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Potsdam Rollende Klassenzimmer im Freiland
Lokales Potsdam Rollende Klassenzimmer im Freiland
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17:59 15.02.2017
Stella Bauhaus (31), Busunternehmerin und Pädagogin am Lenkrad ihres zweiten Doppeldeckers. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Zwei ausgemusterte Doppeldeckerbusse der Berliner Verkehrsgesellschaft stehen als Blickfang auf dem Freiland-Gelände an der Friedrich-Engels-Straße. Nach Potsdam gebracht wurden sie von der ausgebildeten Pädagogin Stella Bauhaus (31), die mit den Oldtimern als fahrende Klassenzimmer für Berliner und Potsdamer Schüler auf die Reise gehen will.

Aufgewachsen in Wesel (Nordrhein-Westfalen), studierte Baubaus in Köln und ging dann nach Praktika an Schulen für Auslandsdeutsche in Spanien und Venezuela für ein Referendariat nach Kreuzberg an einer „Brennpunktschule“, wie sie sagt: „Da hat niemand seine Kinder freiwillig hingeschickt.“

Bei der Arbeit mit den Erst- bis Sechstklässlern habe sie „gemerkt, dass meine Schüler einen sehr kleinen Handlungsradius hatten und bei Ausflügen in den nahen Görlitzer Park zum Beispiel vom Ausflug in den Wald gesprochen haben“. Obwohl die Kinder in Berlin lebten, hätten viele von ihnen das Brandenburger Tor noch nie gesehen. „Sie kennen sich in ihren drei Straßen aus, sie kennen den Bolzplatz, die Schule, das Späti, und dann hört es meistens auch schon auf.“

Sie habe gemerkt, dass viele Kinder ihren Kiez „superselten verlassen“. Und damit einher gehe das Wissen um bestimmte Möglichkeiten und Perspektiven. Beispiel Beruf: „Die Kinder haben noch nie in ihrem Leben einen Architekten getroffen. Sie wissen nicht, was ein Architekt ist, sie wissen nicht, was ein Architekt macht und sie wissen deshalb auch nicht, dass sie Architekt werden könnten.“

In Kreuzberg entstand ihre Idee für das mobile Klassenzimmer, zunächst, um Lernorte anfahren zu können, aber auch als eigene Plattform zur Wissensvermittlung. Die Anschaffung des ersten Busses zum Ende des Referendariats sei gar nicht teuer gewesen: „Ich wusste damals nicht, dass das Fahrzeug in einem nicht von mir zu bewältigenden Zustand ist.“

Den zweiten Bus kaufte sie eigentlich als Ersatzteilspender. Über mehrere Jahre habe sie sich mit dem Projekt „autistisch durchgebissen. Ich habe gemerkt, das es gar nicht so einfach ist, wie man denkt.“

Aufs Freiland sei sie über Bekannte gekommen, als sie ihren bisherigen Platz bei einem Omnibusbetrieb in Tempelhof wegen Umzugs der Firma kurzfristig räumen musste. Fast drei Jahre hatte sie dort an ihren Oldtimern geschraubt: „Dort war eine Werkstatt für Busse, in der ich ein Praktikum gemacht habe. Ich habe den Jungs über die Schulter geschaut und mir die Sachen beigebracht.“

Finanziert habe sie das ganze mit Ersparnissen, einem Auto, das sie auf der WM-Fanmeile gewann, und über gelegentliche Aufträgen. So habe sie den rot-weißen Bus über mehrere Monate für eine Roadshow vermietet und selbst gefahren.

Idee sei, dass die Busse über Events und Teamfahrten unterhalten werden können und aus den Einnahmen Kinderfahrten mitfinanziert werden. Das eigentliche Bildungsprojekt stehe gerade am Anfang. Am Dienstag sei ein Verein eingetragen worden, der Name „Linie 94“ ist Anspielung auf das Nummernschild mit der früheren Route eines der beiden Doppeldecker in Berlin.

Linie 94 – Radiosendung und Studienobjekt

Seit Dezember ist die Linie 94 über 90,7 MHz auf Sendung. Jeden dritten Montag im Monat ab 17 Uhr wird ein Doppeldecker von Stella Bauhaus und ihrem Partner Jakob Mader zum Studio für den freien Radiosender Frrapó.

Möglicherweise werden die Busse bald zum Studienobjekt. Laut Bauhais laufen Gespräche mit dem Fachbereich Design der Fachhochschule Potsdam zur Einrichtung eines der Doppeldecker in Modulbauweise.

Die Schule in Kreuzberg, an der sie bis 2013 unterrichtete, sei mittlerweile aufgelöst. Doch ein Teil der Einrichtung sei mit einer anderen fusioniert. Wahrscheinlich würden das ihre ersten Partner sein.

Sie selbst sei als Kind nicht besonders technikinteressiert gewesen, sagt Stella Bauhaus. „Ich habe im Wald gespielt. Ich hatte auch eine Playmobil-Eisenbahn. Aber sonst. Doch ich glaube, dass gerade interessant ist, was man nicht kennt und was man nicht kann.“

Von Volker Oelschläger

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