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Potsdam Rohrbruch setzt Bassinplatz unter Wasser
Lokales Potsdam Rohrbruch setzt Bassinplatz unter Wasser
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18:45 02.06.2017
Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Wer hätte gedacht, dass ein 18 Jahre alter, flaschengrüner Ford-Focus das Zeug zur meistfotografierten Sehenswürdigkeit in der Innenstadt hat? Freitagmittag jedenfalls waren alle Blicke auf das kleine Auto gerichtet, das bei einer Havarie in der Straße Am Bassin in eine seltsam-traurige Schieflage geraten war und mit einem Kran geborgen werden musste.

„Baujahr ’99 – ich dachte immer, dass der TÜV uns scheidet und nicht ein Wasserrohrbruch“, sagt Daniel di Primio (56). Beinahe andächtig steht der Ingenieur aus Eiche inmitten der Schaulustigen, die Handyfotos schießen, Videos drehen und angeregt über die Ursache des Schlamassels spekulieren. Ungewollt erinnerte der Bassinplatz gestern an die Zeit Friedrich Wilhelm I., als hier ein Wasserbassin angelegt war, um das Gebiet trocken zu legen.

Um 12.25 Uhr war den Stadtwerken der Bruch einer 400 Millimeter starken Trinkwasserhauptleitung gemeldet worden. Die Straße Am Bassin stand da schon einige Zentimeter unter Wasser. Fußgänger hüpften über sprudelnde Bäche, Radfahrer hoben juchzend die Füße, die Markthändler schleppten hektisch ihre Waren aus der Gefahrenzone, hievten Kiepen und Kisten auf die Verkaufstische, Polizisten zogen Absperrbänder. Mittendrin biegt Daniel di Primio um die Ecke.

Daniel di Primios Auto ist in die unterspülte Straße eingebrochen. Quelle: Julian Stähle

Was hatte er sich gefreut, einen Parkplatz in der vollen Innenstadt gefunden zu haben, erzählt er. Jede Woche fährt er für die „schon etwas betagten“ Eltern zum Einkaufen in die City. Jede Woche kreist er wie so viele um den zugestellten Bassinplatz – nun wurde aus dem seltenen Parkplatz-Glück ein unvorstellbares Pech. Denn als di Primio vom Bummel auf der Brandenburger Straße zum Bassinplatz zurückeilte und wegen der leicht überzogenen Parkzeit schon mit einem Knöllchen rechnete, stellte sich diese Sorge als sein geringstes Problem heraus: Er sah die Fluten die Straße entlangrauschen, er sah die Schaulustigen zusammenlaufen und sah zuletzt sein Auto, das bereits in die unterspülte Straße eingebrochen war und nun ein Fall für die Versicherung ist.

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Am 2. Juni 2017 ist am frühen Mittag am Bassinplatz in der Potsdamer Innenstadt eine Trinkwasserhauptleitung gebrochen.

„Etwaige Schadenersatzansprüche werden durch die Rechtsabteilung der Energie und Wasser Potsdam geprüft“, teilt Stadtwerke-Sprecher Stefan Klotz mit.

Um Schadenersatz machen sich auch etliche Anlieger Gedanken, die stundenlang ohne Wasser dastanden – selbst in Potsdam West ließ der Wasserdruck nach. Zwar sollen die Keller der direkt an der Bruchstelle stehenden Häuser verschont geblieben sein. Doch das Geschäft in etlichen Geschäften lag brach. So schickten Friseure ihre Kundinnen und Kunden nach Hause und Cafés verkauften Limo statt Espresso. Patrick Berger, Inhaber des Buena Vida Coffee Club, sah schon das Pfingstgeschäft davon schwimmen und rettete sich und seine Gäste in Galgenhumor: „Vielleicht machen wir ’ne Beachbar auf? Wer weiß, wie lange es dauert, das hier zu reparieren!“

Am Nachmittag lief zunächst die Wasserversorgung wieder normal: Der durch eine Notschaltung abgeschaltete Trinkwasserhochbehälter Kirchberg und das ebenfalls abgeschaltete Wasserwerk Nedlitz waren dann wieder unter Volllast am Netz. Zu dieser Zeit rückten auch schon Handwerker und Bauarbeiter an.

Die ausführende Firma sollte laut Stefan Klotz Freitag bis 22 Uhr arbeiten und hat den Auftrag, am Samstag um 7 Uhr weiterzumachen und notfalls nochmals bis 22 Uhr durchzuziehen. Ziel sei es, dass die Leitung noch am Samstag zu reparieren.

Das Auto kurz vor der Bergung. Quelle: Julian Stähle

Für die Straße Am Bassin, die auf rund 100 Metern teils stark beschädigt und daher zwischen Brandenburger und Charlottenstraße voll gesperrt ist, brauchen die Arbeiter länger: Derzeit sind für die Reparatur 14 Tage veranschlagt. Die Ursache des Rohrbruchs wird laut Stadtwerkesprecher Klotz noch untersucht. Anlieger vermuten, dass die vielen Busse, die täglich auf den Bassinplatz einbiegen, eine zu hohe Last sind – die Bruchstelle liegt auf Höhe der Einfahrt; die Rohre dort sind dem Anschein nach alt.

So groß die Aufregung auch war – natürlich fehlten die Witze über den Ort des Geschehens nicht: „Der Platz macht seinem Namen alle Ehre“, „Bassin ist voll“ oder „Wenn der Platz wirklich so heißt, dann passt es ja“ machten die Runde.

Von Nadine Fabian

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