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Potsdam Recherchen zum Maler Heinrich Basedow d.J.
Lokales Potsdam Recherchen zum Maler Heinrich Basedow d.J.
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10:09 03.01.2018
Heinrich Basedow und sein Biograf Heinz Müller in den 1970er Jahren bei einer Buchpräsentation. Quelle: Potsdam-Museum
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Potsdam/Kiel

Mehr als drei Jahrzehnte danach wurde der aus Potsdam stammende Kunstmaler und Holzbildhauer Heinrich Basedow (1896-1994) von der Vergangenheit eingeholt. Proteste begleiteten die 1978 bekannt gegebene Nominierung für den Kulturpreis seiner neuen Heimatstadt Kiel so lange, bis Basedow verzichtete. Grund war seine Verstrickung in das NS-Regime: Seit 1930 Mitglied der NSDAP und der SA, ist Basedow im Oktober 1935 vom Potsdamer Oberbürgermeister Hans Friedrichs zum Ratsherrn berufen worden. In dieser Funktion wirkte er als Beiratsmitglied im städtischen Heimatmuseum. Zwei Entnazifizierungsverfahren endeten 1947/48 mit der Einordnung als „Mitläufer“.

Vor sechs Jahren wurde dem Förderverein des Potsdam-Museums ein umfangreicher Teilnachlass Basedows als Schenkung angeboten. Seit 1958 hatte der Hamburger Arzt Heinz Müller als Sammler und Vertrauter des Malers alle relevanten Dokumente zu Person und Werk bei sich konzentriert. Zum Material gehören 2000 Seiten Korrespondenz zwischen Müller und Basedow, Fotos, Negative und Diapositive als Dokumentation des 195 Arbeiten umfassenden malerischen und grafischen Werks, dazu Ordner mit Familiendokumenten, Zeitungsausschnitten, Briefdurchschriften und Briefwechseln. Hinzu kamen Ausstellungskataloge, Zeitschriften und Bücher. Vom Förderein durch weitere Erwerbungen ergänzt und erweitert, bildete diese Materialiensammlung die Grundlage für die umfassende Aufarbeitung einer schillernden Künstlerbiografie.

Heinrich Basedow: Selbstbildnis; 1927 Quelle: Potsdam-Museum

Heinrich Basedow der Jüngere, Sohn des Landschaftsmalers Heinrich Basedow der Ältere (1865-1930), studierte um 1920 am Bauhaus Weimar bei Lionel Feininger, Gerhard Marcks und Johannes Itten. Von 1925 bis zu seinem Kriegsdienst 1939 war Basedow fest in die Potsdamer Künstlerszene integriert. Er war Mitglied im Potsdamer Kunstverein, in der Gilde der Potsdamer Künstler, im Kurmärkischen Künstlerbund und in der Reichskulturkammer der bildenden Künste. Seine Bilder waren in den Ausstellungen des Potsdamer Kunstvereins, während der Gildewochen oder im Leibreitstall vertreten und wurden für die Städtische Sammlung angekauft. Seine Porträts waren ein „Who is who“ der Potsdamer Gesellschaft. Im Zweiten Weltkrieg diente Basedow bei der Marine in Eckernförde. Nach kurzer Zeit in englischer Gefangenschaft sollte er schließlich in Kiel bleiben.

Die Malerei Basedows, geprägt von Neuer Sachlichkeit, von seinem Biografen Heinz Müller beschrieben als „romantisch gestimmter, dinglicher Realismus“, war nach dem Krieg in Westeuropa nicht mehr zeitgemäß. „Die offizielle Kunstwelt hat, unabhängig von der jeweiligen politischen Richtung, meine Bilder nie anerkannt“, schrieb Basedow in seinen 1973 erschienenen Lebenserinnerungen: „Besonders nach 1945 beschäftigte man sich ausschließlich mit Expressionisten und Avantgardisten, und so wurde ich verächtlich abgetan.“

Seine Bilder jedoch verkauften sich bestens, das ergaben die Recherchen des Museums-Fördervereins: „Vielfach sicherten sich Liebhaber seiner Gemälde weit vor Fertigstellung den Zuschlag. Für Ausstellungen musste er um Leihgaben bitten. An seinem Lebensende 1994 befand sich kein einziges eigenes Werk mehr in seinem Besitz.“

Ab 1960 gewann die gegenständliche Malerei auch im Westen wieder zunehmend Aufmerksamkeit. Die Kunsthalle Kiel, das Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig und die Stiftung Pommern bemühten sich um Basedows Gemälde und organisierten Personalausstellungen. Spätestens jetzt war der Künstler, der 1969 selbst von einem „Durchbruch“ sprach, zurück im offiziellen Kunstbetrieb.

Jetzt wurden die Vita Heinrich Basedows, eine ausführliche Biografie, Informationen zu 195 Werken, zu Ausstellungen und Publikationen sowie mehrere Fotografien auf der Internetseite www.private-kuenstlernachlaesse-brandenburg.de veröffentlicht. Am 15. Februar um 18 Uhr wird der Förderverein das digitale Werkverzeichnis im Potsdam-Museum vorstellen und den aufbereiteten Teilnachlass an die städtische Kunstsammlung übergeben. Aktuell besitzt das Potsdam-Museum elf Gemälde vom jüngeren Heinrich Basedow.

Private Künstlernachlässe im Land Brandenburg

Die Internetseite „Private Künstlernachlässe im Land Brandenburg“ (http://private-kuenstlernachlaesse-brandenburg.de) entstand auf Initiative der Potsdamer Kunsthistoriker Liane Burkhard und Thomas Kumlehn.

Anstoß gab die Ausstellung „Kunst ohne König – Privates und öffentliches Sammeln in Potsdam“ 2009. Damals wurde offenkundig, dass es in der Region eine Vielzahl von Künstlernachlässen gibt, deren Bewahrung auch für die Öffentlichkeit von Bedeutung ist.

Ansatz des später gegründeten Vereins „Private Künstlernachlässe im Land Brandenburg“ ist es, die Sammlungen möglichst am Ort ihrer Aufbewahrung zu lassen, alle relevanten Informationen aber in eine zentrale Datenbank einfließen zu lassen.

In der öffentlich zugänglichen Datenbank befinden sich mittlerweile Informationen unter anderem zu den Nachlässen von Philipp Schack, Hubert Globisch, Werner Gottsmann, Kurt Robbel, Christian Roehl, Margarete Martus und Rainer Fürstenberg.

Von Volker Oelschläger

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