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Potsdam Mit dem Rollstuhl vom Bodensee nach Berlin
Lokales Potsdam Mit dem Rollstuhl vom Bodensee nach Berlin
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15:54 04.09.2015
Oliver Straub ist nach einen Badeunfall in Bayern vor zwölf Jahren querschnittsgelähmt. Mit einer Rollstuhl-Tour vom Bodensee nach Berlin über Potsdam fordert er mehr Teilhaberechte für Behinderte ein. Quelle: Privat
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Ravensburg / Babelsberg

Erst 21 Jahre alt war Oliver Straub, als er in der Nähe seines Heimatdorfes Nördlingen bei Augsburg (Südwest-Bayern) in einen sommerlichen Badesee sprang. Kopfüber hechtete er ins unbekannte Wasser, das viel zu flach war für den Sprung. Straub brach sich den 5. und 6. Halswirbel; die Nerven rissen, er ist querschnittsgelähmt seither. Dank des „persönlichen Budgets“ kann er eine Assistenzkraft bezahlen, die ihm durchs Leben hilft, aber die Sozialhilfe, auf die er angewiesen ist, reicht hinten und vorne nicht für ein normales Leben.

Jetzt ist der Bayer mit einem Elektro-Rollstuhl von Ravensburg nach Berlin unterwegs, um auf die Lage von Behinderten aufmerksam zu machen, die von den meisten Berufen ausgeschlossen sind, von „Stütze“ leben und sich Reisen oder eine Familie gar nicht leisten können. Geld für ein Auto oder ein Haus zu sparen ist seiner Erfahrung nach nicht möglich, Urlaub nur mit fremder finanzieller Hilfe. Er hat Angst, mit der Altersrente nicht leben zu können. 2016 soll ein neues Teilhabegesetz beschlossen werden, in das Straub die Forderungen der Behinderten einfließen lassen möchte. 200 000 Unterschriften will er für eine gerechtere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sammeln, 186 000 hat er schon.

Am Samstagabend kommt er von Wittstock aus nach Potsdam und rollt an Montagmorgen weiter nach Berlin. In der Jugendherberge an der Schulstraße ist er für Menschen zu finden, die mit ihm reden wollen.

Oliver Straub war mal Maurer und ist jetzt EU-Rentner, auf den Rollstuhl und einen Helfer angewiesen. Er bezieht Sozialhilfe und kann sich nicht leisten, was für die meisten anderen Menschen normal ist. Quelle: Privat

Dass die 710-Straßenkilometer-Tour kein Zuckerschlecken ist, erzählte er am Freitagnachmittag der MAZ. Autobahnen sind für ihn tabu und Bundesstraßen nicht überall die beste Strecke. „Ich fahre auch Feld- und Waldwege“, sagt er; das geht so langsam wie ein Normalmensch geht. Zehn Kilometer schafft er in eineinhalb Stunden, wenn’s glatt rollt, auf hügeligem Gelände dauert’s länger. Zwei Rollstühle der neuesten Permobil-Reihe hat er gesponsert bekommen für die Tour; 12 Stundenkilometer schaffen die und 30 Kilometer Strecke, dann ist der Akku leer. Er hätte für die anspruchsvolle Strecke gern einen Hightech-Stuhl geschafft, der 15 km/h schnell ist und 200 Kilometer durchhält bis zum Akkuwechsel, „aber den wollte die Herstellerfirma mir nicht geben“. So wird er begleitet von einem Auto, das einen Wechselrollstuhl dabei hat und den Rollstuhlfahrer aufnimmt auf den besonders schweren Abschnitten.

„Für viele Menschen, die wegen ihrer Behinderung auf Assistenz angewiesen sind“, sagt Straub, „ist Teilhabe am normalen Leben nicht möglich, weil die Leistungen, die wir brauchen, vom Sozialamt kommen. Man wird arm gehalten und schließt uns somit aus der Gesellschaft aus, obwohl die Eingliederungshilfe uns genau das ermöglichen soll.“ Straub will raus aus dem Leben auf Sozialhilfeniveau, er will reisen und die Welt sehen, er will finanzielle Sicherheit und gleichberechtigt leben.

Von Rainer Schüler

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