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Potsdam So schmeckt es in der Enoteca IV Amici
Lokales Potsdam So schmeckt es in der Enoteca IV Amici
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00:21 12.02.2018
Liebhaber italienischer Küche kommen hier auf ihre Kosten.  Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

 Nebel im Holländischen Viertel. Kein Verkehr auf der Friedrich-Ebert-Straße.  Wie auf einer Theaterbühne sorgen erleuchtete Schaufenster für eine magische Stimmung. Jetzt zu Hause sein oder bei Freunden einkehren. Unweit des Nauener Tores laden tatsächlich vier Freunde ein, die sich italienisch „Quattro Amici“ nennen, aber römisch „IV Amici“ schreiben. Ein hochgewachsener, salopper junger Landsmann hält eine freundliche Begrüßung, hat später auch ein paar Standardfloskeln parat, fragt ob man essen oder nur einen Wein trinken wolle.

Die IV Amici, ein real existierendes Freundes-Quartett, bieten Ristorante und Enoteca gleichermaßen. Unten die mit gut gefüllten Regalen, kommunikativen Hochtischen und langer Tafel inszenierte Wein- und Feinkoststube, in der die Grenzen zwischen Trink- und Essgenuss fließend sind. Die Treppe hoch zur Empore, benvenuti im Restaurant mit umlaufenden Bänken und weiß eingedeckten Zweier- und Vierer-Tischen. Der herrlich antiquierte Digestifwagen vor der verspiegelten Mittelsäule deutet auf lange, gesellige Abende hin. Kleine Lichter und dezente Hintergrundmusik tragen ihren Teil zur entspannten Stimmung bei.

Italienisches Gesamtpaket mit Extraportion Kreativität

Hinter der Speisekarte steckt Anspruch und auch Spaß abseits des Italo-Mainstreams wie Vitello von der Kalbszunge (14,50 Euro), Kürbisravioli mit Hummer und schwarzen Nüssen (19,50 Euro) oder Frischlingsrücken unter der Walnusskruste mit Dörrobst und Couscous (21,50 Euro) zeigen. Auch Pizzen, eigentlich nicht Ristorante-typisch, fehlen nicht. Als Mitteleuropäer steht man nun einmal auf das italienische Gesamtpaket.

> Zur Themenseite Restauranttest „Aufgetischt“

Auch da nimmt die Küche die Gäste mit auf eine Kreativreise: Pizza Luna mit Tomaten, Mozzarella, Scamorza und Bresaola (12,50 Euro), die Tartufo mit Schmand, Trüffelkäse und frisch gehobeltem Trüffel (16,50 Euro), jeweils als 33-Zentimeter-Rund. Tagsüber wird auf gängige Klassiker gesetzt, die Milano etwa mit Salami, Tomate und Mozzarella (7,50 Euro).

Gute Weinauswahl plus Standard-Beratung

Mit Olivenöl, Meersalzflocken, schwarzen, getrockneten Oliven und Weißbrot beginnt der Service, ein solider Anfang, der Konzentration für den Wein lässt. Den kann man sich empfehlen lassen, dabei kommen solide Standards raus. Als Wein-Connoisseur allerdings ist die eigene Wahl die trefflichere, da die Freunde ein Sortiment mit interessanten Tropfen, sortiert nach den Regionen von Südtirol bis Sizilien, zusammengestellt haben. Ein Zeichen der Gastfreundschaft ist die mehr als nur ausreichende Anzahl der offenen Weine (0,2 Liter ab 5 Euro). Die Flaschenweine sind doppelt ausgepreist: mit einem günstigeren Enoteca- und einem höheren Restaurant-Preis.

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Weinhandel, Feinkostgeschäft und Gastronomiebetrieb in einem: Das IV Amici im Holländischen Viertel nimmt die Gäste mit auf eine Kreativreise.

Ein einfaches, köstliches Gericht ist Panzanella, Brotsalat, zudem sich der offene Lugana von Zeni sehr gut schlägt. Der Salat basiert auf üppig bemessenem altbackenem Brot, Tomaten, Knoblauch und Olivenöl. Die Freunde variieren mit Wolfsbarsch und Burrata: eine schöne Ergänzung in einer für zwei ausreichenden Schüssel, beherzt gewürzt, ohne den Fisch geschmacklich untergehen zu lassen. Apropos üppig: Dem Gang zu den Waschräumen täte eine Beseitigung der Karton & Co.-Üppigkeit gut.

Beim Hauptgericht Würzen vergessen

Ossobuco alla Milanese ist ein Klassiker. Hier kommt die Beinscheibe vom Kalb, angenehm begleitet von einem offenen Chianti, veredelt mit Safranrisotto und mit Cremolata daher, die dem Gericht eine angenehme Frische gibt. Das Fleisch ist zart, die Konsistenz von Risotto und Cremolata ist stimmig, nur leider ist das ganze Gericht viel zu schlaff. Das darf unter Würzen „leider vergessen“ verbucht werden.

Raffiniert: Das Risotto Frutti de Mare mit Muscheln und Gambas. Quelle: Bernd Gartenschläger

Dagegen zeichnet sich das angebratene Thunfischsteak in Limettenbutter, begleitet von einer mit Räucherthunfisch, Kapern und Zitrone gefüllten, großen Mezzelune als ein von einem goldenen Würzdaumen zubereitetes Gericht aus. Die 24,50 Euro sind insofern gerechtfertigt, als dass die Thunfischqualität bestens und die Portion, wie generell bei den Freunden, sehr gästeverwöhnend bemessen ist.

Dennoch muss Platz für Dolci bleiben. Wenn das Tiramisu, wie hier, hausgemacht ist, wird es zu einer Frage der Ehre. Mit eingelegten Grappa-Pflaumen wieder eine Zusatznote, die dazu überleiten kann, dass der Digestifwagen nicht umsonst platziert wurde und noch eine Weile den Gedanken an den nebeligen Heimweg vergessen lässt.

Das Fazit der Genussexpertin

MAZ-Wertung: 7/10

Was uns gut gefiel: Gelungene Symbiose aus Enoteca und Ristorante für jede Gelegenheit, kreative Küche, Italien-Weinreise mit zahlreichen Offenen.

Was uns weniger gefiel: Ein Hauptgang ungewürzt, Weinberatung zu standardisiert.

Gastro-Steckbrief

IV Amici, Friedrich-Ebert-Str. 88, 14467 Potsdam, Tel. 0331 887 17 581, www.ivamici.de

Öffnungszeiten: täglich ab 11 Uhr bis mindestens 22 Uhr, Tageskarte bis 17 Uhr

Plätze: innen gut 50 Plätze, kleine Sommerterrasse

Preiskategorie: gehoben

Tageskarte: Tagessuppe 4,50 Euro, Antipasti 9,80 bis 19,80 Euro, Salate 11 bis 14,50 Euro, Pasta 6,50 bis 9,80 Euro, Pizza 7,50 bis 9,50 Euro, Hauptgerichte um 12,50 Euro, Käse/Dessert 7,50 bis 12,50 Euro

Abendkarte (ab 17 Uhr): Suppen, Antipasti 6,50 bis 14,50 Euro, Pasta, Gnocchi, Risotto 13,50 bis 14,50 Euro, Hauptgerichte 19,50–29,50 Euro, Fisch, Steaks und Meerestiere nach Tagespreis

Lesen Sie hierzu: Das ist der neue Restauranttest der MAZ

Von Manuela Blisse

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