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Potsdam Rechenzentrum zieht nach Spandau um
Lokales Potsdam Rechenzentrum zieht nach Spandau um
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11:54 31.08.2016
Uwe Meybohm und Ellen Chwolik-Lanfermann mit einer der neuen Infotafeln. Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam

Während ein Teil des Rechenzentrums an der Dortustraße für den Abriss freigezogen wird, bekommt der andere an der Ecke zur Breiten Straße als neue Station in einem „Historischen Parcours“ den Status einer Sehenswürdigkeit.

Der Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen gab am Dienstag den Abschluss eines 2014 eröffneten europaweiten Ausschreibungsverfahrens bekannt, mit dem nach Ersatz für die alte Rechnerhalle an der Dortustraße gesucht wurde. Ergebnis: der zentrale IT-Dienstleister des Landes Brandenburg zieht im Frühjahr 2017 aus Potsdams Innenstadt nach Berlin-Spandau um.

Partner des Landes ist die Firma E-Shelter, nach Mitteilung des Landesbetriebs „einer der führenden Rechenzentrumsanbieter in Europa“, mit Sitz in der Spandauer Nonnendammallee. Nach früheren Angaben sollte der Umzug des Rechenzentrums mit seinen 255 Mitarbeitern insgesamt knapp 65 Millionen Euro kosten.

Die um 1970 errichtete zweigeschossige Halle an der Dortustraße soll nach dem Auszug des Rechenzentrums abgerissen werden, um Platz für die teilweise Rekonstruktion der Plantage und den kompletten Aufbau eines Gebäudes in der Kubatur des historischen Langen Stalls zu schaffen.

Der für das Gebäude zuständige Sanierungsträger Potsdam begrüßte die Entwicklung: „Mit einer Aufgabe des Standortes bereits 2017 könnten gegebenenfalls die Pläne zur Umgestaltung der Plantage zu einem großen Teil ohne zeitlich versetzte Bauabschnitte – wie dies bisher vorgesehen war – umgesetzt werden“, hieß es am Nachmittag in einer Pressemitteilung: „Wo heute noch die Rechnerhalle des Rechenzentrums steht, sollen Anlagen für Schul- und Freizeitsport sowie eine öffentliche Grünfläche mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen.“

Offen hingegen ist die Zukunft des ebenfalls zum Rechenzentrum gehörenden fünfgeschossigen Verwaltungsgebäudes an der Dortu-/Ecke Breite Straße. Auf Initiative des Bürgervereins Freies Tor wurden am Dienstag zwei Informationstafeln freigegeben, die an der Fassade unter Plexiglas über die Geschichte des 1971/72 von Fritz Eisel (1929-2010) geschaffenen Wandmosaiks „Der Mensch bezwingt den Kosmos“ informieren. Eine Aufnahme aus der Vorwendezeit zeigt die Fassade des Rechenzentrums mit Lisenen, die nach 1990 abgeschlagen wurden.

Die Informationstafeln gehören zum Konzept eines „Historischen Parcours“ mit der Markierung und Erläuterung herausragender Bauwerke in Potsdam und Babelsberg. Eröffnet wurde der Pfad im Herbst 2014 mit Info-Tafeln an den drei erhaltenen Stadttoren. Weitere Stationen in Potsdam und Babelsberg folgten.

Mit dem Verwaltungsbau des Rechenzentrums wird erstmals auch ein in der Zeit der DDR errichtetes Gebäude berücksichtigt, so die Vereinsvorsitzende Ellen Chwolik-Lanfermann: Es sei „uns immer wichtig gewesen“, dass „auch bauliche Zeugnisse aus jüngerer Zeit“ dabei sind.

Die Zukunft des Verwaltungsgebäudes, das seit einem Jahr schrittweise zu einem Kunst- und Kreativzentrum umgewandelt wird, steht und fällt mit dem Wiederaufbau der Garnisonkirche. Kommen genügend Spenden zusammen, um neben dem Kirchturm auch das Schiff der Garnisonkirche zu errichten, wird der Fünfgeschosser abgerissen, der zum Teil auf dem alten Grundriss steht.

Die Nutzungsverträge der mittlerweile mehr als 100 Künstler im Haus sind vorerst bis 2018 befristet. Potsdams Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg sagte am Dienstag, die Aufnahme des Gebäudes in den historischen Parcours „bestärkt uns in unserem Engagement für den dauerhaften Erhalt dieses Hauses.“

Der Historische Parcours

Der „Historische Parcours“ umfasst aktuell ein gutes Dutzend Bauwerke in Potsdam und Babelsberg, die zumeist unter den Preußenkönigen errichtet wurden. Nächste Station sollen die Reste des Neustädter Tores werden.

Mit dem Café „Seerose“ soll nach dem Rechenzentrum 2017 ein weiteres DDR-Bauwerk in den Parcours aufgenommen werden. Vorab plant der Verein „Freies Tor“ ein Symposium über den Architekten Ulrich Müther (1934-2007).

Müther gilt mit seinen mehr als 50 Schalen-Bauwerken als Exponent der architektonischen Moderne. Zu seinen prominentesten Gebäuden zählt der „Teepott“ in Warnemünde.

Von Volker Oelschläger

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