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Recherche mit mobilem Klo

Forschungsprojekt zum Schlaatz in Potsdam Recherche mit mobilem Klo

Studenten der Fachhochschule Potsdam erkundeten im Auftrag der Wohnungswirtschaft das Zusammenleben im Potsdamer Wohngebiet Schlaatz. Ausgangspunkt der Recherche waren die Trinker, die sich im Schilfhof vor dem Rewe-Markt treffen. Am Dienstag werden die Ergebnisse des Projekts in einer Ausstellung im früheren Restaurant „Olympia“ vorgestellt.

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Studentin Nina Dietzel vor einer Wand des „Klos auf Rädern“, mit dem die Studenten die Stimmung im Kiez erkundeten.

Quelle: Christel Köster

Potsdam/Schlaatz. Ein pinkes Klo auf Rädern war in den letzten Wochen zentrales Rechercheelement einer Studentengruppe der Fachhochschule, die im Auftrag des Arbeitskreises „Stadtspuren“ das Zusammenleben im Schlaatz erforschten. Über sechs Wochen waren Passanten eingeladen, die Wände des Mobils oder das bereitliegende Papier mit Kommentaren zum Wohngebiet zu versehen. „Ghettoisierung am Schlaatz rückgängig machen“, steht da nun: „Nur wie?“ Und: „Nicht so viele Sozialwohnungen hier machen. Die Durchmischung des Volkes ist wichtig! Dann steigt auch die Attraktivität des Viertels.“ Ein Dritter kritisiert: „Alle reden von Integration, aber die vergessen uns hier.“ Darunter von einem Vierten in Großbuchstaben: „Ich will weg hier.“

Ein Jahr hatten die Studenten des Fachbereichs Sozial- und Bildungswissenschaften Zeit für ihr Projekt. Ausgangspunkt war die Frage, wie mit dem öffentlichen Alkoholkonsum rund um den Marktplatz umgegangen werden soll. Erstmals war das Problem im April 2016 in einer Stadtteilkonferenz öffentlich angesprochen worden. Bodo Jablonowski, Vorstandssprecher der Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“, hatte die Trinker, die sich seit der Neueröffnung des Rewe-Marktes in der Schlaatzer Welle aufhielten, auf der Tagung als „ganz großes Problem“ bezeichnet. Wichtiges Ergebnis der Studenten: „Das Thema Alkohol ist bestenfalls die Spitze des Eisberges.“

Nina Dietzel (34), eine der Beteiligten, berichtet von vier Teams. Eine „Feldgruppe“ suchte den Kontakt zu Menschen am Schilfhof, zu den Trinkern, zu Anwohnern und Passanten. Eine zweite Gruppe fertigte Bewegungsstudien an: Wo gehen die Leute entlang, welche Plätze werden gemieden? Eine dritte Gruppe erkundete in „Experteninterviews“ mit Händlern, Sozialarbeitern, Wohnungswirtschaft und Mietervertretern die Stimmungslage. Die vierte Gruppe suchte den direkten Kontakt zu den Bewohnern – zuletzt mit dem mobilen Klo.

Zu den wichtigen und für die Beteiligten teils überaschenden Ergebnissen gehört laut Dietzel, dass der Schilfhof als „Ort des Austauschs“ eine „wichtige soziale Funktion“ erfüllt. „Dass die Nachbarschaft sehr gut funktioniert“, sei „eine Stärke im Kiez“. Fazit der Studenten: Das Zusammenleben funktioniere besser, als es das Image des Schlaatzes vermuten lasse.

Um 17 Uhr sollen die Ergebnisse der Recherche am Dienstag in einer Ausstellung im ehemaligen Restaurant „Olympia“, Erlenhof 57, vorgestellt werden. Nina Dietzel hofft, dass das Projekt fortgesetzt wird. Eine Idee seien Grillabende, auf denen Mieter und Vermieter zusammenkommen, sagt die Studentin: „Wir haben festgestellt, dass viele Mitarbeiter der Wohnungsgesellschaften nicht hier wohnen, dass es Barrieren und Berührungsängste gibt.“

Von Volker Oelschläger

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