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Potsdam Das Rechenzentrum blutet aus
Lokales Potsdam Das Rechenzentrum blutet aus
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19:08 23.11.2018
Das Kunsthaus Rechenzentrum in der Potsdamer Innenstadt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Die Stadt hält an der Mieterhöhung für das Kunsthaus im Rechenzentrum fest, mit der die Betriebskosten der vergangenen Jahre ausgeglichen werden sollen. Der Kulturausschuss hat am Donnerstagabend einen Antrag der Fraktion Die Andere abgelehnt, nach dem auf die Nachforderung verzichtet werden sollte. Das aufgelaufene Defizit aus den ersten drei Jahren wird auf 140 000 Euro geschätzt.

Der Ausschuss folgte mit seiner Entscheidung bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme der Argumentation der Verwaltung, nach der das Minus alternativ durch den Sanierungsträger ausgeglichen werden müsste. Das vom Sanierungsträger verwaltete Treuhandvermögen dürfe jedoch nicht für die Defizite Dritter verwendet werden.

Kompromiss am Tisch des Oberbürgermeisters

Die neue Regelung sei 2017 als „Kompromiss am Tisch des Oberbürgermeisters verabredet worden“, um den Betrieb des Rechenzentrums um weitere fünf Jahr bis 2023 verlängern zu können. Verwiesen wurde zudem auf die Tatsache, dass 95 Prozent der Mieter im September die neuen Verträge unterzeichnet hätten. Damit seien Tatsachen geschaffen worden, hieß es im Ausschuss.

Die Neuregelung wurde von Nutzern des Rechenzentrums bereits in mehreren Stellungnahmen kritisiert. Sie verwiesen dabei auf die drastische Mietsteigerung um 40 Prozent von 7 auf fast 10 Euro, der in den nächsten Jahren weitere Mieterhöhungen auf rund 13 Euro pro Quadratmeter erfolgen sollen. Auch Die Andere sprach in ihrem Antrag von einer „unzumutbaren Härte“ für zahlreiche Nutzerinnen, deren wirtschaftliche Tätigkeit „auch mangels bezahlbarer Alternativen gefährdet“ sei.

Baustellenlärm und Risse in der Wand

Kritisiert wird zudem, die Regelung sei ungerecht, weil Altverbindlichkeiten neuen Mietern in Rechnung gestellt würden. Kritisiert wird nicht zuletzt, dass sich die Arbeitsbedingungen trotz rasch steigender Mieten im Zusammenhang mit der benachbarten Garnisonkirchenbaustelle dramatisch verschlechterten. Die Rede ist von Lärm, Erschütterungen und Rissen in den Wänden.

Nach Angaben von Projektmanagerin Anja Engel haben seit der Mieterhöhung zehn Prozent der Nutzer das Haus verlassen, weitere zehn Prozent seien in zumeist kleinere Räume gewechselt. Nachdem das Haus über Jahre eine Warteliste hatte, gebe es jetzt ersten Leerstand auf der Südseite mit der Turmbaustelle nebenan.

Zwar kämen immer noch neue Nutzer ins Haus, „doch in einem anderen Tempo als bisher“, so die Managerin.

Künstler und Konzerte im Exil

Zu den Künstlern, die das Rechenzentrum verlassen haben, zählen Nadine Conrad und Allan Paul, die nach dem erfolgreichen Auftakt vor wenigen Wochen vom 7. bis zum 9. Dezember das 2. Potsdamer ArtCamp in der Villa Francke, Gregor Mendel-Straße 23, ausrichten und am vergangenen Wochenende gemeinsam mit Julia Brömsel, einer weiteren Rechenzentrum-Aktivistin, ein neues Atelier in Werder eröffneten.

Gegangen ist auch die Künstlergruppe Kombinat Potsdam mit Paula E. Paul und Sirko Knüpfer, die am vergangenen Wochenende im Hans-Otto-Theater ihre jüngste Multimedia-Installation „kurz davor“ präsentierten. 

Zu den aktuellen Widrigkeiten im Haus zählen auch Probleme beim Veranstaltungsbetrieb. So findet die monatliche Konzertreihe „Kosmoskonzerte“ aktuell im „Exil“ statt, wie es auf der Internetseite des Rechenzentrums heißt. Nach einem Gastspiel im Kuze im November ist der nächste Termin am 5. Dezember im T-Werk in der Schiffbauergasse.

Von Volker Oelschläger

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