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Ruderclub Vineta strebt auf die Insel

Potsdam: Neuansiedlungen in Neu Fahrland Ruderclub Vineta strebt auf die Insel

Auf der Insel Neu Fahrland gibt es zwar ein Angebot für den Ruderclub Vineta, doch der Ortsverein und die Stadtverwaltung sind skeptisch. Der Grund: Die Fläche, auf der sich der Club ansiedeln will, ist pure Natur. Das soll nach dem Willen des Ortsbeirats auch so bleiben. Immerhin soll der Standort jetzt geprüft werden.

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Der alte Vineta-Verein war Keimzelle des Rudersports.

Quelle: Archiv

Neu Fahrland. Eigentlich könnte es eine richtige Erfolgsgeschichte sein, bei der alle Beteiligten voneinander profitieren: Der Ruderclub Vineta, dessen Vorläufer in der Kaiserzeit gegründet wurde, könnte sich auf der Insel Neu Fahrland ansiedeln. Der Grundstückseigentümer habe ihnen dort auf der Grünfläche an der nordwestlichen Inselseite einen Standort für den Verein angeboten, sagte die Vorsitzende Corina Wartenberg am Dienstag im Bauausschuss. Zum Eigentümer wollten sich die Vereinsmitglieder nicht äußern. Das Bootshaus würde 14 Prozent der Grünfläche beanspruchen, die der Verein im Gegenzug betreuen würde, so Wartenberg weiter. Außerdem könnte das Haus, das über Vereinsräume für Feiern verfügt, zur Belebung des Wohngebiets beitragen.

Was wie ein perfekter Plan zum gegenseitigen Nutzen klingt, stieß aber weder bei der Stadtverwaltung noch beim Ortsbeirat auf große Gegenliebe. „Es ist ein gutes Projekt – aber bitte nicht in diesem Bereich“, sagte Ortsvorsteherin Carmen Klockow am Dienstag. Aus ihrer Sicht würde die Vereinsansiedlung Probleme bereiten. „Wir haben dort noch Natur mit unberührter Flora und Fauna.“ Auch den Bau des Bootshaus, für das es schon einen Entwurf aus der Feder von Architekturprofessor Ludger Brands gibt, sieht sie kritisch: „Das würde eine Versiegelung mit zweigeschossigem Baukörper bedeuten.“ Die Gastronomie in der ersten Etage hätte zusätzlichen Besucherzustrom zur Folge. Zudem bezweifelt Klockow, dass das Bootshaus tatsächlich nur 14 Prozent der öffentlichen Grünfläche einnimmt.

Rendite per „Crowdfunding“

Über so genanntes „Crowdfunding“, also die Finanzierung durch viele Kleinanleger im Internet, möchte die EBV Grundbesitz auf der Insel Neu-Fahrland den Neubau zweier Häuser und die Sanierung zweiter historischer mitfinanzieren. Das teilte sie gestern mit.

Eine Baugenehmigung liegt vor, die Vermarktung läuft bundesweit. 26 Wohnungen und Einfamilienhäuser sollen direkt am Weißen See entstehen, zehn haben Wasserzugang vom Garten aus, Bootssteg inklusive. Der Anteilsverkauf läuft über die Crowd­funding-Plattform Exporo im Internet.

Ab 500 Euro kann jeder einzahlen, im Januar 2019 zahlt der Eigentümer dann die Anlage plus sechs Prozent Rendite pro Jahr zurück. Stand gestern waren 214 000 Euro eingezahlt, rund elf Prozent der Gesamtkosten von 20,6 Millionen Euro. 93 Tage lang können sich Anleger noch entscheiden, das Crowdfunding-Ziel liegt bei 1,8 Millionen Euro, den Rest finanziert der Bauherr auf klassische Weise.

Info : exporo.de/projekt/neu-fahrland

Ähnlich skeptisch sieht auch die Bauverwaltung das Vorhaben. Viola Holtkamp hob hervor, dass es gelungen sei, „die sehr umfangreiche öffentliche Grünfläche als Parkanlage“ zu erhalten. Für das Gebiet gab es ein aufwendiges Wettbewerbsverfahren.

Letztlich sprachen sich die Bauausschussmitglieder zwar dafür aus, den Standort zu prüfen. Auf Initiative des Ausschussvorsitzenden Ralf Jäkel (Linke) wurde die Prüfung aber auf weitere mögliche Standorte im Norden der Stadt erweitert. Saskia Hüneke (Grüne) bekräftigte: „Wir wollen dieses Engagement im Potsdamer Norden.“ Pete Heuer (SPD) gab zu Bedenken, dass sich wohl nicht so leicht ein vergleichbarer Standort zu gleichen Konditionen finden lassen wird: „In Neu Fahrland wird er dem Verein kostenlos überlassen.“

Der moderne Ruderclub Vineta wurde erst 2015 wiederbegründet und hat derzeit sieben Mitglieder. Der alte „Vineta“-Verein gilt als Urzelle des Potsdamer Rudersports. 1883 wurde er von fünf Oberrealschülern „zur Förderung der körperlichen Kraft und zum Zwecke des Zusammenhaltes und des Vergnügens“ gegründet. Auf der Suche nach einem Grundstück wurde der Verein nahe der Glienicker Brücke fündig – ungefähr da, wo heute die Nike steht.1945 ließen die Sowjets das Gelände beschlagnahmen. Nach 1961 lag es im Grenzgebiet. Die drei Bootshäuser wurden abgerissen. Nach der Wende kümmerte sich ein Traditionsverein um das Vineta-Erbe. Die angestrebte Rückübertragung des 1945 enteigneten Geländes scheiterte jedoch.

Von Ildiko Röd

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