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Potsdam Rätselhafte Figuren in der Landschaft
Lokales Potsdam Rätselhafte Figuren in der Landschaft
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21:50 26.02.2018
Klaus Fußmann vor seinem Gemälde „Mythologischer Versuch: B. mit Zwerg im Garten. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Klaus Fußmann, Kunst-Interessierten wie Sammlern gemeinhin durch seine luftigen Ostsee-Motive und farbenfreudigen Stillleben ein Begriff, ist im Barberini angekommen. Das Museum am Alten Markt widmet dem renommierten Maler zum 80. Geburtstag am 24. März eine eindrucksvolle Ausstellung, die sich Menschen in Landschaften annimmt. Ein zentrales Thema im Werk Fußmanns, der in Berlin und Gelting (Schleswig-Holstein) lebt und viele Jahre lang als Professor an der Hochschule der Künste in Berlin tätig war. Fußmann war es auch, der 1996 als erster Künstler seine Arbeiten – natürlich Landschaften – im Bundeskanzleramt Bonn ausstellen durfte.

Das Museum Barberini zeigt – zeitgleich zur Max-Beckmann-Ausstellung – in vier großzügigen Sälen des Erdgeschosses 39 großformatige – oft quadratische – Gemälde aus dem gesamten Schaffen Fußmanns. Die ausgestellten Bilder hat der Künstler mit Museumschefin Ortrud Westheider „innerhalb von zwei Stunden“ in dessen Berliner Atelier anhand von Originalen und kleineren Arbeiten ausgesucht. „Es ging erstaunlich schnell und es hat funktioniert“, sagt Fußmann bei einem Rundgang durch das Barberini. „Ich bin sehr zufrieden, ich mag die Ausstellung. Man sieht hier die geballte Kraft von 20, 30 Jahren, es gibt keinen Spannungsabfall. Das ist für mich faszinierend, das passt zusammen“, so der Künstler gegenüber dem MAZ-Reporter.

Wer sich Fußmanns Bilder erschließen möchte, sollte indes einige Zeit und Muße mitbringen. Denn Deutungen sind nicht immer einfach – und das ist vom Maler, der zumeist Familienangehörige oder Freunde mit dem Gesicht zum Betrachter in der Landschaft platziert hat, auch gar nicht intendiert. „Zu allen Werken gibt es eine kleine Entstehungsgeschichte. Ich kann sagen, wie es dazu gekommen ist. Ich kann aber nicht genau sagen, was ich meine.“ Der Künstler beruft sich in seiner Erklärung auch auf Rainer Maria Rilke. Der Dichter habe gesagt, Bilder dürften nicht entziffert werden, sonst werden sie spannungslos. „Das Rätsel ist das Eigentliche, was uns fasziniert“, so Fußmann.

Als Beispiel nimmt er das Gemälde „Abstürzender (Ikarus)“ aus dem Jahr 1987. Auf dem Bild fällt Ikarus völlig unbemerkt inmitten pflügeder Bauern ins Meer. Ähnliches habe sich im Mai 1987 zugetragen, als vor seinem Haus in Düstnishy ein Fallschirmjäger niederging – unbemerkt vom Neffen, der eine Hecke schnitt. Fußmann sah es durch Zufall und erfuhr später, dass Jahre zuvor ein Fallschirmjäger tatsächlich in das nahe Moor, abgestürzt war. Er überlebte zum Glück.

Oder nehmen wir das Bild „B. im Garten“, das eine Frau inmitten eines Blumenmeers zeigt. Der Maler benötigte 20 Jahre – von 1994 bis 2015 – zur Vollendung. „Irgendwas hat mir immer nicht gefallen. Das Bild stand im Atelier, wurde ab und an hervorgekramt, angesehen und wieder weggestellt.“ 2014 gestaltete der Maler den Himmel neu, ein Jahr später wurde das Bild vollendet. All das ist nachzulesen im Begleitbuch zur Ausstellung, das Fußmann verfasst hat.

„Es gibt nie den romantischen Blick, dafür sehr viel Psychologie“, beschreibt Ortrud Westheider die Faszination der Bilder Fußmanns. Es seien Bilder zum Fühlen, ergänzt die Kunsthistorikerin – nicht zuletzt wegen der oftmals üppig aufgetragenen Farbenmengen. Berührungen sind allerdings nicht erlaubt. Als Fußmann während seiner Erklärungen zu nah an ein Bild kommt, schrillt sofort ein Alarmton.

Das Gros der ausgestellten Werke stammt von Museumsstifter Hasso Plattner, der seit Beginn seiner Sammeltätigkeit auch ein großer Fußmann-Anhänger ist. Wer mag, kann Parallelen zwischen Fußmann und Wolfgang Mattheuer (Ikarus-Motive) ziehen, den Plattner ebenfalls präferiert. Oder zu Edvard Munch, dessen Schrei der Betrachter vielleicht beim „Zeitsprung“ erkennen mag. Fußmann hört sich die Vergleiche an – und lässt die Antwort offen. Rätsel sollen schließlich Rätsel bleiben.

Klaus Fußmann im Barberini

Klaus Fußmann. Menschen und Landschaften“ läuft parallel zur Max-Beckman-Ausstellung „Welttheater“, die gestern Abend im Museum Barberini eröffnet wurde.

Fußmann, der in Berlin und Gelting (Schleswig-Holstein) lebt und arbeitet, wird am 24. März 80 Jahre alt. Er ist einer der renommiertesten Maler in Deutschland und gehört zu den herausragenden Vertretern der neuen Gegenständlichkeit.

Beide Ausstellungen im Barberini werden bis zum 10. Juni gezeigt.

Öffnungszeiten: Montags und mittwochs bis sonntags 10 bis 19 Uhr.

Von Jens Trommer

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