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Russisch-Orthodoxe bauen im Wald

Nach jahrelangem Ringen Russisch-Orthodoxe bauen im Wald

Positiver Bauvorbescheid für neues Gemeindezentrum auf dem Kapellenberg in der Alexandrowka – schwierige Sponsorensuche wegen Auswirkungen der Russland-Sanktionen

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So stellen sich die Architekten das künftige Gemeindezentrum auf dem Kapellenberg vor.

Quelle: Van Geisten/Marfels

Alexandrowka. Der Rubel rollt nicht wie erhofft für die russisch-orthodoxe Gemeinde am Kapellenberg in der Alexandrowka. Grund sind die Russland-Sanktionen, die sich auf die Spendenfreudigkeit vermögender Russen auswirken. „Die Geldflüsse sind abgeschnitten, so dass Unternehmer mit Standorten im Ausland auch finanzielle Einbußen haben – das mindert natürlich den Spendenfluss“, erläutert Gemeinde-Diakon Daniil Koljada, der Sohn von Erzpriester Anatolij Koljada.

Erzpriester Anatolij Koljada vor der Kapelle des Heiligen Alexander Newski

Erzpriester Anatolij Koljada vor der Kapelle des Heiligen Alexander Newski.

Quelle: Christel Köster

Dennoch müsse die russisch-orthodoxe Gemeinde mit ihren rund tausend eingetragenen Mitgliedern nicht ums finanzielle Überleben kämpfen, betont Koljada weiter. Auch hierzulande gibt es Gläubige, die der Gemeinde mit Spenden dabei helfen, über die Runden zu kommen. Deshalb nehmen die Potsdamer Orthodoxen auch keine Geldspritze der öffentlichen Hand mehr in Anspruch. Fast 10 000 Euro jährlich wurden früher vom Land zugeschossen. Darauf habe man allerdings vor anderthalb Jahren verzichtet, erläutert der Erzpriester: „Andere brauchen das Geld vielleicht noch nötiger als wir.“

In der Kapelle

In der Kapelle.

Quelle: Christel Köster

Die Zurückhaltung der reichen Russen kommt dennoch zur Unzeit für die Mitglieder der traditionsreichen Gemeinde der Kirche des Heiligen Alexander Newski, deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert reichen. Die versiegten Geldquellen aus Putins Reich machen sich nämlich beim geplanten Bau des Gemeindezentrums bemerkbar.

Nach jahrelangem Ringen um einen Versammlungsort für die Gemeinde konnte nun ein erster Etappenerfolg bei der Umsetzung erzielt werden. „Es gibt einen Bauvorbescheid“, bestätigt Stadtsprecherin Friederike Herold. Der positive Bescheid wurde bereits Ende 2016 erteilt.

Geplant ist ein zweiteiliges Gebäudeensemble auf der Kuppe des Kapellenbergs in der Alexandrowka. Der 300-Quadratmeter-Bau besteht aus einem größeren und einem kleineren Teil. Er soll in den Wald zwischen der Newski-Kapelle und dem Jüdischem Friedhof am Pfingstberg hineingebaut werden. Die endgültige Baugenehmigung hat die Gemeinde allerdings noch nicht in der Tasche. Der Grund: Die Gläubigen können die Kosten für den Bauantrag noch nicht stemmen. Deshalb muss weiter gesammelt werden: „Wir brauchen dafür 60 000 Euro“, erläutert Gemeinde-Diakon Daniil Koljada.

Diakon Daniil Koljada

Diakon Daniil Koljada.

Quelle: Christel Köster

Das Gemeindezentrum wird etwa 1,5 Millionen Euro kosten. „Spenden in Form von Sachleistungen sind momentan leichter zu bekommen als Geld“, so Koljada. Momentan gibt es Zusagen im Wert von 200 000 Euro für die Holzfassade und Teile des Innenausbaus. Darüber hinaus soll ein 800 000-Euro-Kredit aufgenommen werden. Die Gemeinde befindet sich auf Sponsorensuche im In- und Ausland. Ende 2017 ist der Start einer großen Spendenkampagne geplant, um die fehlende halbe Million Euro für den Bau zusammenzubekommen.

Die russisch-orthodoxen Gläubigen kämpfen seit Jahren um einen Ort, wo sie Versammlungen, Feiern und Taufen abgehalten können. Im engen Pfarrhaus von Erzpriester Anatolij Koljada neben der Newski-Kapelle fehlt dafür der Platz. Die Feiern müssen in der guten Jahreszeit unter freiem Himmel abgehalten werden. Für die Weihnachtsfeiern mietet man sich in Sälen von benachbarten Kirchengemeinden ein.

Erzpriester Anatolij Koljada vor dem Pfarrhaus

Erzpriester Anatolij Koljada vor dem Pfarrhaus.

Quelle: Christel Köster

Zunächst war der Bau des Gemeindezentrums auf dem Friedhofsgrundstück der orthodoxen Gemeinde an der Nedlitzer Straße geplant. Das Projekt scheiterte jedoch am Veto des Landesdenkmalamtes, das die Sichtachse vom Fuß des Kapellenbergs hinauf zur Kapelle gefährdet sah. Schließlich einigten sich Stadt, Landesdenkmalamt und Gemeinde auf den Standort auf der Kuppe des Kapellenberges. 2015 finanzierte die Stadt einen Wettbewerb für das Gemeindezentrum, bei dem der Entwurf des Potsdamer Architekturbüros Van Geisten/Marfels ausgewählt wurde.

Älteste orthodoxe Kirche in Deutschland

Die Kirche des heiligen Alexander Newski auf dem Kapellenberg ist die älteste russisch-orthodoxe Kirche auf deutschem Boden. Sie wird seit ihrem Bau 1828/29 ununterbrochen genutzt.

Als Teil der Kolonie Alexandrowka steht die Kirche seit 1999 als Weltkulturerbe unter Unesco-Schutz.

Das Pfarrhaus befindet sich neben der Kirche in einem Gebäude, das Friedrich Wilhelm III. einst als Teehaus nutzte. 1986 zog Erzpriester Anatolij Koljada mit seiner Familie in das Haus.

Von Ildiko Röd

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