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Potsdam Rückblick: G 8-Außenminister-Treffen in Potsdam
Lokales Potsdam Rückblick: G 8-Außenminister-Treffen in Potsdam
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14:13 01.09.2016
G8-Außenministertreffen 2007 im Schloss Cecilienhof Quelle: Bernd Settnik
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Potsdam

Mit einem Sonderzug, über dem ständig drei Hubschrauber kreisten, kamen die G 8-Außenminister der sieben wichtigsten Industrienationen und Russlands am 30. Mai 2007 vom Berliner Hauptbahnhof zum Potsdamer Kaiserbahnhof gefahren. Brandenburgs oberster Bahnhofsmanager Thomas Hesse hatte sich extra eine rot-weiße Fahne besorgt, um den Diesel ICE symbolisch an der richtigen Stelle zu stoppen. Es war die gemeinsame Idee von Bahn-Vorstandschef Hartmut Mehdorn und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gewesen, die Chefdiplomaten auf diese etwas ungewöhnliche Weise nach Potsdam reisen zu lassen. Gegen 9.30 Uhr traf der Zug in dem Bahnhof ein, der 1905 für den damaligen Kaiser Wilhelm II. eingeweiht worden war und der seit 2005 von der Deutschen Bahn als Schulungszentrum genutzt wird.

Lawrow denkt an Marx und Engels

Platzeck empfing die hohen Gäste mit einer lockeren Ansprache und erinnerte unter anderem daran, dass der Gartenzaun des Schlosses Cecilienhof, wo sich die Außenminister später zu ihrer Konferenz treffen sollten, jahrzehntelang die Grenze zwischen den beiden Blöcken im Kalten Krieg gewesen sei. Und natürlich berichtete er den Ministern auch, wie sehr er es im November 1989 genossen habe, zum ersten Mal seit Jahrzehnten über die Glienicker Brücke zu gehen.

Später plauderte Platzeck dann auch ein wenig mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow und gestand ihm, dass er selbst lange nichts über die Geschichte des Kaiserbahnhofs gewusst habe. „So wie bei euch haben auch wir in der Schule ja nur etwas über den Sozialismus und die Arbeiterbewegung gelernt.“ Unter Anspielung auf Marx und Engels konterte Lawrow: „Das haben wir doch alles euch Deutschen zu verdanken.“

Schon während des Empfangs im Kaiserbahnhof stellten sich einige Außenminister zu kleinen Gruppen zusammen, um schon einmal einige Themen des Tages anzusprechen: die mögliche Unabhängigkeit des Kosovo etwa oder die humanitäre Krise im Sudan, ein Thema, um das sich der neue französische Außenminister Bernard Kouchner ganz besonders kümmern will. Für den ehemaligen Arzt und Menschenrechtsaktivisten war der gestrige Gipfel in Potsdam der erste große internationale Auftritt in seiner neuen Funktion.

Vom Kaiserbahnhof ging es dann ins Schloss Cecilienhof, wo im historischen Saal der Potsdamer Konferenz von 1945 das eigentliche Treffen stattfand. Steinmeier klärte seine Gäste darüber auf, dass der rote Stern in der Mitte des Schlosshofes auf einen Wunsch der Sowjets zurückgehe, die Blumen am äußeren Rand aber eine Anregung der Amerikaner gewesen seien.

Lang war die Liste der Krisenherde, die von den acht Außenministern und den höchsten außenpolitischen EU-Vertretern anschließend abgearbeitet wurde: Iran, Irak, Nordkorea, Nahost, Afghanistan, Sudan und Somalia, um nur einige zu nennen. Unversöhnlich blieben die Standpunkte zwischen Russland und den westlichen Ländern in der Kosovo-Frage: Während Lawrow darauf bestand, dass jede Veränderung die Zustimmung Serbiens finden müsse, das eine Unabhängigkeit des Kosovo kategorisch ablehnt, will der Westen möglichst bald Fortschritte in dieser Frage sehen.

Am Nachmittag kamen dann die von Steinmeier eingeladenen Außenminister Pakistans und Afghanistans nach Cecilienhof. Da im Verhandlungssaal die übrigen Themen noch nicht abgeschlossen waren, mussten die beiden Herren warten und tranken in einem Vorraum gemeinsam Tee. Das war zumindest insofern bemerkenswert, als zwischen ihren Präsidenten und Regierungen eisige Stimmung herrscht, da sich beide Länder gegenseitig vorwerfen, für das Wiedererstarken der Taliban verantwortlich zu sein.

Drohende Worte an die USA

Auch wenn sich Steinmeier als Gastgeber des Treffens alle Mühe gab, bei der Abschlusspressekonferenz die atmosphärische Annäherung zwischen Afghanistan und Pakistan als Erfolg zu verkaufen, konnte er nicht verhindern, dass bei einem anderen Thema recht kühle Stimmung aufkam. Lawrow wetterte gegen das geplante US-Raketenabwehrprogramm in Polen und Tschechien, das er als „sehr ernsthafte Bedrohung“ bezeichnete. Als Condoleezza Rice die Pläne mit dem Hinweis verteidigte, dass sich das Programm nur gegen eine mögliche Bedrohung aus dem Iran oder Nordkorea richte und von russischen Atomwaffen „mit Leichtigkeit“ zerstört werden könne, sagte Lawrow drohend: „Ich hoffe, dass wir das nicht beweisen müssen.“

Doch zu Steinmeiers Erleichterung endete der Gipfel dann doch versöhnlich: Rice und Lawrow gaben bekannt, dass sich ihre Präsidenten Anfang Juli im Haus des früheren US-Präsidenten George Bush treffen wollten.

Von Joachim Rieker

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