Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam So schmeckt es in der „Garage du Pont“
Lokales Potsdam So schmeckt es in der „Garage du Pont“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:55 05.07.2018
Im „Garage du Pont“ wird regionale und französische Küche serviert.  Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

 Eigentlich war ein schickes Abendessen im Holländischen Viertel geplant. Doch es ist Sonntagabend, nicht viele Restaurants haben geöffnet. Manche jedoch schon, zumindest laut der Infotafel am Eingang. Aber kein Licht, die Tür abgesperrt. Sehr schade. Also versuchen wir es stattdessen einfach bei einem Potsdamer Klassiker: Hell erleuchtet ist das, wörtlich gesprochen, erste Haus am Platz. Zumindest von der Glienicker Brücke aus gesehen.

Dort, in der schicken Berliner Vorstadt, hat die ehemalige Nitag-Tankstelle von 1937 eine Metamorphose vollzogen: von der Sprit-Station zum Restaurant. Dass Inhaber Kai Desinger, ein gastronomischer Quereinsteiger, autoaffin ist, beweist der schmucke Oldtimer zwischen den alten Zapfsäulen. Die Garage du Pont hat sich einer regionalen und französischen Bistroküche verschrieben. Und sich damit auch über Potsdam hinaus einen Namen gemacht.

Stilvolles Ambiente: Das Restaurant mit angeschlossenem Automuseum ist in einer ehemaligen Tankstelle untergebracht. Quelle: Bernd Gartenschläger

Kulinarischer Treibstoff aus Frankreich

Der Gastraum mit großen Fenstern und zahlreichen Motorsport-Devotionalien ist gemütlich illuminiert, Familien und Paare sitzen an blanken Holztischen, ein Knirps spielt Nico Rosberg in einem schneidigen Mini-Rennwagen. Man könne auch gern an der langen Tafel Platz nehmen, sagt der junge Service-Mitarbeiter, der schnell mit der Speisekarte zur Hand ist. Kulinarischen Treibstoff aus Frankreich liefern Brasserie-Klassiker wie Croque Monsieur, Zwiebelsuppe und Rilettes mit Cornichons.

> Zur Themenseite Restauranttest „Aufgetischt“

Das heutzutage selten auf einer Speisekarte zu findende Ragout fin hört sich französisch an, wurde von den eingewanderten Hugenotten erfunden, eingedeutscht und ist mit der Nähe zur Glienicker Brücke und der einstigen innerdeutschen Grenze ein historisch spannendes Gericht. Würzfleisch hieß es diesseits der Mauer, wurde statt in der feinen Westvariante mit Kalb oder Huhn meist mit Schwein zubereitet. Nicht immer in der typischen Blätterteigpastete, sondern in einer Keramikschale.

Interessanter Mix aus Restaurant, Café und Oldtimermuseum: Im „Garage du Pont“ an der Glienicker Brücke trifft französische Bistro-Küche auf den Charme von Gangsterlimousinen.

So auch hier: Es kommt eine Art große Kaffeetasse auf den Tisch. Unter einer Käsekruste wartet ein Kalbsragout mit Champignons. Das Kalbsfleisch ist saftig, mundgerecht geschnitten und sehr gut gemeint portioniert. Dass auf die Vol-au-vents, die Blätterteigummantelung verzichtet wurde, bringt Leichtigkeit in dieses ansonsten üppig-deftige Gericht.

Wein von Günther Jauch

Dazu passte der gut gekühlte Grauburgunder von der Nahe vom Weingut Hahnmühle hervorragend. Überhaupt zeigt sich die Garage mit 13 offenen Weinen (0,1 l ab 3 Euro) und etlichen Flaschen – darunter Top-Rieslinge von Günther Jauchs Weingut von Othegraven – bestens aufgestellt. Der TV-Moderator wohnt in der Nähe und ist der Garage nachbarschaftlich verbunden.

Currywurst aus dem Havelland

Wieder nach Frankreich geht es mit Tarte flambée und Steak Frites, dem mit 26,50 Euro teuersten Gericht. Die Currywurst ist eine (deutsche) Spezialität des Hauses. Die „Monte Carlo“-Variante könnte regionaler nicht sein. Sie kommt vom Havelländer Bio-Apfelschwein und geht mit einem Cidre aus der Normandie eine überregionale Gaumensymbiose ein.

Edler Klassiker: Die Currywurst „Monte Carlo“ stammt von heimischen Bioschweinen, die Soße ist hausgemacht. Quelle: Bernd Gartenschläger

Ein weiteres schmackhaftes Treffen von Apfelschwein und Cidre findet beim Côtelette au Cidre statt. Das saftige, nicht zu opulente Schweinekotelette meines Begleiters wird von einer fein abgestimmten Cidre-Soße und in Cidre marinierten Apfelscheiben begleitet. Zu viel des Guten sind die in Hälften geschnittenen „gerösteten Rosmarinkartoffeln“, die der Ankündigung nicht ganz entsprechen, eher an normale Bratkartoffeln erinnern. Es fehlen Röstaromen, der mediterrane Kräuterduft und etwas Salz.

Süßes Finale in drei Variationen

Flammkuchen – schöner dünner, knuspriger Teig – gibt es von klassisch mit Speck, Zwiebeln und Käse bis zur Variante mit Rinderfiletstreifen oder Wildlachs. Letzterer ist jedoch etwas trocken.

Kindgerecht: ein historisches Karusselauto im Gastraum. Quelle: Bernd Gartenschläger

Für das süße Finale stehen drei Desserts zur Auswahl. Die Entscheidung fällt auf die Crème brûlée mit roten Beeren, die leider viel zu schnell serviert wird. Kein Karamellduft und kein Knacken beim Durchdringen zur Vanillecrème. Bei der Zubereitung hätte ein Oldtimer- statt Formel-1-Tempo mehr Beifall erhalten. Apropos PS-Stärken. Zum denkmalgeschützten Tankstellen-Café-Restaurant gehört auch ein Oldtimer-Museum.

Das Fazit der Genussexpertin

Essen: 3,5

Trinken: 4

Service: 3,5

Ambiente: 4

Preis-Leistungs-Verhältnis: 4

Was uns gut gefiel: Angenehmes Ambiente, entspannte Atmosphäre, solide Küchenleistung mit Highlights.

Was uns weniger gefiel: Kartoffeln mit zu wenig Aroma, der Lachs etwas trocken.

Gastro-Steckbrief

Café Restaurant Garage du Pont Berliner Str. 88, 14467 Potsdam, Tel. 0331/87 09 32 72, garagedupont.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 12 bis 23 Uhr, Küchenschluss 22 Uhr Business-Lunch: Dienstag bis Freitag

Plätze innen: ca. 60–70, außen 80

Preiskategorie: gehoben Vorspeisen: 7,50 bis 11,50 Euro Salate: 11,50 bis 14,50 Euro Hauptgerichte: 9,50 bis 26,50 Euro Desserts: 8,50 bis 9,50 Euro: Tagesgericht: 8,50 Euro

Lesen Sie hierzu: Das ist der neue Restauranttest der MAZ

Von Manuela Blisse

Die Gastro-Szene der Landeshauptstadt wächst. Doch wo schmeckt’s in der Stadt? In unserer neuen Serie „Aufgetischt“ testen wir Restaurants, Cafés und Imbisse in Potsdam und dem Umland. MAZ-Genussexpertin Manuela Blisse freut sich darauf, Neues zu entdecken.

02.05.2018

Drei Studenten aus Potsdams US-amerikanischer Partnerstadt Sioux Falls haben drei Wochen lang an Potsdamer Institutionen hospitiert. Mit überraschenden Eindrücken vom Bergmann-Klinikum, dem Gymnasium auf Hermannswerder und dem Kreativkosmos Rechenzentrum kehren sie nun zurück.

28.01.2018

Mo Asumang, die 1996 mit „Liebe Sünde“ die erste afrodeutsche TV-Moderatorin wurde, widmet sich seit einer Morddrohung von Neonazis vor allem den rassistischen Gruppen dieser Welt. Ihr Ansatz ist es, Hassprediger und Rassisten direkt zu konfrontieren. Am Donnerstagabend sprach sie darüber mit Potsdamer Schülern.

28.01.2018