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Potsdam Rasante Rollifahrt im Volkspark
Lokales Potsdam Rasante Rollifahrt im Volkspark
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13:31 22.02.2018
Das Iron-Roll-Finale im Volkspark im Mai 2013. Bei prallem Sonnenschein hieß es: fahren bis die Muskeln brennen. Quelle: Johanna Bergmann
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Potsdam

Ins fünfte Jahr geht er – der Iron Roll. Anders als in den vergangenen zwei Jahren sind diesen Sommer allerdings einige Events geplant. Das Jubiläum wollen die Macher des Iron Roll, allen voran Alexander Wietschel, mit einem Blick auf die Anfänge feiern. Dazu sollen Rennen aus 2013 wiederholt werden. So etwa die Wettfahrt im Stadtkanal, von dem sich Wietschel verspricht, dass es schmutzigste Rennen aller Zeiten wird. Auch wollen die Iron-Roll-Enthusiasten es wieder auf 100 Metern im Lustgarten krachen lassen. „Wir haben ja jetzt neue Technik, die leichter fährt. Und da wollen wir unsere Zeiten von vor fünf Jahren einfach mal auf den Prüfstand stellen.“ Außerdem wollen sie über das Kopfsteinpflaster in der Brandenburger Straße fahren, ein Bodenbelag, der für Rollstuhlfahrer alles andere als angenehm befahrbar ist.

„Häufig diskriminieren wir, ohne dass wir es wollen.“

Bei ihren Rennen wollen die Iron Roller Rollstuhlfahrer und Nicht-Rollstuhlfahrer zusammenbringen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Inklusion möchten sie auf Augenhöhe führen, fernab jeden Mitleids. „Häufig diskriminieren wir, ohne dass wir es wollen“, sagt Wietschel. „Einfach weil wir Mitleid haben und überfreundlich immer helfen wollen.“ Viele reden zwar über Inklusion, aber niemand lebe sie konsequent, sagt er.

Mit dem Iron Roll und anderen Aktionen will Wietschel endlich etwas ändern. Er will, dass Menschen, die mit dem Rollstuhl, Rollator oder dem Kinderwagen unterwegs sind, in der Stadt zurechtkommen. „Man kann die Probleme nicht lösen, wenn man sie als Einzelprobleme betrachtet. Man muss eine Struktur schaffen, in der das Problem nicht das Problem, sondern die Lösung darstellt. Und diese Strukturen wollen wir ermöglichen, in dem wir immer wieder ansprechen und immer wieder provozieren.“ Das wiederum gehe zwar nur an Einzelbeispielen. Aber: „Wenn man sich dem täglichen städtischen Leben in den Weg stellt, dann hält man auf. Und wenn wir die paar Veranstaltungen, die wir vorhaben, durchziehen, dann halten wir sehr viele Menschen auf. Weil wir dann darauf aufmerksam machen, dass ihr Recht das Recht eines anderen beeinträchtigt.“

Gespräche sollen draußen, auf der Straße stattfinden

Für ihre Aktionen lassen sich die Iron-Roller von städtischen Entwicklungen inspirieren: Das Werkstattverfahren für den Beirat für Menschen mit Behinderung, die Oberbürgermeisterwahl und die Kommunalwahlen im nächsten Jahr. „All das ist für uns eine Steilvorlage zu fordern: Lasst uns über Inklusion reden. Und wir finden, das geht am besten draußen. Man muss mit den Leuten ins Gespräch kommen und zwar nicht nur mit Bürgern, sondern auch mit Funktionsträgern und Repräsentanten von Firmen.“ Diese Gespräche will Wietschel auf einer Couch führen. „Inklusionssofa“ nennt er es. „Wir haben ein Sofa gekauft und wir haben einen Elektrorollstuhl, der das Sofa ziehen kann. Und mit dem turnen wir durch die Stadt und werden an den verschiedensten Orten anhalten und werden anfangen zu diskutieren. Das passiert ab Mitte März und gipfelt in den Inklusionstagen Anfang Mai.“

Auch während jener Woche, vom 2. bis zum 6. Mai, haben Alexander Wietschel und sein Team viel vor. Unter anderem wollen sie den Elektrorollstuhl umbauen. „Er bekommt ein Normmaß – das Maß, das die Stadt in ihren Bestimmungen für den freizuhaltenden Gehweg vorschreibt“, sagt er. „Und damit wollen wir die Potsdamer Innenstadt testen. Kommen wir irgendwo nicht weiter, rufen wir die Polizei und das Ordnungsamt und fahren erst dann weiter, wenn das Problem gelöst ist.“

Außerdem werde es eine öffentliche Lesung von Ablehnungsbescheiden geben. Dazu bittet er die Potsdamer, ihm anonymisierte Schreiben zuzusenden. Unter: dasinklusionssofa@ironroll.info – unter dieser E-Mail-Adresse können sich freilich auch alle melden, die ihn und die Iron-Roller unterstützen wollen.

Von Annika Jensen

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