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Rückschlag für Potsdamer Kino „Charlott“

Gespräche für Umbau stocken Rückschlag für Potsdamer Kino „Charlott“

Die Vorbereitungen für den Umbau des „Charlott“-Kinos in der Brandenburger Vorstadt von Potsdam zum Nahversorger sind ins Stocken geraten. Das hat die Bauverwaltung im Kulturausschuss mitgeteilt. Das Traditionskino wurde 1998 geschlossen, das Gebäude ist seitdem abgesperrt.

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Das ehemalige Kino „Charlott“ an der Zeppelinstraße in der Brandenburger Vorstadt.

Quelle: Foto: Christel Köster

Potsdam/Brandenburger Vorstadt. Die Vorbereitungen für einen Umbau des maroden Charlott-Kinos in der Zeppelinstraße zum Nahversorger sind ins Stocken geraten. Die Bauverwaltung teilte dem Kulturausschuss am Donnerstagabend in einem Schreiben mit, dass ein vom Eigentümer beauftragtes Planungsbüro im Oktober 2016 einen Bauvorbescheidsantrag gestellt habe, der wegen unvollständiger Unterlagen für eine Beurteilung noch nicht beschieden werden konnte: „Sollte der Bauvorbescheidsantrag zurückgewiesen werden müssen“, so die Bauverwaltung, „werden die ordnungsbehördlichen Verfahren durch die Stadt weder aufgenommen.“ Die Frist dafür ende Mitte April.

Das Gebäude des Charlott ist eines der letzten Zeugnisse einer einst sehr vielfältigen Potsdamer Kinolandschaft. 1934 in einem ehemaligen Wirtshaussaal eröffnet, zählte es über Jahrzehnte zu den beliebtesten Lichtspielhäusern der Stadt. Seit 1977 steht das Gebäude als frühere Versammlungsstätte der Arbeiterbewegung unter Denkmalschutz. Seit 1998 ist das Kino zu.

2004 wurden das „Charlott“ und die benachbarte Gründerzeitvilla für 126.000 Euro versteigert. 2006 gab es mit dem Blick auf die gefährdete Bausubstanz erste Forderungen aus den Reihen der Kommunalpolitik nach einer „Ersatzvornahme“. 2013 beauftragen die Stadtverordneten das Rathaus auf Antrag der Linken mit der Prüfung aller Optionen „bis hin zur Enteignung wegen Vernachlässigung“.

2015 gab es einen ersten Gesprächsanlauf zwischen der Stadt und dem Eigentümer zur Sanierung der Immobilie. Doch es sollte beim Austausch über „verschiedene Modelle“, so Stadtkonservator Andreas Kalesse, zur Sanierung und Ergänzung des Ensembles bleiben. Nach der Mitteilung über den Abbruch der Gespräche beantwortete er Fragen zu den Chancen eines Enteignungsverfahrens Ende 2015 im Kulturausschuss mit dem Ausruf: „Ach woher! Das können Sie völlig vergessen.“

Im Frühjahr 2016 gab die Stadtverwaltung die Wiederaufnahme von Gesprächen mit dem Eigentümer bekannt. Das „Charlott“ sollte zum Nahversorger umgebaut, die benachbarte Villa des früheren Ausflugsrestaurants „Victoria-Garten“ wieder zur Gaststätte werden. Zudem stellte die Verwaltung die Rekultivierung der früheren, parkähnlich gestalteten Anlage und die Wiedereröffnung der bei den Anwohnern beliebten Gesundheitsgasse in Aussicht.

Wie nun mitgeteilt wurde, hätten Eigentümer und Denkmalpfleger eine „im Wesentlichen genehmigungsfähige Planung für eine Nutzung als Nahversorger vorabgestimmt“. Nächster Schritt war der Bauvorbescheidsantrag.

Immer weniger Zeugnisse

Das Gebäude des „Charlott“ ist eines der immer selteneren Zeugnisse der einst sehr vielfältigen Potsdamer und Babelsberger Kinolandschaft.

Gerade verschwinden die letzten Spuren des 1912 als „Residenz-Lichtspiele“ eröffneten Kinos „Melodie“ in der Friedrich-Ebert-Straße. 2004 geschlossen, entstehen an Stelle des einstigen Kinosaals Geschäfts- und Büroräume.

Die langjährige Baulücke an der Ecke Friedrich-Ebert-, Helene-Lange-Straße, die jetzt Baustelle ist, wurde nur noch von den wenigsten mit der Potsdamer Kinogeschichte in Verbindung gebracht. Anfang der 1910er Jahre hatte man dort Filme gezeigt.

Nach Recherchen der Historikerin Jeanette Toussaint sollte an der Ecke mit dem „Colosseum“ in den 1920er Jahren ein riesiges Kino mit 1000 Plätzen entstehen. 1945 wurde im „Colosseum“ ein Magazin der Sowjetarmee eröffnet, man diskutierte den Umbau zum Stadttheater, riss das Gebäude aber nach 1950 ab.

Ein Monument der Potsdam-Babelsberger Kinogeschichte ist das „Thalia“ in der Rudolf-Breitscheid-Straße, das bereits seit Jahren zu den besten Programmkinos der Bundesrepublik zählt und Ende dieses Jahres sein 100-jähriges Bestehen feiert.

Erhalten blieb das Gebäude des „Defa 70“ auf dem Gelände der Medienstadt, das 1991 als Studiokino wieder eröffnet wurde und heute als Mischatelier dient.

Fest etabliert sind die Kinos im 1981 eröffnete Filmmuseum im früheren Marstall und in der 1999 eröffneten UCI-Kinowelt am Hauptbahnhof. vo

Von Volker Oelschläger

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