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Alle Wohnungen bei „Brockes“ schon verkauft

Bauen in Potsdam Alle Wohnungen bei „Brockes“ schon verkauft

Das Brockessche Palais in der Yorckstraße erstrahlt in neuem Glanz; nur an den monumentalen Säulen der Nordfassade sieht man noch die Spuren der Geschichte: Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg.

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Richtfest für einen Teil der modernen Hofbebauung am Brockesschen Palais an der Yorckstraße. Insgesamt entstehen auf dem Areal 103 Eigentumswohnungen und drei Gerwerbeeinheiten.

Quelle: Foto: MAZ/Bernd Gartenschläger

Innenstadt. Man spürt den Krieg noch immer, aber nur noch auf den dritten Blick. Der erste schweift bewundernd über die frisch sanierte Fassade des Brockesschen Palais’, der zweite nach links und rechts zu den sonderbaren Flügelbauten, der dritte erst bleibt hängen an Details, an Stuckelementen und Sandsteinsäulchen, an kleinen Löchern in den großen alten Säulen – Spuren des Beschusses vom Ende des Zweiten Weltkriegs.

Man sieht an den Säulen der „Kanal-Front“ noch die Einschusslöcher vom Ende des Zweiten Weltkriegs

Man sieht an den Säulen der „Kanal-Front“ noch die Einschusslöcher vom Ende des Zweiten Weltkriegs. Sie mussten als Zeugnisse der Zeitgeschichte erhalten bleiben.

Quelle: Bernd Gartenschläger

„Die Denkmalpflege wollte das so erhalten sehen“, sagt Michael Lorz, technischer Leiter des Berliner Investors Baywobau. Auch bei den sandsteinernen Putten und Vasen hoch oben am Dachsims bestand die Stadt auf Originalität, obwohl man gefärbten Betonstein von unten nicht hätte erkennen können. So musste die Baywobau deutschlandweit auf die Suche gehen nach Steinmetzen, denn die Zunft der Region Berlin/Brandenburg ist fast komplett für das Berliner Schloss verplant. Wie Lorz am Dienstag der MAZ beim Richtfest für den Neubauteil des Palais-Projektes sagte, sind die Handwerker inzwischen gefunden. „Ende März 2016“, sagt er; „kommen die Teile alle wieder auf das Dach.“

Die Querelen mit der Denkmalpflege, die auch archäologische Grabungen im Hofteil verlangte, den Erhalt „blinder“ Türen und Fenster in Innenwänden und die handwerkliche Riffelung des Sockelsandsteins an der Kanalseite, sieht Lorz im Nachhinein als „normales Geschäftsgebahren. Als Bauherr weiß man, dass sowas passieren kann.“ Man habe trotz aller Meinungsverschiedenheiten „immer akzeptable Kompromisse gefunden“, sagt Lorz, der im Zuge der Palaissanierung oft nur die Hände überm Kopf zusammenschlagen konnte vor Verzweiflung.

Das Yorck-Palais an der linken Seite des Brockesschen Palais

Das Yorck-Palais an der linken Seite des Brockesschen Palais.

Quelle: Baywobau
Das West-Palais an der rechten Seite des Brockesschen Palais

Das West-Palais an der rechten Seite des Brockesschen Palais.

Quelle: Baywobau

Zu den Kompromissen gehören denn auch die modernen Ergänzungen am Barock-Palais von Johann Christoph Brockes, hoch angesehener Glasschleifer König Friedrich des Großen, der dieses ausladende Bürgerhaus nebst Werkstätten bezahlte. Das dreigeschossige Yorckpalais links und das viergeschossige Westpalais rechts der frisch sanierten historischen Fassade sind modern, aber reich gegliedert und mit ausgebauten Satteldächern versehen, die sich respektvoll dem Haupthaus unterordnen. Der hinter dem Westpalais beginnende Westflügel indes macht gar keinen Versuch, sich optisch der Form des einstigen Langen Stalls anzunähern, der mal dort stand und bis zur Ganisonkirche reichte als Fachwerkkonstruktion mit mächtigem, hohen Spitzdach. Die in arkadenartige Großbalkone und -terrassen aufgebrochene Flügelfassade hin zur Plantage mit dem Garnisonkirchglockenspiel ist das Ergebnis eines architektonischen Wettbewerbes. Die Stadt hat abgesegnet, was von Gegnern gern als Balearenarchitektur verspottet wird. „Wir halten uns ans Wettbewerbsergebnis“, sagt Michael Lorz. An einem Weiterbau des Langen Stalles habe die Baywobau nur dann Interesse, wenn sie dort Eigentumswohnungen schaffen könne. Das aber sei in der einstöckigen Stallvariante mit Steildach nicht vorstellbar, wie sie derzeit als Anschluss ans noch erhaltene Schauportal der wiederaufzubauenden Garnisonkirche favorisiert wird.

Knapp 70 von 106 Wohnungen stehen schon in der Vermarktung, und 70 Prozent davon haben bereits Besitzer. Die 18 Wohnungen im alten Palais sind alle weg, sogar die zweietagige 7-„Zimmer“-Wohnung mit 324 Quadratmetern Fläche im Mittelteil: 1,5 Millionen Euro hat der anonyme Käufer dafür hingelegt.

Der Glasschleifer des Königs

Das Brockessche Palais wurde 1776 für Glasschleifer Johann Christoph Brockes gebaut, der 1770 das Grundstück gekauft und König Friedrich II. um finanzielle Unterstützung für den Hausbau gebeten hatte. Brockes lieferte den geschliffenen Glasbehang für die Kronleuchter des Königs.

Erst 1776 stellte Friedrich II. die nötigen Mittel für die Palastfassade zur Verfügung, die von Carl von Gontard entworfen wurde. Die restlichen Kosten für den Bau mit etwa 1700 Quadratmetern Nutzfläche musste Brockes selbst tragen.

 

Freie Wohnungen unter www.MAZimmo.de

Von Rainer Schüler

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