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„Reiche Länder sind besser bei Beben geschützt“

Erdbebenkatastrophe in Italien „Reiche Länder sind besser bei Beben geschützt“

Bei der Erdbebenkatastrophe in Italien sind bislang mehr als 240 Menschen ums Leben gekommen. Und die Zahl der Opfer steigt weiter. Im MAZ-Interview sagt ein Potsdamer Seismologe, dass es Italien zu weiteren Beben kommen kann. Außerdem erklärt, wie hoch das Risiko in Deutschland ist.

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Nach den verheerenden Erdbeben werden unter den Trümmern immer noch Opfer vermutet.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Hoffnungen waren groß, dass es nicht so kommt. Die Zahl der Toten nach dem Erbeben in Italien steigt weiter. Mit jeder Stunde sinken die Chancen, noch Überlebende zu finden.

Bei dem verheerenden Erdbeben in Italien könnten mehr als 300 Menschen gestorben sein. Was die Opferzahlen angeht, könne das Beben „noch schlimmere Dimensionen erreichen als jenes in L’Aquila“ vor sieben Jahren, sagte der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio.

Damals kamen 309 Menschen ums Leben. Heute stand die vorläufige Bilanz noch bei 241 Toten. Für die Retter war es ein Wettlauf gegen die Zeit, einen Tag nach dem Beben einer Stärke von mehr als 6 noch Überlebende zu finden. Hunderte Nachbeben erschwerten die Arbeiten. Gleichzeitig bekam Kritik an dem Umgang des Landes mit dem Erdbebenschutz neue Nahrung.

Im Interview erklärt der Potsdam Seismologe welche Länder von Erdbeben heimgesucht werden können und wie sie darauf vorbereitet sind.

Herr Bohnhoff, muss Italien in nächster Zeit mit weiteren Erdbeben rechnen?

Marco Bohnhoff: Ja. Im Zentrum des aktuellen Bebens steht die Apulische Erdplatte, auf der der größte Teil Italiens liegt. Jedes Jahr bewegt sie sich einen Zentimeter auf den Balkan zu. Gleichzeitig bewegt sich die Afrikanische Kontinentalplatte jährlich einen halben Zentimeter auf Europa zu. In dieser Knautschzone bauen sich Spannungen auf, Erdplatten verhaken sich. Meistens sind die Beben eher schwächer, aber in Einzelfällen wie gestern Nacht auch stärker. Für die Zukunft sind sogar noch stärkere Beben nicht auszuschließen.

Marco Bonhoff, Seismologe am Helmholtz-Zentrum in Potsdam

Marco Bonhoff, Seismologe am Helmholtz-Zentrum in Potsdam.

Quelle: privat

Wie ordnen Sie die Schwere des aktuellen Bebens ein?

Bohnhoff: Es war mit einer Magnitude von 6,2 eher moderat, allerdings entstand es in geringer Tiefe, in nur drei bis sechs Kilometern unter der Erdoberfläche. Dadurch ist die Energie der Erdbebenwellen bei der Ankunft an der Oberfläche besonders stark, was zu diesen verheerenden Auswirkungen geführt hat.

Welche Gebiete sind in Europa besonders erdbebengefährdet?

Bohnhoff: Generell liegt Mitteleuropa auf einer stabilen Erdplatte. Zu den am stärksten gefährdeten Ländern zählt neben Griechenland und Italien auch die Türkei. In allen Ländern gibt es aktive Plattenränder, an denen sich Spannungen aufbauen, die sich dann in Form von Erdbeben entladen.

Wie sieht es in Deutschland aus?

Bohnhoff: Auch hierzulande gibt es Beben, allerdings so gut wie keine in Norddeutschland. Dafür an der Bruchkante vom Rheingraben, also von Köln über Frankfurt bis nach Basel. Meist sind die Beben dort schwach. Das stärkste Erdbeben der letzten 1000 Jahre in Zentraleuropa mit vielen Toten ereignete sich 1956 in Basel.

Sind europäische Staaten ausreichend auf Erdbeben vorbereitet?

Bohnhoff: Je reicher ein Land, desto besser ist es durch seine stabile Bausubstanz bei Beben geschützt. In Deutschland sind die Baunormen extrem hoch. Auch die Türkei hat hohe Baunormen, allerdings erst seit jüngster Zeit. Das heißt: Rund 90 Prozent der Gebäude in Istanbul entsprechen nicht der Norm.

Von Heike Manssen

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