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Potsdam „Rückenwind“ schließt Haeckelmarkt
Lokales Potsdam „Rückenwind“ schließt Haeckelmarkt
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10:39 03.09.2015
Der Haeckelmarkt in Potsdam-West steht kurz vor der Schließung. Quelle: Christel Köster
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Potsdam

Die Schrumpfkur des Rückenwind-Vereins geht weiter. Vorstandschef Maik Loose bestätigte auf Anfrage, dass die vom Verein betriebenen Second-Hand-Märkte am Waldhornweg im Wohngebiet Am Stern und in der Teltower Oderstraße nun „in privater Regie“ von ehemaligen Mitarbeitern geführt werden. Am Montag soll in einer Personalversammlung die Schließung des Haeckelmarktes in Potsdam-West zum Monatsende bekannt gegeben worden sein.

Loose, der auf MAZ-Anfrage zu den Vorgängen mit einer schriftlichen Stellungnahme reagierte, äußerte sich nicht zu dem Termin der Schließung. Er bestätigte aber: „Im Anschluss dieser Versammlung sind die (betriebsbedingten) Kündigungen den jeweiligen Mitarbeitern ausgehändigt worden.“ Nach Angaben des Vorstands sind in den bereits ausgegründeten Märkten insgesamt 21 Personen beschäftigt. 16 Mitarbeitern sei gekündigt worden. Der Verein werde „in Zukunft keine festen Mitarbeiter mehr haben“, so Loose.

Rückenwind ist eine der ältesten Sozialhilfeinitiativen in der Landeshauptstadt. Der 1996 gegründete Verein galt lange als Vorzeigeprojekt der Straffälligenhilfe und der Integration von Langzeitarbeitslosen. Zeitweise beschäftigte der Verein in seinen Second-Hand-Märkten und im Fuhrpark mehr als 100 Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer. Zum sozialen Ansatz zählten neben der Beschäftigung von Menschen in schwierigen Lebenslagen günstige materielle Angebote und Dienstleistungen für Menschen mit geringem Einkommen. In der Hochphase bemühte sich Rückenwind vergeblich um die Etablierung eines Bürgerhauses für Potsdam-West.

Streit ums Ehrenamt

Rückenwind war lange einer der größten Anbieter von Beschäftigungsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose“ in Potsdam. Teil des Modells war der Einsatz ehrenamtlicher Helfer.

bei der über geraume Zeit mehreren hundert Hartz-IV-Empfängern eine Aufwandsentschädigung von 100 Euro monatlich gezahlt wurde, rief nach Jahren überraschend die Justiz auf den Plan. Nach deren Ansicht lief das Modell zu Lasten von Kranken- und Sozialkassen.



wurden wegen Sozialbetrugs verurteilt, viele der ehrenamtlichen Helfer wurden von der Bundesagentur für Arbeit mit finanziellen Rückforderungen konfrontiert.

Seit 2012 bekam der Verein keine Förderung mehr vom Jobcenter. Im Frühjahr 2014 waren nach Angaben des Vorstandes noch rund 70 Mitarbeiter für den Verein tätig, die Hälfte davon mit unbefristeten Verträgen. Für Aufsehen im Kiez sorgte im Sommer 2014 die Schließung der in Potsdam-West beliebten Fahrradwerkstatt, in der junge Erwachsene in schwierigen Lebenssituationen eine Berufsperspektive fanden. Ende 2014 wurde das Jugendrechtshaus in Neuruppin aufgegeben.

Ein Grund für die Abgabe der Märkte sei die Einführung des Mindestlohns: „Der Betrieb von Zweckbetrieben sollte ursprünglich zur Finanzierung anderer sozialer Projekte dienen. In der letzten Zeit dienten die Einnahmen jedoch lediglich der Unterhaltung der Zweckbetriebe“, so Loose.

Anliegen des Vereins sei es „auch weiterhin, bedürftigen Menschen Hilfestellung zu geben“. Die Märkte Am Stern und in Teltow verfolgten „immer noch das Anliegen, einkommensschwachen Menschen preiswerten Erwerb von Textilien, Einrichtungs- und Haushaltsgegenständen zu ermöglichen“. Das Label „Rückenwind“ dürften sie weiter verwenden, „um so vom Bekanntheitsgrad unter Spendern und Käufern zu profitieren“. Die künftige Nutzung des Haeckelmarktes sei noch unklar. Der Verein bemühe sich, „auch für diese Betriebsstelle eine Übernahme des Marktes durch Mitarbeiter oder andere Interessierte zu erreichen“.

Der Verein selbst befinde sich „in einer intensiven Diskussion über die Neuausrichtung“, deren „Ergebnis noch offen“ sei.

Von Volker Oelschläger

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