwas anderes wichtig. „Wir wollen den Menschen vermitteln, dass man Kaputtes nicht gleich wegschmeißen muss und dass man mit ein paar einfachen Handgriffen und geringem Materialeinsatz etwas Neues erschaffen kann“, erklärt Falko Tesch, und ergänzt mit Blick auf Weihnachten: „Die schönsten Geschenke sind selbstgemachte.“ Wie ein rosafarbener Puppenwagen, der plötzlich wieder ganz ist.

Von Marcel Kirf

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