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Potsdam So schmeckt es im „Le’s Cyclo“
Lokales Potsdam So schmeckt es im „Le’s Cyclo“
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17:02 08.03.2018
Thai Thao Le (rechts) leitet das Restaurant „Le’s Cyclo“. Ihre Mutter Minh Thao ist Köchin. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Innenstadt

Gut, dass das mit dem „Straßenessen“ bei der aktuellen Wetterlage nicht nur wörtlich zu verstehen ist. Seit der Trend „Streetfood“ zu uns herübergeschwappt ist, zieht er immer weitere Kreise.

Hat man Asien bereist, sind einem die Imbissstände am Straßenrand, an denen für wenig Geld Hausmannskost auf die Hand angeboten wird, geläufig. Ganz unbekannt ist uns dies jedoch auch hierzulande nicht. Im Grunde kann es als hippe Imbisskultur beschrieben werden. Pulled Pork statt Gulaschkanone, Satayspieße statt Currywurst.

Genussexpertin Manuela Blisse isst und trinkt sich durch die Restaurants in Potsdam und gibt ihre Empfehlung ab. Das „Le’s Cyclo“ in der Gutenbergstraße bekommt von ihr 6 von 10 Sternen. MAZ-Fotograf Bernd Gartenschläger hat sich im „Le’s Cyclo“ umgesehen.

Die Vietnamesin Thai Thao Le ist sozusagen gleich mit dem Cyclo, der typischen Fahrradrikscha, die trotz Automobilisierung immer noch zu den Hauptverkehrsmitteln der sozialistischen Republik gehört, in die Gutenbergstraße geradelt. Im Gepäck: authentische und alte Familienrezepte und, als ganz persönliches Mitbringsel, ausgewählte „Lieblingsspeisen“. Familien-Stil also.

Das strahlt das kleine Restaurant, rund 35 Plätze auf zwei Ebenen, auch sonst aus. Holzfußboden, Holztische, Sitzhocker, die Wände in grau und lila gehalten, letztendlich einfach und unkompliziert, wie es der Streetfoodidee entspricht. Authentisch wäre zwar Plastikmobiliar, aber dieses Cyclo steht nun einmal in Potsdam und nicht in Saigon oder Hanoi.

Der Tofu ist hausgemacht und, soviel vorweg, richtig gut.

Ein junger, tiefenentspannter Mann im Service, der an diesem Abend fast mehr mit Take-away-Bestellungen denn mit Restaurantgästen zu tun hat. Es gäbe auch viele Gerichte vegan und Fleisch könne durch Tofu ersetzt werden, erklärt er einer Kundin. Ein guter Hinweis, den man auch als Nicht-Bohnenquark-Fan beherzigen sollte. Der Tofu ist hausgemacht und, soviel vorweg, richtig gut.

Beim Studium der Karte kann man Küchen-Vietnamesisch lernen. „Trà“ heißt Tee und neben Ingwer-Limetten-Tee-Standards entdeckt man Ungewöhnliches wie Chrysanthemen-Tee und „Trà hoa hòng“, Rosenblüten-Süßholz-Tee. Man stelle sich heißes Wasser mit Rosenknospen und Scheibchen des Lakritzrohstoffs Süßholz vor.

Sieben Vorspeisen, elf Hauptgerichte

Genauso wird die Teeschale serviert, genau diese Aromen schmeckt man. „Sàigòn Bia“ ist Saigon Bier, ein Export-Bier aus der ehemals Saigon genannten südvietnamesischen Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt. Sieben Vorspeisen, elf Hauptgerichte, das ist Auswahl genug und gleichzeitig eine Menge, die die frisch arbeitende Küche gut händeln kann.

Sommerrollen sind bekannte „Món khai vi“, sprich Vorspeisen, Garnelen im Frühlingsrollennetz mit süß-saurer Soße hingegen eine interessante Variante. Feine Teigfäden ergeben eine knusprige Ummantelung des Meeresgetiers. Leider aber werden die von zuviel Netz umfangen, so dass sie geschmacklich untergehen.

„Nôm du dù“, ein Papayasalat mit Möhren, Koriander, Thaibasilikum, Fischvinaigrette und Erdnüssen beschert erst ein süßes, dann ein scharfes Gaumenerlebnis. Er besitzt Knackigkeit durch die Nüsse und Frische durch die Papaya. An sich eine schöne Vorspeise, nur deutet der suppige Schälchenboden auf ein zu langes Zeitfenster zwischen Produktion und Servieren hin.

Der „Bánh bao Burger“ wird im Vorwort der Speisekarte als „köstlich“ beschrieben. Der Rindfleischpatty ist etwas zu bissfest, aber offenbart, dass in der vietnamesischen Küche Wert auf Gewürze gelegt wird. Das gedämpfte Bao-Brötchen zeigt sich im Vergleich zu anderen Vietnam-Burger-Bratern als, einfach gesagt, zu mächtig.

Kross und als echte Alternative zu unseren frittierten Kartoffeln kommen die pikanten Süßkartoffelpommes daher. Das Kimchi sorgt für geteilte Meinungen am Tisch: „zu erdig“ versus „prima auch zum Bier“ von der Begleitung.

Das beste Gericht des Abends: Phò Bò

Zu den „Mòn chình“, den Hauptspeisen, gehören auch gebratene Reisnudeln, vietnamesisches Curry, gegrillter Schweinebauch und ein vietnamesischer Feuertopf für Zwei. Doch die Wahl fällt auf Phò Bò, die traditionelle Rindfleisch-Reisbandnudelsuppe mit Koriander und Thaibasilikum.

Das beste Gericht des Abends: eine große Schüssel mit milder, zitronengras-lastiger Brühe, opulenter Nudelbasis, sehr saftigem Huhn und auf Sonderbestellung zudem Tofu.

Im April Umzug in die Lindenstraße

Der fügt sich perfekt ein und gibt der Suppe den letzten Kick. Dem muss kein Dessert, etwa mit Bohnen gefüllte Sesambällchen, mehr folgen. Was man an diesem Abend wohl nicht mehr lernt, ist die Bestellung der Rechnung auf vietnamesisch: „xin vui lòng gúri hóa don“. Da klappt es eher mit einem „tam bièt“, „auf Wiedersehen“.

Als gehöre ein real existierendes Cyclo zum Gesamterlebnis, steht beim Herausgehen tatsächlich ein Fahrrad vor der Tür. Das könnte übrigens nur noch bis Mitte April hier stehen. Dann zieht Le’s Cyclo in größere Räume in die Lindenstraße um.

Von Manuela Blisse

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