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Rückblick auf einen umstrittenen Kohl-Besuch

Damals 1991 in Potsdam Rückblick auf einen umstrittenen Kohl-Besuch

RÜCKBLICK: Hunderte Polizisten waren eingesetzt, als im Sommer 1991 der Sarkophag von Friedrich II. im Park von Sanssouci in Potsdam die letzte Ruhe beigesetzt wurde. Bei der mitternächtlichen Zeremonie war auch Helmut Kohl dabei. Zehntausende Besucher kamen. Es gab zudem lauten Protest.

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Quelle: Dpa

Potsdam. Die Überreste von Preußenkönig Friedrich der Große (1712-1786) kehrten im August 1991 nach 48-jähriger, kriegsbedingter Irrfahrt in ihre brandenburgische Heimat zurück und wurden in Park Sanssouci zur letzten Ruhe gebettet. Wie in seinem letzten Willen verfügt, wurden die sterblichen Überreste vom „Alten Fritz“ um Mitternacht mit einer schlichten Zeremonie in einer Gruft auf der obersten Schlossterrasse beigesetzt.

Helmut Kohl (*3. April 1930 - † 16. Juni 2017) war damals, neben dem Chef des Hauses Hohenzollern, Prinz Louis Ferdinand von Preußen (83) sowie engsten Familienmitgliedern, der einzige geladene Gast, als der schwere Zinksarg unter die Erde des Gewölbes gelassen wurde. Dazu erklang der vom Preußen-Prinzen eigens für die Umbettung komponierte Trauermarsch „Fridericus Rex“.

Großes Spektakel

Im Gegensatz zur schlichten Feier an der Gruft waren die übrigen Abschnitte der Königsumbettung ein großes Spektakel für die Öffentlichkeit. Insgesamt 80 000 Menschen verfolgten die letzte Reise des Preußenkönigs von der Ankunft des Sonderzuges, der die sterblichen Überreste von der Hohenzollernburg bei Hechingen (Baden-Württemberg) nach Potsdam gebracht hatte, bis zu ihrer Ankunft im Schloss.

Eine Ehrenwache der Bundeswehr war am Sarkophag postiert. Eine geduldig wartende Menschenmenge zog langsam – zumeist ehrfürchtig und ruhig – im Nieselregen an dem von einer achtköpfigen Ehrenwache der Bundeswehr gehüteten Sarkophag vorbei. Unter ihnen waren aber auch jüngere Teilnehmer in schwarzer Lederkluft und mit dunklen Sonnenbrillen. Selbst Sportler in Jogginghosen und Turnschuhen erwiesen dem legendären Preußenkönig die letzte Ehre.

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Altkanzler Helmut Kohl war auch einige Male in Potsdam. Vor allem ein Besuch sorgte für heftige Kontroversen: die Umbettung von Friedrich II.

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Weitgereiste Neugierige

Viele Besucher waren von weither angereist, um aus Neugierde oder „preußisch heimatverbunden“ dem König die Ehre zu erweisen. Sätze wie „Er war ein Schöngeist“ und „Er hat viel Gutes für das Land getan“ kamen aus den Mündern alter und junger Menschen.

Einige ließen rote und weiße Nelken vom Wachpersonal am Fuße des Sarges, der mit einem kleinen Rokoko-Aufsatz mit Krone geschmückt war, niederlegen. Für die um 205 Jahre verschobene Trauerfeierlichkeit am testamentarisch verfügten Ort nahmen ältere Männer den Hut ab.

Unterdessen verteilten im Schlosspark einige in Barockkostüme gekleidete Homosexuelle Flugblätter. Sie erinnerten daran, dass Friedrich im Alter von 19 Jahren geschrieben hatte, er werde „gewiss ein sehr schlechter Ehemann sein“.

Linker Protest in der Innenstadt

Während im Park Sanssouci die Beisetzungsfeierlichkeiten begann, formierte sich im Potsdamer Stadtzentrum eine Protestkundgebung gegen die Beisetzungsfeierlichkeiten. An ihr nahmen rund 1000 Menschen teil, die bis in die Nähe des Parkes von Sanssouci marschierten. Veranstalter war die “Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienst und Militär“, die sich auch gegen den preußischen Militarismus und seine Aufwertung durch die Teilnahme der Bundeswehr wandte.

Kleinere Zwischenfälle ereigneten sich am Portal des Schlosses Sanssouci und im Ehrenhof um den Katafalk von Friedrich II. Eine Frau wurde durch einen Steinwurf am Kopf verletzt. Einige der Demonstranten sollen in polizeilichen Gewahrsam genommen worden sein.

Bundesgrenzschutz drängt Rechte zurück

Vor dem Defilee der Bevölkerung hatten zudem Vertreter der rechtsgerichteten „Vereinigten Länder des deutschen Ostens im Deutschen Reich“ versucht, einen Ehrenkranz am Wiesenhang auf der Ehrenhof-Rückseite niederlegen. Der Bundesgrenzschutz drängte sie zurück. Auch eine kleine Gruppe deutsch-national Gesinnter mit Transparenten, Reichskriegsflagge und altdeutscher Fahne durfte nicht in die Nähe des Sarges Friedrichs des Großen. Ein adeliger Nachkomme des zaristischen Generalfeldmarschalls Mikhail Koutouzov, der zu Beginn des 18. Jahrhundert Napoleon in Rußland die erste Niederlage einer Schlacht zu Land beigebracht hatte, sprach von einer „großen Ehre für die Deutschen“.

Von MAZonline

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