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Rettung für Wiege der Weltvermessung

Helmertturm in Potsdam wird saniert Rettung für Wiege der Weltvermessung

Er ist ein einzigartiges Bauwerk der Wissenschaftsgeschichte: der Helmertturm auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Benannt nach dem ehemaligen Direktor des Geodätischen Instituts, Friedrich Robert Helmert, diente der Turm als Ausgangspunkt für die Vermessung der Welt. In Zukunft sollen Besucher von dort oben einen unvergleichlichen Ausblick genießen können.

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Könnte zum Aussichtspunkt werden: der Helmerttum.

Quelle: GFZ

Telegrafenberg. Früher galt er als eine Art Fixpunkt der europäischen Landvermessung. Mit seiner Drehkuppel diente das hochaufragende Bauwerk als Anker geodätischer Richtungswinkel für die Abbildung der Erdoberfläche. Inzwischen gibt der teilweise sogenannte Nabel der Weltvermessung, der Helmertturm auf dem Telegrafenberg, aber ein trauriges Bild ab. Bar jeder Nutzung zerfällt das Denkmal zusehends. Das soll sich ändern. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sich des ganzen Observatoriumskomplexes des früheren Geodätischen Instituts angenommen. Mit einer Spendenaktion will die Organisation rund eine Million Euro für die Restaurierung sammeln. Ziel könnte später die Nutzung als Aussichtsturm sein.

„Das ist wunderbar, dass jetzt auf die Agenda zu setzen“, freut sich Reinhard Hüttl, Chef der Geoforschungszentrums (GFZ) auf dem Telegrafenberg, zu dem der Helmertturm offiziell gehört. Der Turm sei schon ein „wirkliches Denkmal“, für dessen Erhalt auch das GFZ versuchen werde, „alle möglichen Quellen anzuzapfen“.

Die Zeichen der Zeit sind an dem bald 130 Jahre alten 15 Meter hohen, nach dem 1917 verstorbenen Ex-Direktor des Geodätischen Instituts, Friedrich Robert Helmert, benannten Turm unverkennbar. Rostspuren und bröckelndes Baumaterial bestimmen das Äußere des Ziegelsteinturms, dessen ursprüngliche Blechverschalung schon vor Jahrzehnten entfernt wurde. Auch eine früher vorhandene Kuppel musste einem flachen Aufsatz und den heute für das Bauwerk so charakteristischen Auslegern weichen, auf denen der Turmdeckel auseinandergeschoben werden konnte, um so auch ein freies Blickfeld für die Himmelsbeobachtungen zu bekommen.

Das Geodätische Institut


Das Königlich Preußische Geodätische Institut wurde 1892 auf dem Telegrafenberg eröffnet. In den neu errichteten Anlagen wurden die Entwicklungen der zunächst in Berlin angesiedelten Vermessungswissenschaftler fortgesetzt. Erster Direktor war der Geodät und Mathematiker Friedrich Robert Helmert.

Wie zuvor die Astrophysiker, die wegen des in Berlin zunehmenden Lichts schon 1874 nach Potsdam gekommen waren, flüchteten auch die Geodäten aus der lärmigen Großstadt: Sie wählten den Telegrafenberg wegen der erschütterungsfreien Stille und der rußfreien Luft, die ihren Messungen sehr entgegen kamen.

Bald schon konnten erste Forschungserfolge verbucht werden, die über viele Jahrzehnte internationale Bezugswerte bildeten. So etwa der 1909 endgültig bestimmte „Potsdamer Schwerewert”, der die Beschleunigung einer Masse durch die Erdanziehung festlegt und bis 1971 international gültig blieb. Ein engmaschiges Netz von Schweremessungen an verschiedenen Orten wurde erstellt, dessen Daten die Potsdamer analysierten.




Zum so getauften „Observatorium für Astronomische und Geodätische Winkelmessungen“ zählen neben dem Turm auch noch ein erhalten gebliebenes Meridianhäuschen zur Zeitbestimmung, ein Instrumentenhaus sowie weitere Kleingebäude. Das Gelände ist Teil der Wiege der wissenschaftlichen Geodäsie, der Seismologie und der systematischen Vermessung des Erdmagnetfeldes, die mit der Gründung des Geodätischen Instituts in Potsdam ihren Platz fand. Das gesamte Ensemble wissenschaftlicher Zweckbauten hier hat einiges historisches Gewicht in der weltweit einzigartigen Konzentration wissenschaftlicher Zweckbauten des Telegrafenbergs.

Während zu DDR-Zeiten der Turm mit einer oben installierten Satellitenkamera und später einem Lasermessgerät der Erweiterung der Vermessungswissenschaft in den Weltraum einen Platz geben konnte, verlor das einzigartige Bauwerk später seine Aufgaben.

Nun hat das GFZ in Zusammenarbeit mit einem Architekten neue Pläne entwickelt, den Bau als Aussichtsturm und Herberge für eine Basisstation der GPS-Navigationssatelliten-Technologie zu nutzen – vorausgesetzt die Restaurierungskosten kommen zusammen.

Von Gerald Dietz

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