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Rätselraten über Verbleib von Einladungen

Ausstellungseröffnung in Gedenkstätte Lindenstraße ohne Opferverbände Rätselraten über Verbleib von Einladungen

Aus dem Streit um eine angebliche Ignoranz der Stadtverwaltung gegenüber Interessenverbänden von NS-Opfern im Zusammenhang mit der Gedenkstätte Lindenstraße 54 in der Innenstadt von Potsdam wird ein Rätselraten um die Post - und einer rätselt, warum er dem "AK Antifa Potsdam" zugeordnet wurde.

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Ein Schatten ist auf die Eröffnung der letzten von insgesamt fünf Ausstellungsabteilungen der Gedenkstätte Lindenstraße 54 für die Opfer politischer Gewalt im 20. Jahrhundert gefallen.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Wie berichtet, hatte Lutz Boede als Geschäftsführer der linksalternativen Fraktion Die Andere der Stadtspitze "Ignoranz" gegenüber der Arbeitsgemeinschaft Bund der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten, der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz und der Vereinigung der Verfolgten des NS-Regimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) vorgeworfen, weil diese Organisationen im September nicht zur Eröffnung einer Ausstellungsabteilung über die Lindenstraße 54 in der NS-Zeit eingeladen worden seien.

Das Rathaus reagierte auf diesen Vorwurf mit Empörung: "Mit Entschiedenheit haben die Landeshauptstadt Potsdam und die Gedenkstätte Lindenstraße heute Vorwürfe zurückgewiesen, wonach NS-Opferverbände nicht zur Eröffnung der neuen Ausstellung zur nationalsozialistischen Geschichte der Gedenkstätte Lindenstraße eingeladen worden sein sollen", hieß es in einer Presseerklärung: ",Die diesbezüglichen Äußerungen von Herrn Boede seien völlig aus der Luft gegriffen' sagte der zuständige Fachbereichsleiter Kommunikation, Wirtschaft und Beteiligung Dieter Jetschmanegg. ,Weder ist es zutreffend, dass wir die NS-Opferverbände nicht eingeladen haben. Noch stimmt es, dass wir Ideen und Wünschen der Opfer und ihrer Verbände keine Beachtung geschenkt haben. Das Gegenteil ist der Fall.'"

Eine vergleichbare Klarheit hatte die Stadtspitze zuvor bei der Antwort auf eine kleine Anfrage der Anderen vermissen lassen. Gefragt wurde da unter anderem, warum die Verbände "zur Ausstellungseröffnung am 12. September 2013 weder um ein Grußwort gebeten noch eingeladen" worden seien. Statt einer eindeutigen Antwort kam aus dem Rathaus nach einer allgemein gehaltenen Erörterung lediglich die Feststellung: "Leider war es dem letzten uns bekannten lebenden Opfer aus der NS-Zeit der Gedenkstätte nicht möglich, an diesem Abend an der Eröffnung teilnehmen zu können" ( MAZ berichtete).

Und trotz der deutlichen Erklärung Jetschmanneggs versichern Lutz Boede als Repräsentant der VVN-BdA und Günther Knebel als Geschäftsführer der Vereinigung der Verfolgten des NS-Regimes, dass bei diesen Organisationen keine Einladung eingegangen sei. Rathaussprecher Markus Klier recherchierte auf Bitten der MAZ das Prozedere: Die Einladungen seien in der 34. Kalenderwoche erstellt und am 23. August versandt worden. Für den Versand sei die Adressliste der Gedenkstätte Lindenstraße genutzt worden, die "alle in der Diskussion befindlichen Opferverbände" und auch "Adressen persönlich einzuladender Personen" enthalte. Namentlich seien "sowohl Herr Boede als auch Herr Knebel (ersterer über AK Antifa Potsdam, letzterer mit Privatadresse)" dabei. "Da es zu einzelnen Punkten Rückfragen von Eingeladenen gab, ist auch sichergestellt, dass die Einladungen tatsächlich verschickt und erhalten wurden. Die Aussagen von Herrn Boede und Herrn Knebel sind mir daher nicht erklärlich."

Boede reagierte erstaunt darauf, dass er unter dem "AK Antifa Potsdam" auf der Liste steht: "Ich habe noch nie etwas für den AK Antifa gemacht, ich weiß nicht,wie sie darauf kommen." Knebel hat nach eigenem Bekunden auch über seine Privatadresse keine Einladung bekommen: "Ich kann definitiv sagen: Hier ist nichts eingegangen", versicherte er Mittwochabend.

Auch Klier zeigte sich letztlich irritiert: "Ich weiß nicht, was wir falsch gemacht haben sollten." Es sei "misslich", wenn bei insgesamt rund 200 Einladungen ausgerechnet die Post für die Opferverbände nicht die Adressaten erreiche.

IMMER WIEDER EINMAL PROBLEME MIT DER POST

Im Rathaus der Landeshauptstadt gibt es immer wieder einmal Probleme mit der Post. Für Aufsehen sorgte in der Vergangenheit ein etwas laxer Umgang mit dem amtlichen Schriftverkehr im Büro des Oberbürgermeisters, dem auch die Verantwortung für die Gedenkstätte Lindenstraße 54 zugeteilt ist.

So hatte im vergangenen Jahr ein Wortwechsel im Hauptausschuss ergeben, dass Briefe an Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) manchmal monatelang unbeantwortet blieben. Damals ging es um einen Hilferuf des Restaurantschiffs „John Barnett“ im Zusammenhang mit dem Zuzug des Theaterschiffs in die unmittelbare Nachbarschaft. Auf den hatte es auch nach zehn Wochen noch keine Reaktion gegeben, obwohl Jakobs selbst befand, dass solche Post „innerhalb von drei Wochen beantwortet“ sein sollte.

Prominentester Fall ist der Potsdamer Ehrenbürger Friedrich Mielke, der in einer Denkmalsangelegenheit fast ein Jahrzehnt auf eine erste persönliche Reaktion des Oberbürgermeisters warten musste.

Von Volker Oelschläger

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Fraktion Die Andere bezichtigt Potsdam der Ignoranz gegenüber Verbänden von NS-Opfern

Ignoranz gegenüber Verbänden von NS-Opfern wirft Lutz Boede als Geschäftsführer der Fraktion Die Andere der Stadtspitze vor. Er bezieht sich dabei auf Antworten des Oberbürgermeisterbüros auf eine kleine Anfrage der Fraktion zur Eröffnung der letzten von insgesamt fünf Ausstellungsabteilungen der Gedenkstätte Lindenstraße 54 für die Opfer politischer Gewalt im 20. Jahrhundert.

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