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Potsdam Radler-Falle in der Hegelallee
Lokales Potsdam Radler-Falle in der Hegelallee
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17:55 09.11.2016
Was viele Radler nicht wissen oder missachten: Autofahrer haben an der Promenade Vorrang.  Quelle: Gartenschläger
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Potsdam

 Es war schon dunkel, als der Radler in den Mini krachte. Der Mitvierziger, der vom bei Radlern und Fußgängern viel genutzten Mittelstreifen in der Hegelallee auf die Straße fuhr, flog gegen die Scheibe des Wagens, er verletzte sich leicht, kam ins Krankenhaus. Das Rad und der Kotflügel des Autos wurden bei dem Zusammenstoß am Abend des 25. Februar 2014 beschädigt. Der Radler, das stellte das Landgericht am Mittwoch in zweiter Instanz klar, hat den Unfall verursacht. Den damals 58 Jahre alten Autofahrer, der von der Hegelallee links in die Dortustraße abbog, trifft keine Schuld.

Aber – und das ist das Ungewöhnliche dieses Berufungsverfahrens – der Vorsitzende Richter nutzte den Fall für einen doppelten Appell. Zum einen an die Radfahrer, sich mit dem Verkehrsrecht auseinanderzusetzen und mehr Vorsicht auf dem Mittelstreifen walten zu lassen. Zum anderen an die Stadtverwaltung, endlich zum Beispiel durch deutlichere Beschilderung Abhilfe an der Promenade zu schaffen, die geradezu prädestiniert für Unfälle sei. „Jeder, der in Potsdam unterwegs ist, weiß, wie gefährlich die Stelle ist“, so Richter Christian Odenbreit. Der Mittelstreifen mit seiner gleichfarbigen Pflasterung sei „eine Falle, vor allem für Radler, aber auch für Fußgänger.“ Denn vielen Radlern sei nicht bewusst, dass der von Bäumen und Bänken gesäumte Flanierstreifen gar kein ausgewiesener Radweg sei und Pedaleure damit keine Vorfahrt haben. Auf Höhe des Nauener Tores ins Pflaster eingelassene Radzeichen suggerierten das aber.

Hier wird es für Radfahrer in Potsdam gefährlich

Der Mittelstreifen ist kein ausgewiesener Fahrradweg

„Es muss eine klare Regelung geben“, fordert auch der Autofahrer, der von dem Radler wegen Schadensersatzansprüchen verklagt worden war. Diese hat das Landgericht rundweg abgelehnt und damit das Urteil der Vorinstanz bestätigt. „Wir halten die Entscheidung des Amtsgerichts in allen Teilen für vollständig richtig“, so Berufungsrichter Odenbreit. Grundlage ist die Straßenverkehrsordnung. Bei dem Mittelstreifen der Hegelallee handle es sich um einen „anderen Straßenteil“. Dazu heißt es in § 10 StVO: „Wer (...) von einem anderen Straßenteil oder über einen abgesenkten Bordstein hinweg auf die Fahrbahn einfahren (...) will, hat sich dabei so zu verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.“ Der Radler hätte also anhalten müssen. Er hatte kein Recht, vom Mittelstreifen mit an der Stelle sogar abgesenktem Bordstein auf die Dortustraße zu fahren, wo er in das Auto krachte. Zumal der Autofahrer laut Gericht fast zum Stehen gekommen und nicht etwa rücksichtslos mit erhöhter Geschwindigkeit um die Ecke gebogen war. „Der Radler ist blauäugig rausgefahren“, so Richter Odenbreit. Deswegen habe die Berufung keinerlei Aussicht auf Erfolg gehabt.

Die Stadt sieht trotz des Richterappells keinen Anlass, an der Beschilderung der Promenade etwas zu ändern, sondern verweist auf die allgemeine Rechtslage. „Das Urteil selbst werden wir nicht kommentieren, weil wir es nicht im Wortlaut kennen“, so Stadtsprecher Jan Brunzlow. Unfallzahlen aus der Hegelallee lägen der Stadt nicht vor. Der Mittelstreifen sei aber kein Unfallschwerpunkt, meint Brunzlow.

Zu kleine Hinweisschilder

Der Mittelstreifen entlang der Hegel-allee wird von Bürgern schon länger als Gefahrenstelle gesehen.

333 Gefahrenstellen wurden insgesamt von Bürger nach einem Aufruf der Stadt 2013 genannt. 156 Potsdamer folgten dem Aufruf.

Unklare Vorfahrtsregeln wurden auf der stark frequentierten Mittelpromenade der Hegelallee bereits damals kritisiert, auch wenn kleine Schilder an den Querungen zu Dort- und Hermann-Elflein-Straße darauf hinweisen, dass Autos Vorfahrt haben.

Aktuell gilt die Stelle vor dem Landtag als größter Gefahrenpunkt für Radler in Potsdam.

Von Marion Kaufmann

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