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Rechenzentrum in Potsdam hat zu kämpfen

Kreative in der Innenstadt Rechenzentrum in Potsdam hat zu kämpfen

Das Kreativhaus im Potsdamer Rechenzentrum steht vor einer ersten Zerreißprobe: Während Künstler wie Ingo Pehla mit ihrem Schaffen zunehmend auf die Nachbarschaft einwirken, gibt es im Hause erste technische Verschleißerscheinungen. So ist der betagte Aufzug außer Betrieb: Für Menschen mit Handicap sind die Kunstetagen damit kaum noch erreichbar.

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Ingo Pehla mit Umbauskizze vor dem Turm der alten Feuerwache.

Quelle: Christel Köster

Potsdam/Innenstadt. Plastiken schmücken Wegweisern gleich den Eingang des Kunst- und Kreativhauses im alten Rechenzentrum an der Dortustraße. Zur Neugestaltung der Fassade wurde am Montag eine Reihe von Workshops gestartet. Nun könnte in Sichtweite des Rechenzentrums die erste Großskulptur eines der beteiligten Künstler entstehen. Ingo Pehla (50), Architekt und bildender Künstler, will den Schlauchturm des alten Feuerwehrdepots zur Wohnanlage ausbauen.

Pehla hat Erfahrungen mit namhaften Baustellen. In Potsdam wirkte er in unterschiedlichsten Funktionen etwa am Umbau des Werner-Alfred-Bades, der Sanierung der Villa Schöningen und dem Bau der Biosphärenhalle mit. Der 1964 mit gelbem Glindower Klinker errichtete Turm der alten Feuerwache ist nach Ansicht Pehlas das einzige erhaltenswerte Gebäude in diesem Ensemble.

In einem Brief an den für das Grundstück zuständigen Sanierungsträger skizzierte er Umbau und Erweiterung des Turms für drei Maisonette-Wohnungen. Neben expressiven Auskragungen, Aufbauten und Sonnensegeln soll es einen zweiten Turm mit Fahrstuhl und Rettungstreppe geben.

Pehla zählte zu den ersten Künstlern, die im September 2015 in das alte Rechenzentrum einzogen. Die beiden oberen Etagen waren bereits zur Eröffnungsfeier Anfang November komplett belegt. Die nächste Einzugswelle steht im Oktober an. Daniela Weigelt vom Sanierungsträger teilte auf Anfrage mit, das Gebäude könne „ab dem 1. Oktober 2016 komplett vom Kunsthaus genutzt werden“. Noch werden Räume im ersten und zweiten Obergeschoss des Baus von Mitarbeitern des Rechenzentrums genutzt.

Laut Anja Engel , Projektleiterin für das Kunst- und Kreativhaus, sind die meisten der dann zusätzlich verfügbaren Räume bereits vergeben. Für die oberen zwei Etagen gebe es aktuell 86 Mietverträge und „wesentlich mehr Nutzer“ etwa durch Atelier- und Bürogemeinschaften. Zusätzliches Publikum komme etwa durch Gitarrenschüler, Workshopteilnehmer und Geschäftspartner, hinzu kämen Veranstaltungen wie offene Ateliers und Führungen an jedem ersten Donnerstag im Monat.

Für wachsenden Ärger sorgen die schon länger defekten Aufzüge. Pehla berichtet, dass es schwer sei, mit großen Arbeiten übers Treppenhaus nach oben zu gelangen. Engel bestätigt auf Nachfrage, dass der Besuch für ältere und beeinträchtigte Nutzer seit dem Ausfall auch des zweiten Fahrstuhls zur Herausforderung werde. Der Internationale Bund habe einige Seminare bereits aus der dritten Etage in Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss verlegen müssen.

Der Sanierungsträger als Vermieter war auf MAZ-Anfrage im Bilde: „Wir möchten Ihnen mitteilen, dass uns das Problem bekannt ist“, schrieb Weigelt: „Wir befinden uns dazu im Austausch mit unserem Vertragspartner SPI und arbeiten gemeinsam an einer Lösung.“ Wann wenigstens ein Aufzug wieder in Betrieb ist, konnte sie nicht sagen.

Die Aufzüge verweisen auf ein strukturelles Problem: Ursprünglich sollte das Gebäude nach dem Auszug der letzten Büronutzer abgerissen werden. Doch auf Initiative nicht zuletzt von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) wurden freie Räume zunächst versuchsweise bis 2018 für Künstler geöffnet – mit Verlängerungsoption. Die Aufzüge zeigten aber, so ein Mieter, dass „weiter auf Verschleiß gefahren“ werde.

Die Linken wollen nun beantragen, die rechtlichen Voraussetzungen für einen Betrieb des Hauses über 2018 hinaus zu schaffen. Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg : „Wenn das Kreativzentrum an der Stelle langfristig funktionieren soll, dann musst du da auch investieren.“

Auch Pehla kämpft mit der Zeit. Weigelt bestätigte, dass im Juni mit dem Abriss der alten Feuerwache begonnen werde. Später sollen dort Wohnungen gebaut werden. Die Entscheidung für eine separate Lösung zum Turm liege jedoch bei der Stadt. Ein erstes Signal hat Pehla bereits. Ralph Paschke vom Landesdenkmalamt teilte nach einem Ortstermin mit, dass der Turm kein Gegenstand des Denkmalschutzes sei, allerdings „durchaus als ,quartiersprägend’ wahrgenommen werden“ könne.

Termine der Kreativen

Höhepunkt des Jahres soll vom 22. bis 25. September die Geburtstagsfeier des Kunsthauses im Rechenzentrum werden. Neben Ausstellungen, offenen Ateliers und Musik ist die Premiere eines Stücks namens „Schreibtischherrschaft“ mit dem Verein „Uniater“ geplant, der im Rechenzentrum probt.

Erstmals wird sich „Uniater“ im Rechenzentrum am 8. Juli vorstellen. Gemeinsam mit einer tschechischen Gruppe soll im Innenhof das Stück „Men in space“ gezeigt werden.

Für größeres Publikum wird der Hof erstmals am 18. Juni geöffnet. Dann gibt es dort einen „Foodmarkt“ namens „Humus und Bockwurst“. Am selben Abend präsentiert im Haus die Band „Operation Zeit“ ihr erstes Album „Von Füchsen und Coyoten“. Gitarrist Elias Franke gehört zum harten Kern der „Kulturlobby“.

Zur Fête de la Musique am 21. Juni werden auf einer Bühne vor dem Haus fünf Musiker und Bands auftreten – das Spektrum reicht vom Singer-Songwriter bis zum „Flamen-core“.

In der Stadt für eine Nacht vom 16. zum 17. Juli in der Schiffbauergasse werden die Kreativen des Rechenzentrums sechs Raumkörper zu einem eigenen kleinen Dorf zusammenschieben. Gäste haben dort unter anderem die Möglichkeit, ihre Ideen zur Gestaltung des Fassade des Rechenzentrums zu entwickeln.

Die „Kosmos“-Kantine im früheren Entwicklungsraum wird laut Projektleiterin Anja Engel in der zweiten Jahreshälfte öffnen. Neben einem Mittagsimbiss soll es dort Kaffee am Tage und auch Bier zum Abend geben.

Von Volker Oelschläger

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