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Raubüberfall in Potsdam: Das sagen die Zeugen

„Man erstarrt für einen Augenblick“ Raubüberfall in Potsdam: Das sagen die Zeugen

An die tausend Mal haben sie es wohl im Fernsehen gesehen – plötzlich sind sie mittendrin. Etliche Passanten wurden am Samstagvormittag Zeugen des Überfalls auf einen Juwelier in Potsdam-Babelsberg. Auch wenn niemandem etwas zugestoßen ist – viele der Zeugen sind von dem Erlebten benommen. Die MAZ hat mit einigen von ihnen gesprochen.

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Der Juwelier wurde am helllichten Tag direkt neben einem Supermarkt überfallen.
 

Quelle: Julian Stähle

Potsdam.  Schock am Samstagvormittag: Den Überfall auf das Juwelier-Geschäft „Goldmann“ im belebten Zentrum von Babelsberg und die anschließende Flucht der Täter haben viele Nachbarn und Passanten beobachtet. Die Polizei spricht nicht nur von einer guten Spurenlage am Tatort selbst, sie kann auch bei den Zeugenaussagen aus dem Vollen schöpfen. „Die Chancen stehen nicht schlecht, dass es auch einige Zeugen gibt, die die Täter ohne Vermummung gesehen haben“, sagte ein Polizist der MAZ. Man sammle derzeit noch immer Informationen.

Die Vitrinen wurden mit einem Hammer eingeschlagen, der Schmuck anschließend entwendet

Die Vitrinen wurden mit einem Hammer eingeschlagen, der Schmuck anschließend entwendet.

Quelle: Julian Stähle

Norman H. und Janett B. haben ihre Aussage bereits unmittelbar nach dem Überfall gemacht. Das Paar drehte mit dem zehn Monate alten Söhnchen gerade eine Runde im Wintersonnenschein, wollte noch fix ein paar Dinge fürs Wochenende besorgen, als plötzlich zwei Männer vorbei und in die Voltastraße stürzen. Zwei weitere Männer folgten ihnen auf dem Fuße. „Sie haben gebrüllt, dass es gerade einen Raubüberfall gegeben hat und dass das die Täter sind“, erzählt Norman H. „Ganz ehrlich: Ich habe erst mal geguckt, ob irgendwo eine Kamera steht. Aber es war einfach zu real – es ging alles sehr, sehr schnell und ich hab dann reflexartig die 110 gewählt.“

Räuber haben auf der Flucht ein Auto gerammt

Norman H. ist ein wichtiger Zeuge. Er erkennt zwar weder Gesicht noch Haarfarbe der vermummten Täter, kann aber beobachten, wie sie in ihr Fluchtauto, vermutlich einen roten Audi Quattro, springen. „Sie sind rasend schnell losgefahren“, berichtet Norman H. „Als sie aus der Lücke ausgeparkt sind, haben sie noch das Auto hinter ihnen gerammt.“ Der 29-Jährige meint auch erkannt zu haben, dass es keinen dritten Täter gegeben hat. „Ich bin fest davon überzeugt, dass niemand im Fluchtauto gesessen und gewartet hat – einer der beiden Männer ist gefahren.“

Als Norman H. mit seiner kleinen Familie auf die Polizei wartet und mit den anderen Zeugen ins Gespräch kommt, wird ihm ein wenig klamm ums Herz. „Wenn die Sache ein bisschen gesackt ist und man darüber nachdenkt, was man da gerade gesehen hat, was da fünf Meter vor der eigenen Nase passiert ist – und was vielleicht noch hätte passieren können... Das ist schon ein kleiner Schockmoment“, sagt er. „Da erstarrt man für einen Augenblick“.

Verkäuferin sieht einen Täter vermummt flüchten

Im Supermarkt Kaiser’s gleich neben dem Juwelier-Geschäft steht Liane Risto hinter der Theke des hauseigenen Backshops. Einige Kunden bestellen Brötchen, andere fragen sich durch das Sortiment, bevor sie sich für ein Stück Kuchen entscheiden. Es scheint, als wäre alles beim Alten. So wie jeden Samstag, wenn die Potsdamer für das Wochenende einkaufen. Doch dieser Samstag ist für die Verkäuferin kein normaler Tag. Es ist nicht viel Zeit vergangen, seit kurz nach 11 Uhr eine junge Frau aufgewühlt im Eingangsbereich des Supermarktes laut rief, dass der benachbarte Juwelier überfallen wird. Sie hoffte, dass sich einige Passanten finden, die sich Tätern entgegen stellen, direkt vor dem Laden.

Liane Risto arbeitet direkt neben dem Juwelier-Geschäft

Liane Risto arbeitet direkt neben dem Juwelier-Geschäft. Sie hat den Täter noch flüchten sehen.

Quelle: Julian Stähle

Es vergehen nur Sekunden, da sieht Liane Risto einen der Täter an ihrem Fenster vorbeirennen. Recht Schlank und groß - jedenfalls größer als sie es ist -, beschreibt sie ihn. Sein Gesicht war noch immer vermummt. Dann folgt ein weiterer Mann. Sie kann nicht sagen, ob er möglicherweise auch ein Räuber gewesen ist. 18 Jahre arbeitet die Verkäuferin inzwischen bei dem Supermarkt-Unternehmen. „Nie ist etwas passiert“, sagt sie. Nun hat es ein Geschäft direkt nebenan getroffen. Es löst etwas Unbehagen in ihr aus. Von Angst möchte sie hingegen nicht sprechen. Die ersten Sekunden waren für die Backwarenverkäuferin ein kleiner Schockmoment. Erst später kam sie zum Nachdenken: Was wäre, wenn sie hier stehen und nach Geld verlangen? Wie handelt man in solch einem Moment? „Ach du Schande“, sagt die 56-Jährige und findet kaum eine Antwort. „Ach du Schande“ – drei Worte, die ihr an diesem Tag immer wieder durch den Kopf gegangen sind. Jene drei Worte, die ihr als erstes einfielen, als die junge Frau plötzlich in der Tür stand.

So richtig fassen kann Ristos Kollegin, Sandra Ziegler, noch nicht, was beim Juwelier geschehen ist. „Mitten am helllichten Tag wurde das Geschäft überfallen“, sagt sie in einem Gespräch. Immerhin sei zum Zeitpunkt des Überfalls in der Supermarktfiliale schon so viel Betrieb gewesen, dass beide Kassen besetzt waren. Die Täter haben damit rechnen müssen, dass sie nicht unbemerkt bleiben.

Mit Vollgas auf der Nuthestraße

Zeuge des Überfalls wurde auch MAZ-Redakteur Ingo Henseke. Das Auto sei „auf der Nuthestraße stadtauswärts gerast.“ Zwischen Horstweg und Gerlachstraße hätte es sogar beinahe gekracht. „Der Wagen hat mich fast touchiert“, sagt er. Dann habe der Fahrer immer zwischen den Spuren gewechselt – „und zwar mit atemberaubender Geschwindigkeit“. Dass es ein Audi Quattro war, glaubt Henseke nicht. Knallrot sei er gewesen, aber die Rücklichter hätten nicht gepasst. Außerdem war der Sound eher röhrend, erzählt er. Vielmehr hätten die Räuber einen moderneren Sportwagen genutzt. Erkenntnisse könnte ein Blitzer der Polizei liefern, der am Abzweig Sterncenter installiert wurde. Sind die Täter dort durchgerast, könnte es schon bald gestochen scharfe Bilder von ihnen geben.

Von Nadine Fabian und Christin Iffert

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