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Ronny Domröse ist der Herzchirurg der Juristerei

Neuer Notar in Potsdam Ronny Domröse ist der Herzchirurg der Juristerei

Bei Notaren ist es ähnlich wie bei niedergelassenen Ärzten: Ihre Anzahl pro Kommune ist festgelegt, nur wenn ein Vorgänger aufhört, kann ein neuer den Posten übernehmen. Ronny Domröse hatte das Glück: Er ist neuer Notar in Babelsberg und mit 40 der jüngste in der Landeshauptstadt.

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Ronny Domröse arbeitet als Notar in Babelsberg.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Babelsberg. Bürohengste, Aktenfresser, Pedanten, Langweiler. Ronny Domröse kennt die Klischees. Notare gelten in der Bevölkerung nicht gerade als die Juristen mit den größten Charismen. Während Anwälte in spektakulären Prozessen sitzen und Richter in Robe Respekt einflößen, stehen Notare wenig im Fokus der Öffentlichkeit. Ronny Domröse hätte Anwalt oder Richter werden können. Er wollte nicht. „Notar ist für mich der schönste juristische Beruf“, sagt Domröse, der seit Kurzem als neuer Notar in Potsdam arbeitet.

Insgesamt sechs Notare gibt es in der Landeshauptstadt. Top-Absolvent Ronny Domröse ist mit seinen 40 Jahren der jüngste. Die Verteilung der Notare in einer Region ist ähnlich geregelt wie bei niedergelassenen Ärzten. Die Justizverwaltung legt anhand der Bevölkerungszahlen fest, wie viele Notare gebraucht werden. Ein Notariat kann also nur übernommen werden, wenn der Amtsinhaber aufhört. Chancen haben dabei nur Bewerber mit Spitzennoten. „Man sollte im ersten und zweiten Staatsexamen zu den Besten seines Jahrgangs gehören“, erklärt Ronny Domröse, der an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) studiert hat und gerade in Potsdam mit vielen Zuzüglern aus dem Ausland von der internationalen Ausrichtung seiner Alma Mater profitiert. Domröse, der auch ein Jahr in einer Kanzlei in New York gearbeitet hat, beurkundet als einer der wenigen Notare in Potsdam auch auf Englisch.

Nach dem Studium sind für angehende Notare mindestens drei Jahre Anwärterdienst als Notarassessor zwingend – zumindest für die sogenannten Nur-Notariate, wie es sie in Brandenburg, aber auch in Bayern, Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern gibt. Diese hauptberuflichen Notare dürfen keinen weiteren Beruf ausüben, wohingegen die sogenannten Anwaltsnotare daneben auch als Rechtsanwälte arbeiten können. Berlin ist so ein Bundesland mit Anwaltsnotaren.

Mehr als Akten-Vorleser

„Der Beruf ist unglaublich komplex“, sagt der gebürtige Dresdener Domröse. Es geht entgegen der landläufigen Meinung nicht nur um Testamente, sondern auch um Kaufverträge oder knifflige Fragen im Familienrecht, etwa bei Eheverträgen. „Manche denken, wir seien lästige Bürokraten, die nur Akten vorlesen“, sagt Domröse. „Wir sind aber nicht bloß die Vorleser. Wir sind die Herzchirurgen.“ Er könne viel gestalten und – das ist für ihn das Entscheidende – er arbeitet anders als ein Richter nicht mit dem Blick zurück auf Fälle, bei denen bereits ein Rechtsbruch begangen wurde. Notare beugen vor, beraten, schaffen Sicherheit, damit Mandaten etwa bei Kaufverträgen nicht später das Nachsehen haben. Sie richten den Blick in die Zukunft „Gleichzeitig ist es aber auch ein einsamer Beruf“, sagt Domröse. „Man hat keine Richterbank oder kein großes Kollegium zum Austausch.“ 1800 Nur-Notare gibt es in Deutschland – und 120 000 Anwälte.

In einem Raum der Etage, die Domröse mit seinen zwei Mitarbeiterinnen in der Babelsberger Karl-Marx-Straße 40 bezogen hat, stapeln sich schwarze Kisten mit rund 40 000 Urkunden. In einem Aktenschrank sind weitere Ordner verwahrt, 40 laufende Meter Papier. Es sind Urkunden von Domröses Vorgänger Peter Koch, der in einer Sozietät in der Innenstadt gearbeitet hat, angefertigt von 1991 bis Juni 2017. Als Nachfolger muss Domröse die Urkunden verwahren, die Akten in den Ordnern mindestens sieben Jahre, diejenigen in den schwarzen Kartons 100 Jahre. Mehrere Tausend Urkunden pro Jahr stellt ein Notar aus, sagt Ronny Domröse, der momentan noch zur Untermiete in Alt Nowawes wohnt. Ausgerechnet in Potsdam gelandet zu sein, sei ein riesiger Glücksfall, sagt der 40-Jährige, der auf der Suche nach einer dauerhaften Wohnung in der Landeshauptstadt ist. „Viele wünschen sich, nach Potsdam zu kommen“, sagt Domröse, der seine Assessorenzeit in Bernau (Barnim) und Fürstenwalde (Oder-Spree) verbracht hat. Wenn er auf die Aktenstapel in seinem Babelsberger Büro blickt, schlägt er anders als andere nicht die Hände über dem Kopf zusammen, sondern sagt begeistert: „Ein Traumjob!“

Notare gehen mit 70 in den Ruhestand

In Deutschland herrscht freie Notarwahl.

Notare sind in ihrer Arbeitsweise Zwitter: Sie sind Träger eines öffentlichen Amtes, arbeiten aber freiberuflich. Sie werden auf Lebenszeit bestellt. Mit 70 Jahren gehen sie in den Ruhestand.

Für ihre Tätigkeit erheben Notare bundeseinheitliche Gebühren, die im Gerichts- und Notarkostengesetz festgelegt sind.

Von Marion Kaufmann

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