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Ringer-Kolonnade in Potsdam als „Sparversion“

Zur Komplettierung fehlt eine Million Ringer-Kolonnade in Potsdam als „Sparversion“

Jetzt wird es ernst für die Ringerkolonnade. Die frühere Platzbegrenzung des Lustgartens zwischen Marstall und Schloss wird an ihrem provisorischen Standplatz neben dem Neptunbecken abgebaut und am historischen Ort wieder aufgestellt, allerdings ohne Kontakt zu den Nachbargebäuden.

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Andreas John (Naturstein Potsdam) hebt ein Säulenkapitell ab.

Quelle: Foto: Köster

Innenstadt. Es ist machbar, doch für den großen Wurf fehlt der Stadt derzeit das Geld. 1,5 Millionen Euro würde es nämlich kosten, die komplette Ringerkolonnade wieder als Bindeglied zwischen „Schloss“ und „Marstall“, zwischen Landtag und Filmmuseum zu stellen, durchgehend von Haus zu Haus. Sogar für die Straßenbahn in ihrer jetzigen Trassenführung wäre in der Kolonnade Platz; man könnte zwei Säulengruppen weglassen: zwei Drillingsgruppen, die man „zur Seite schieben“ würde. Das hat Sigrun Rabbe vom Sanierungsträger Potsdam am Montag im Lustgarten gesagt, wo die Demontage der Rest-Kolonnade und die Verlagerung an den Steubenplatz begonnen hat.

Die Ringerkolonnade vor dem Krieg, vom Stadtschloss aus gesehen

Die Ringerkolonnade vor dem Krieg, vom Stadtschloss aus gesehen. Als Andeutung der alten Baumreihe wurden heute an derselben Stelle wieder Linden gepflanzt.

Quelle: Sanierungsträger Potsdam, Manfred Selle (Berlin)

Die Umsetzung und Sanierung der jetzt noch am Neptunbecken stehenden Säulenreihe ohne den Figurenschmuck obendrauf und die Ringer zwischen den Säulen kostet „nur“ 500 000 Euro. Aber auch diese Sparversion hat es schon in sich, denn der komplette Sockel, fünf von 17 Säulenunterteile und ein Architrav-Deckbalken müssen durch Neuanfertigungen ersetzt werden. Hier ist der Sandstein so stark aufgerissen, dass eine Sanierung im Bestand nicht mehr in Frage kommt. Die neuen Stücke werden sich optisch von den nachgedunkelten originalen Elementen so deutlich unterscheiden wie es an den Säulen schon zu sehen ist: Hier gibt es neue Trommelstücke inmitten älterer, ein Wechselspiel zwischen Hell und Dunkel.

Die Ringerkolonnade verband einst den Marstall (heute Filmmuseum, li) mit dem Schloss, wo es eine Kutschendurchfahrt gab

Die Ringerkolonnade verband einst den Marstall (heute Filmmuseum, li.) mit dem Schloss, wo es eine Kutschendurchfahrt gab. Würde die Kolonnade wieder komplett errichtet, führe die Straßenbahn wie bisher neben dem Marstall und unter der Kolonnade hindurch. Die zweite und dritte Säulengruppe zu je drei Säulen würde weggelassen und zu den Seiten verschoben. Bei der aktuellen Sparvariante endet die Kolonnade an den Schienen und an der Kutschendurchfahrt; sie hätte zu beiden Gebäuden keine Verbindung.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege

Beim Sanierungsträger hofft man, dass die künftig besser sichtbare Kolonnade vielleicht die Portemonnaies von Spendern öffnet, die eine Komplettierung möglich machen. Immerhin gibt es bei der Schlösserstiftung auch noch Säulen– und Figurenteile.

Mit der Wiederaufstellung der Kolonnade am Steubenplatz wird die Neugestaltung der Freiflächen rund um den Landtag im Rahmen der Sanierungsmaßnahme „Potsdamer Mitte“ abgeschlossen. Die Arbeiten werden durch den Sanierungsträger Potsdam im Auftrag der Landeshauptstadt durchgeführt. Ausführende Firmen sind die Fiebig Bau und die Naturstein Potsdam; sie hatten eine Ausschreibung des Sanierungsträgers gewonnen. An die Sanierung der Ringer und der Schmuckteile kann auch erst gegangen werden, wenn es dafür Spenden gibt. Pro Vase oder Engelsfigur vom Kolonnadendach werden 3000 bis 6000 Euro veranschlagt, für einen Ringer 11000 bis 19000, für eine Sanierung, versteht sich. Wieviel Neuanfertigungen kosten würden, war gestern nicht zu erfahren.

Eingelagert sind die Ringer, Putten und Vasen seit Mitte Dezember 2013 bei der Baudenkmalpflege Roland Schulze, die damals alle Plastiken vorsorglich abgebaut hat, weil immer wieder Teile abfielen und die Kolonnade deshalb schon drei Jahre lang abgesperrt war. Zuletzt konnte man ohne Kraftanstrengung in luftiger Höhe die schweren Puttenköpfe von ihren Körpern heben. Rost hatte die Stahlstützen im Inneren der Sandsteinobjekte aufgebläht und die Figuren gesprengt.

Die Kolonnadenfiguren sind zwar marode, aber größtenteils noch komplett. Man muss ihre Eisenstützen aus dem Stein bohren und durch Edelstahlstreben ersetzen, die nicht mehr rosten. Die Kolonnade selbst ist vor allem durch eindringende Nässe angegriffen. Im Sockelbereich sind ganze Sandsteinplatten abgefallen und Bodenteile zerstört.

Das alte Fundament der Kolonnade existiert noch

Das alte Fundament der Kolonnade existiert noch; es ist tragfähig. Weil aber ein modernen Stahlbetondeckel darüber gelegt werden muss, trägt man das originale Fundament rund 20 Zentimeter ab.

Quelle: Christel Köster

Weitgehend erhalten ist das alte Fundament der Kolonnaden neben der Westseite des Landtagsschlosses; es ist grundsätzlich tragfähig, muss aber mit einer Stahlbetonschicht abgedeckt werden. Diese Forderung der modernen Baugesetze führt allerdings dazu, dass das originale Fundament per Presslufthammer um rund 20 Zentimeter abgetragen werden muss.

Bei den bisherigen Arbeiten zur Wiederherstellung des Steubenplatzes hatte man die Fundamente nicht entdeckt, weil man so tief nicht gegraben hat. Beim Sanierungsträger war man deshalb erstaunt, die Kolonnadengründung zu finden, noch dazu in baulich fast tadellosem Zustand. Derzeit läuft die Betonergänzung des Fundamentes.

Zur Bauzeit des Ernst-Thälmann-Stadions 1948/49 hatte die Kolonnade eine Kriegslücke

Zur Bauzeit des Ernst-Thälmann-Stadions 1948/49 hatte die Kolonnade eine Kriegslücke. Zu sehen sind die Kutschendurchfahrt am zerbombten Schloss und der direkte Anschluss an den Marstall, neben dem heute die Straßenbahn fährt. Das tut sie auch künftig, entweder in einer Lücke oder unter dem Architrav einer Komplett-Kolonnade hindurch.

Quelle: Sanierungsträger/Manfred Selle (Berlin)

Von Rainer Schüler

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